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Greenwashing: Schlechte Karten für Arbeitgeber © Zoe Goldstein

Wolfgang Preisinger und Herbert Kling haben sich in einer Studie angesehen, welche Parameter vor allem in die Mitarbeiterzufriedenheit einzahlen.

© Zoe Goldstein

Wolfgang Preisinger und Herbert Kling haben sich in einer Studie angesehen, welche Parameter vor allem in die Mitarbeiterzufriedenheit einzahlen.

Redaktion 21.10.2022

Greenwashing: Schlechte Karten für Arbeitgeber

Purpose ready-Studie: Arbeitnehmer missbilligen „Purposewashing” und schätzen mit Leben erfüllte, nicht nur postulierte Werte.

••• Von Martina Berger

LINZ. Gelebte Werte und Führungsqualitäten zahlen massiv in die Mitarbeiterzufriedenheit ein, bestätigt die „Purpose ready”-Studie, die heuer beim 22butterfly Corporate Karisma Festival in Linz erstmals breit vorgestellt wurde. Fazit: So zu tun als ob, kann sich für Arbeitgeber als tückisch erweisen. Eher gilt: Motivation, Commitment und eine längerfristige Bindung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sind für Unternehmen in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels ein wesentliches strategisches Ziel geworden.

Im Zuge der Diskussion, wie dieser Herausforderung wirksam und nachhaltig begegnet werden kann, taucht immer häufiger die Forderung nach „Purpose” auf, nach mehr Sinnstiftung in der beruflichen Tätigkeit.
Und die „Purpose ready”-Studie hinterfragt nun all das und beweist dabei relativ klar: Unternehmen mit schwacher Kultur haben schlechte Karten, wenn es darum geht, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und zu bleiben.

40% überlegen zu wechseln

Für die Studie befragte der Wiener Meinungsforscher und Recruiting-Experte Herbert Kling (brandscore.at) insgesamt 1.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unterschiedlicher Hierarchiestufen in österreichischen Unternehmen.

Ein erster Blick auf die Zahlen enthüllt durchaus Ernüchterndes: Rund 40% der unselbstständig Erwerbstätigen haben in den vergangenen sechs Monaten darüber nachgedacht, einen neuen Job zu suchen, 13% verschickten im gleichen Zeitraum Bewerbungen und fünf Prozent haben sich komplett aus dem Rennen genommen: Sie sind einfach zu frustriert, um sich überhaupt noch Chancen auf ein glücklicheres Arbeitsleben auszurechnen.

Es braucht greifbares „Why”

„Das sind natürlich keine guten Nachrichten für Personalverantwortliche”, fasst Kling zusammen. „Mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen empfindet gegenüber ihren Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern keine besondere Loyalität”, so Kling über die möglichen Folgen

Clustert man nun die Antworten, entsteht ein differenzierteres Bild: „Innerlich gekündigt” und wechselwillig zeigen sich vor allem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Unternehmen, die weder für Purpose noch für Führungsqualitäten stehen, und das – anders, als man annehmen könnte – weitgehend unabhängig von den jeweiligen Branchen. So steigt die Zufriedenheit nach Schulnoten signifikant (von 2,2 auf 1,7), wenn in einem Unternehmen Werte herausgeschält wurden und diese auch erkennbar gelebt werden.
Das Studienergebnis beweise, so Kling: „Ein greifbares „Why” schafft Bindung. Wobei das Postulieren eines „Why” alleine nicht ausreicht – im Gegenteil: , die Werte vor sich hertragen, ohne sie im Alltag zu beweisen oder mit Leben zu erfüllen, schneiden deutlich schlechter ab, als jene, die keine Werte formulieren, dafür aber mit Freiheiten oder anderen Benefits punkten können. „Wir sollten das als eindeutige Absage an ,Purposewashing' interpretieren”, so Kling: „Viele Menschen haben längst ein Gespür entwickelt, das sie warnt, wenn sie mit reinen Fassaden konfrontiert werden”, so Kling weiter.

Creative Leadership

Hingegen erweist sich der Faktor „Creative Leadership” als maßgeblich für Motivation, Commitment und Bindung. Wird in einem Unternehmen ein kreativer Rahmen geschaffen und mutig genützt – bei gut ausgebildeter Fehlerkultur und Vorgesetzten, die dieses Miteinander überzeugt wie überzeugend mittragen –, wächst die Zufriedenheit: und das massiv (konkret auf 1,8), auch ohne explizite Wertorientierung.

Kommt Sinnstiftung hinzu, so steigt die Benotung auf noch höhere 1,3, und das gefürchtete Phänomen „Dienst nach Vorschrift” schrumpft bis zur völligen Vernachlässigbarkeit.

Corporate Karisma Festival

Und unter dem Motto „Souly Side Up” wurden im Rahmen des Corporate Karisma Festivals mehr als 25 Programmpunkte rund um das spürbare Innenleben von Wirtschaftsbetrieben präsentiert.

Das diesjährige Corporate Karisma Festival in der Eventlocation Posthof in Linz war „als inspirierender Reigen für ein aufblühendes Thema angelegt. Schließlich mausert sich Corporate Culture zum Wettbewerbsfaktor Nummer eins” so die Organisatoren.
Dabei stellt die Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnen-Bindung in Zeiten von New Work nur ein Pro dar. Ebenso wertvoll sei „die Kultur für Agilität, Commitment, Innovationsfreude und Resilienz. Das Corporate Karisma Festival mache es sich – so Ernst Demmel, Founder 22butterfly und Die Fabrikanten sowie Initiator des Corporate Karisma Festivals – zur Aufgabe, Unternehmenskultur zu „verganzheitlichen”:
Und Demmel weiter: „Wir führen die Themen gesellschaftliche Verantwortung, Organisationsentwicklung, Kommunikation, Design und Kunst zusammen. Ziel der zweitägigen Corporate Karisma Festivals ist es, Unternehmen zu ermutigen, ihre Kultur strategisch zu entwickeln”, so der Experte abschließend.

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