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GIS-Gebühr: Plus acht Prozent © APA/ORF/Herbert Neubauer / Thomas Jantzen

Alexander Wrabetz und Roland Weißmann.

© APA/ORF/Herbert Neubauer / Thomas Jantzen

Alexander Wrabetz und Roland Weißmann.

Redaktion 06.10.2021

GIS-Gebühr: Plus acht Prozent

Anfang der Woche informierten der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und sein Nachfolger Roland Weißmann über die anstehende GIS-Anpassung.

WIEN. Am Montag, 4. Oktober 2021, lud die ORF-Generaldirektion zu einem Hintergrundgespräch in die Wiener Innenstadt. Thema: Die anstehende Anhebung der Programmentgelte, wobei es sich laut Wrabetz eher um eine „Anpassung“ handelt. Alle fünf Jahre sieht das ORF-Gesetz eine solche Änderung vor – Wrabetz und Weißmann legen demnach einen Vorschlag für die GIS-Gebühren bis 2026 vor. „Im Einvernehmen mit Roland Weißmann“ werde man nach Abwägung aller Einflussfakturen dem Stiftungsrat eine Erhöhung der Programmentgelte vorgeschlagen. Künftig sollen Österreichs Haushalte 1,38 € mehr für die ORF-Programme bezahlen. Dieser Rechnung nach werden in Zukunft 60 Cent für den ORF zu entrichten sein, fünf Cent mehr als die vergangenen Jahre.

Mit den Gebührenabgaben der Österreicher finanziert sich der ORF zu zwei Dritteln, lediglich ein Drittel kann aus kommerziellen Einnahmen lukriert werden. Die prognostizierte Entwicklung eben dieser – genauer gesagt der TV-Werbung – sei auch Mitgrund für die Erhöhung. „Mittelfristig“, so Wrabetz, „ist im Wachstumspotenzial der klassischen TV-Werbung nicht mit hohen Steigerungen zu rechnen.“ Einbezogen wurde auch die geschätzte Inflation der kommenden Jahre von zehn Prozent. Entschlossen habe man sich aber, „an den unteren gesetzlichen Rahmen“ zu gehen und mit einer Inflation von acht Prozent zu rechnen. In Summe hätte der ORF nie die volle Inflationsanpassung bekommen, informiert Wrabetz. Real, sagt Wrabetz, seien die Gebühren von 2008 bis 2026 um 15% gesunken.

Pläne im Programm
Der designierte Generaldirektor Weißmann äußerte sich im Rahmen des Gesprächs ebenfalls zur GIS-Erhöhung und den Vorhaben, die man damit realisieren möchte. „Programm, Programm, Programm“, so das Credo Weißmanns. Jeder freie Euro solle ihm zufolge in das ORF-Angebot fließen – erfolgreiche, bestehende Programme fortgesetzt und neue entwickelt werden. Investiert werden solle vor allem in österreichische Fiktion, regionale Angebote und Kultur bzw. Wissenschaft. Angestrebt werden auch Kooperationen, beispielsweise mit dem Streaminganbieter Netflix, aber auch mit deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern. Im Sportbereich konnten TV-Rechte für zahlreiche Sportevents gesichert werden – exemplarisch seien die Olymischen Winterspiele oder die Fußball WM genannt. ORF III soll zum anstehenden 10-jährigen Jubiläum mehr Budget für Informations- und Kulturinhalte zur Verfügung gestellt werden. Außerdem „bekenne“ man sich zu ORF Sport+, wie Weißmann sagt.

Den Informationssektor will man ebenfalls finanziell stärken, um so die „Kernfunktion des ORF hochzuhalten und auszubauen“, so Weißmann. Etwa werde aktuell die Erschließung einer zusätzlichen, nicht näher genannten, Korrespondentenstelle geprüft. Auf seine neue Aufgabe als Generaldirektor sieht sich Weißmann gut gerüstet, da er innerhalb der letzten zehn Jahre das Produktionsbudget um 20% reduziert habe und durch die Einsparungen die Finanzierung der Spartensender ORF III bzw. ORF Sport+ möglich wurde.

Lücke nicht größer werden lassen
Ein immer wieder auftauchendes Thema in Bezug auf die Gebührenerhöhung ist die Streaminglücke, mit der sich der ORF konfrontiert sieht. Laut Wrabetz sei klar, dass man in Zukunft „um Gebührenzahler kämpfen muss“. Ziel sei weniger die Schließung der Lücke, als vielmehr zu verhindern, dass diese nicht noch größer werde. Hoffnungsschimmer: Rund 95% aller Haushalte zahlen die GIS-Gebühr. Die Zahl jener, die sich aufgrund ausschließlicher Nutzung von Streamingangeboten davon befreien wollen, sei laut Wrabetz überschaubar. Aktuell sei man in Gesprächen mit den deutschen Öffentlich-Rechtlichen, um „Bemühungen zu bündeln“. Die Inhalte der Mediatheken sollen untereinander zur Verfügung gestellt werden, „ohne alles zusammenzulegen“, klärt Wrabetz auf.

„Kein Selbstzweck“
Wieviel Millionen Euro die Erhöhung dem ORF einbringt, wollten Wrabetz und Weißmann zu beim Gespräch nicht preisgeben. Zunächst müsse der Stiftungsrat den Antrag annehmen und die Medienbehörde die Rechnung prüfen – erst dann sei die Anpassung in Kraft. Wenngleich die Begeisterung der Politik für die Gebührenerhöhung laut Wrabetz „nicht groß ist“, gehe er davon aus, dass der Antrag vom Stiftungsrat angenommen wird. „Wir sind zuversichtlich“, sagt Wrabetz. Frühestens ab 1. März des kommenden Jahres werden also rund 3,2 Mio. Haushalte mehr für die ORF-Programme bezahlen. Dies sei aber „kein Selbstzweck“, so der noch amtierende Generaldirektor. Die Erhöhung soll „dazu beitragen, den umfassenden öffentlich-rechtlichen Auftrag auch in Zukunft erfüllen zu können“. (Anna Putz)

 

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