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Geht’s der Digitalisierung gut, geht’s uns allen gut © ikp/Markus Hirschbügl
© ikp/Markus Hirschbügl

Redaktion 08.11.2019

Geht’s der Digitalisierung gut, geht’s uns allen gut

Der ikp bescherten neue Technologien und ein anderes Kommunikationsverhalten ein erfolgreiches Jahr.

Mit Standorten in Vorarlberg, Salzburg und Wien ist ikp nicht nur geografisch, sondern auch in Bezug auf ihr Portfolio breit aufgestellt. medianet bat Susanne Hudelist und Maria Wedenig zum Talk.


medianet:
Frau Wedenig, Frau Hudelist, wir stehen mitten im Q4. Wie es scheint, weist Ihre Agentur bisher ein schönes Wachstum aus …
Maria Wedenig: … Das ist richtig. Schon 2018 haben wir eine wirklich schöne Steigerung von plus sechs Prozent geschafft, und wie es aussieht, werden wir heuer an der vier Millionen-Marke beim Honorarumsatz kratzen.

medianet:
Womit Sie über dem Marktschnitt liegen, was insofern erstaunlich ist, als der PR-Markt in den letzten Jahren nicht so stark gewachsen ist.
Wedenig: Umso mehr freut uns das – besonders auch deswegen, weil wir in Wien ein noch deutlich höheres Plus gemacht haben. Und zwar mit der gleichen Mitarbeiteranzahl. Insgesamt haben wir knapp 40 Kolleginnen und Kollegen an allen drei Standorten zusammen.

medianet:
Sie sagen es. Der Gesamtmarkt ist um knapp ein Prozent gewachsen. Wie ist Ihnen hier das überdurch­schnittliche Wachstum gelungen?
Susanne Hudelist: Wir sind als Agentur thematisch und branchentechnisch sehr breit aufgestellt. Alle Bereiche sind derzeit gleich stabil – von Handel, über Gesundheit bis hin zu Bauen, Wohnen, Leben. Unser Vorteil ist, dass wir Kunden sehr lang betreuen, einige schon 20 Jahre und länger. Und die empfehlen uns auch gern weiter.


medianet: Sie haben es gerade angesprochen: Mit Bauen.Wohnen.Leben. haben Sie einen neuen thematischen Bereich für Ihre Agentur erobert. Ich nehme an, dass Sie hier besonders gut wachsen konnten.
Wedenig: Das Wachstum ist über alle Bereiche ähnlich gut verteilt. Wir wachsen vor allem gemeinsam mit unseren bestehenden Kunden sehr stark – auch, weil wir hier auf langjährige Kundenbeziehungen bauen.
Hudelist: Wir wachsen aber nicht nur, weil wir in Bezug auf die Branchen breit aufgestellt sind, sondern auch, weil wir als Agentur eine sehr breit gefächerte Produktpalette anbieten können – von klassischer PR, über die Infografik bis hin zu Social Media und Film.

medianet:
Heute sind ja Agenturen mittlerweile zum Teil auch Berater der Kunden.
Wedenig. Besonders stark nachgefragt wird Strategieberatung und natürlich das Dauerthema Krisenkommunikation.

medianet:
Wie gestaltet sich das Neukundengeschäft?
Wedenig: Der Bereich Kommunikation ist ein Empfehlungsbusiness. Ausschreibungen und Offerte sind eine Sache, aber sehr vieles kommt über Weiterempfehlungen, was uns natürlich besonders freut, weil dies eine höchst wertvolle Währung ist.

medianet:
Und wie sieht es mit Pitches aus?
Hudelist: Hier wären wir bei dem Negativthema der Branche schlechthin angelangt. Die gesamte Pitchkultur ist unverändert katastrophal. Dabei spreche ich noch gar nicht von ‚normalen' Pitches, sondern von einfachen Preislistenangeboten, Kostenvoranschlägen oder Kurzkonzepten. Manche Unternehmen melden sich nachher nicht einmal, um abzusagen … Das ist etwas, das ich an der Branche sehr kritisiere, weil es einfach nicht in Ordnung ist. Das hat nichts mit Handschlagqualität zu tun!
Wedenig: Als Agentur investiert man wichtige Ressourcen – ein Feedback-Anruf wäre das Minimum an Wertschätzung. Dieses Nicht-Melden nennen wir etwas sarkastisch ‚Agentur-Ghosting'.
Hudelist: Deshalb sind wir im Neukundengeschäft sehr zurückhaltend. Wir investieren unsere Energien lieber in die bestmögliche Betreuung bestehender Kunden. Und das bewährt sich.

medianet:
Ihre Agentur ist ja nicht nur in Wien, sondern bis nach Vorarlberg präsent. Wie sieht es hier aus?
Hudelist: Ich fange mit Vorarlberg an: Neu ist hier das Projekt Rhesi. Dabei handelt es sich um ein Hochwasserschutzprojekt, bei dem der Rhein neu gestaltet wird, also ein Riesending, wie man sich vorstellen kann. Und nicht nur in Österreich. Da ist ikp Vorarlberg für die PR-Beratung, die Strategieberatung und die Krisenkommunikation verantwortlich und zwar grenzüberschreitend. Das ist eines der größten Infrastrukturprojekte Österreichs und hat ein Bauvolumen von 900 Millionen Euro – also ist richtig, richtig groß.

