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Finanzkrise bei Cineasten-Events © VIS/Hanna Pribitzer

Problematisch Von fehlender Planungssicherheit, zu geringen Förderungen und prekären Arbeitsverhältnissen, die den Organisatoren das Leben schwer machen, merkt das Publikum zum Glück nichts.

© VIS/Hanna Pribitzer

Problematisch Von fehlender Planungssicherheit, zu geringen Förderungen und prekären Arbeitsverhältnissen, die den Organisatoren das Leben schwer machen, merkt das Publikum zum Glück nichts.

britta biron 22.02.2019

Finanzkrise bei Cineasten-Events

Der Sparstrumpf ist seit Jahren die „Berufskleidung” der Filmfestival-Organisatoren in Österreich.

••• Von Britta Biron

WIEN. „Vor allem in Wien ist die Situation inzwischen dramatisch”, sagt Marie-Christine Hartig, Sprecherin des Forum österreichischer Filmfestivals (FÖFF), das 2012 gegründet wurde, um die damals schon missliche Situation der cineastischen Events zu verbessern. Bisher hat die Lobbyarbeit allerdings noch nicht gefruchtet.

Die zusätzlichen 1,5 Mio. €, die man dringend bräuchte, um faire Löhne zahlen zu können und eine stabilere Basis für die Festivalorganisation zu ermöglichen, sind nach wie vor nicht in Sicht. Ebenso eine Förderstrategie, die für mehr Planungssicherheit sorgt.
„Erfolgreiche Festivals wie das ‚Kino unter Sternen' oder junge und beliebte Events wie die ‚Poolinale' haben inzwischen aufgegeben, viele weitere stehen auf der Kippe und überlegen jährlich, ob und wie es weitergehen kann”, so Hartig weiter.
Kürzlich erst hat auch Let’s CEE-Organisatorin Magdalena Zelasko das Handtuch geworfen, nachdem die Förderzusagen von Stadt Wien und Bundeskanzleramt – österreichweit die größten Festival-Financiers – zu niedrig ausgefallen waren.

Prekäre Verhältnisse

Zelasko sieht eine krasse Diskriminierung, da die Subventionen auch in den vergangenen Jahren äußerst knapp waren: „Rechnet man die Förderungen auf die Besucher um, hat sich bei uns ein Wert von 2,48 Euro ergeben, bei allen anderen Filmfestivals lag er bei 7,99 Euro. Es ist nicht einzusehen, warum unsere Zuseher weniger wert sein sollen als andere.”

Von Benachteiligung will Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hausler indes nichts wissen: „Beiräte, Jurys und Kuratorien geben nachvollziehbare Empfehlungen auf Basis der Expertise ihrer Mitglieder ab. Die Vergabe in öffentlichen Sitzungen im Wiener Gemeinderat ist transparent und auf der Homepage der Kulturabteilung einsehbar.”

Zu wenig Budget

Das Budget für Filmfestivals ist in den letzten Jahren aber nur moderat angestiegen, gleichzeitig ist die Zahl an Festivals in unterschiedlichen Sparten, Ausrichtungen und Größen hoch.

Als das „Kino unter Sternen” nach 22 Jahren zum letzten Mal den Vorhang fallen ließ, herrschte kein Mangel an potenziellem Ersatz – trotz bekannt schlechter Rahmenbedingungen.
„Es gab viele Interessenten; letztendlich lagen vier konkrete Konzepte am Tisch, die sich alle durch hohe Qualität, Seriosität und Professionalität auszeichneten. Das schlüssige und interessante Konzept von ‚Kaleidoskop' hat letztendlich den Beirat und mich am meisten überzeugt”, so Kaup-Hausler.
100.000 € lässt Wien für den Festival-Newcomer springen, exakt den selben Betrag, den auch der Vorgänger-Event erhalten hatte. Noch geben sich die Kaleidoskop-Macherinnen zuversichtlich, vor allem, weil sie starke Partner haben. Überhaupt gewinnt in Zeiten klammer öffentlicher Kassen das Sponsoring an Bedeutung.
„Aber das ist durch mangelnde Steueranreize in Österreich schwerer als zum Beispiel im angloamerikanischen Raum; in dieser Frage ist der Bund schon seit langem gefordert”, meint die Wiener Kulturstadträtin.

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