Geschüttelt, nicht gerührt
MARKETING & MEDIA Redaktion 06.09.2019

Geschüttelt, nicht gerührt

Lebensmittelmüll in Cocktails zu verwandeln, scheint manchmal ein gangbarer Weg.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

IDEEN. Am Donnerstag erreichte uns eine Meldung aus einer Tiroler Bäckerei, die sich als „Vorreiter für innovative Lösungen zur Vermeidung von Lebensmittelmüll” positioniert. So sperrig diese Markenstrategie hier auch dargestellt wird, so kreativ – und spritzig – ist der Ansatz: Altes Brot und Ausschussware werden von den Tiroler Bäckern nämlich zu Hochprozentigem verarbeitet und verkauft. Aus altem Brot wird Gin. Hätte Jean-Jacques Rousseau – dessen „Sollen-sie-doch-Kuchen-essen”-Zitat so gern genutzt wird – sich diese Option zu Herzen genommen, hätte man Marie-Antoinette nicht nur diesen Ausspruch, sondern auch noch Alkoholismus unterstellt.

Rezepte

Zurück zum Gin: Was braucht man eigentlich für dessen Produktion? Ethanol, also umgangssprachlich Alkohol, klaren, hochprozentigen, und das Aroma von Koriander und Wacholderbeeren. Trink-Alkohol gewinnt man, lebensmitteldefinitionsgemäß, aus der Vergärung von zucker- oder stärkehaltigen Materialien, aus Getreide, Mais, Kartoffeln. Eigentlich funktioniert es aber – siehe Ethanol als Treibstoff – auch mit Bioabfall recht gut. Die tatsächlich revolutionäre Idee wäre dann eigentlich, nicht nur altbackenes Brot als Wacholderschnaps wiederauferstehen zu lassen, sondern den gesamten heimischen Bio-Müll. Schnaps statt Treibstoff. Das Klima würde es uns danken; andererseits ist der Ansatz, die Bevölkerung nachhaltig in den Alkoholismus zu treiben, auch ein eher unmoralischer Gedanke. Wiewohl es in Wahlkampfzeiten manchmal den Anschein erweckt, als wäre dies längst passiert. Mehr zu diesem Themenkreis – zu den bizarren Auswüchsen des Nationalratswahlkampfs in der Alpenrepublik – lesen Sie auf Seite 38 dieser Ausgabe im Kommentar des Kollegen Fejzuli.

Um das patriotische Seelenheil auch in schweren Zeiten aufrechtzuerhalten, empfehlen wir jedenfalls ein Glaserl Gin – und dazu passend die Berichterstattung der BBC über die No-no-Brexit-Anstrengungen im britischen Unterhaus.

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