Außerdem haben wir in Vorarlberg mit der Digitalagentur Massive Art im Frühjahr 2019 die Division ‚Digital Relations' gegründet, die bereits Kunden wie die Lebensmittelindustrie der WKV, Loacker Recycling, Bachmann Electronic oder Faigle Kunststoffe gemeinsam betreut. Weitere Neukunden sind Burger King, Casino Bregenz und Getzner Textil.

Wedenig: Wir arbeiten nicht nur standortübergreifend, sondern auch grenzübergreifend – nicht nur in Österreich, sondern insbesondere im D-A-CH-Raum und ganz Europa. Viele internationale Unternehmen suchen sich ein übergeordnetes Netzwerk mit einer Leadagentur. Und wir sind in Zusammenarbeit mit internationalen Partneragenturen im Verbund oft mit dabei. 

medianet:
Und wie sieht es in Salzburg aus?
Wedenig: Auch im Westen gibt’s einige New Busniness-Erfolgs­stories: Neu im Salzburger Portfolio sind AustroCel, die Landeszahnärztekammer Salzburg, Wessenthaler sowie Kampagnen für Myslik, den Pflegegipfel des Landes Salzburg und die Hello Bank!.

medianet:
Insgesamt also ein sehr gutes Jahr für ikp. 
Hudelist: Das kann man durchaus so sagen. Wir haben so viel zu tun, dass uns das oft selbst gar nicht auffällt, wie gut es läuft. Da muss man manchmal richtig innehalten und kurz einmal in die Vogelperspektive wechseln, um dies zu erkennen.
Hudelist: Dazu passt auch, dass wir als Agentur keine Werkvertragsmitarbeiter haben. Das war immer unser Konzept und das bleibt auch so. Wir arbeiten immer mit eigenen Leuten und sourcen auch nichts aus, was wir als PR-Leistung verstehen. Ich weiß, dass andere Agenturen zum Beispiel Texte oder Social Media außer Haus geben, wir machen das alles von vorn bis hinten selber. Vielleicht ist das auch einer der Erfolgsfaktoren, der uns gar nicht so bewusst ist. 

medianet:
Und wenn wir zum Schluss nach Wien kommen. Wie geht es der Agentur in der Bundeshauptstadt?
Wedenig: In Wien gibt es natürlich auch viele neue Projekte wie zum Beispiel Dachvisionen, eine Plattform der Unternehmen Velux, Tondach, Bramac, Eternit und holzbau austria, Ludwig Schokolade oder die Petz Hornmanufaktur. Andererseits haben wir unsere bestehenden Kunden, mit denen wir viel machen, wie zum Beispiel die viel beachtete Revitalisierung und Modernisierung des Donauturms. Hier haben wir die gesamte Medienarbeit übernommen.
Hudelist: Im Bereich der Onkologie machen wir auch etwas Neues und wir haben eine Bank neu im Portfolio. Hier waren wir ja in den 2000er-Jahren im Finanzbereich sehr stark, dann kam die Wirtschaftskrise, die diesem Bereich sehr zugesetzt hat. Umso schöner ist, dass es aus dieser Branche wieder verstärkt Aufträge gibt, auch weil ich diesen Bereich als Verantwortliche leiten darf.

medianet:
Wie es aussieht, also ein Feuerwerk an neuen Kunden und Projekten. Wo sehen Sie generell neue Trends in der PR, und was fragt der Markt künftig nach?
Hudelist: Wir sehen PR als Strategie-Hub der Kommunikationswirtschaft. Gleichzeitig kennen wir alle Mediengattungen und können alle Formate produzieren, im Gegensatz zum Beispiel zu Digitalagenturen. Die Digitalisierung ist der große Treiber: Neue Technologien, ein verändertes Kommunikationsverhalten, Verschiebung der Mediennutzung und der bessere Zugriff auf die Vielzahl an Daten bedeuten ein breiteres Spektrum an Skills und Dienstleistungen bei PR-Agenturen – und somit zusätzliche Wertschöpfungsquellen für uns. Gleichzeitig spüren wir einen deutlich verstärkten Bedarf an Krisenkommunikationsberatung, besonders in der Industrie. Die One-Stop-Shop-Funktion befeuert die Umsätze; dementsprechend erwarten wir bei ikp, parallel zu einer immer noch recht gesunden Wirtschaftsentwicklung, eine weitere Steigerung. (fej)

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