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"Gute Nacht Österreich": Peter Klien wechselt hinter den Schreibtisch © APA/ORF/Romane Zach-Kiesling

Peter Klien

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Peter Klien

Redaktion 05.09.2019

"Gute Nacht Österreich": Peter Klien wechselt hinter den Schreibtisch

Er wurde als "Reporter ohne Grenzen" bekannt, ab 12. September folgt ein eigenes Late-Night-Format auf ORF 1 - "Im wunderschönen Studio zu stehen und schimpfen zu dürfen, ist auch erfrischend".

WIEN. Als "Reporter ohne Grenzen" fürchten ihn Politiker und lieben ihn seine Fans, nun wechselt Peter Klien aber hinter den Schreibtisch: Der Satiriker erhält ab 12. September mit "Gute Nacht Österreich" auf ORF 1 ein eigenes Late-Night-Format. Bei einer selbst ausgerufenen "PK des Jahres" stellte Klien Mittwochvormittag seine Show vor und versprach: "Jetzt geht es richtig los!"

Immer donnerstags um 21.55 Uhr ist eine halbstündige Mischung aus Stand-up-Comedy, verschiedenen Rubriken wie Presserundschau, Bild der Woche oder "Insta-Politics" sowie einem längeren Erklärstück zu erwarten. Letzteres wird in Zusammenarbeit mit der Rechercheplattform Dossier.at erstellt und ist das "inhaltliche Herzstück", so Klien. "Wir werden uns dabei mit einem bestimmten Thema genauer auseinandersetzen." Fakten und Zusammenhänge sollen auf unterhaltsame, satirische Weise vermittelt werden. In der ersten Episode widmet man sich Parteifinanzen.

Gäste im Stile einer klassischen Talkshow sind nicht geplant, allerdings sollen verschiedene Kabarettisten als "Experten" auftreten. "Das wollen wir schrittweise einführen, bis Weihnachten werden sie das ein oder andere Gesicht zu sehen bekommen", hielt sich Klien diesbezüglich noch bedeckt. Keine Zeit mehr werde er für seine Rolle als Außenreporter bei "Willkommen Österreich" finden. "Ich hätte sehr gerne weitergemacht. Aber es wäre eine Kindsweglegung, wenn man so viel Zeit für eine andere Sendung als die eigene aufwendet."

Wobei: Ganz verzichten müsse man auf seine Paraderolle wohl auch künftig nicht. "Es ist Wahlkampf. Also werde ich es nicht ganz bleiben lassen", gab sich Klien pragmatisch und versprach Auftritte im Rahmen von "Gute Nacht Österreich". Wie es künftig allerdings mit seinen unangenehmen Fragen an die Spitzen des Staates weitergeht, wisse er nicht. "Es wird sich zeigen, wie sich das zeitlich ausgeht." Immerhin ist er nicht nur als Präsentator, sondern auch als Headautor für die neue Show verantwortlich und müsse die Fäden, die von etwa zehn weiteren Autoren geliefert werden, zusammenführen.

Stilistisch ist "Gute Nacht Österreich" unverkennbar an erfolgreiche US-Formate wie "Last Week Tonight" oder "The Late Show with Stephen Colbert" angelehnt. "Es ist sicher eine Mischung aus verschiedenen Elementen", nickte Klien im Gespräch mit Journalisten. Ob er sich Aktionismus im Stile eines Jan Böhmermann vorstellen könne? "Es kann alles passieren", grinste der Moderator. "Es kann auch schon Planungen geben. Aber ich fürchte, ich bin da nicht so gut informiert." Die Grenzen für Satire seien in den vergangenen Jahren verschwommen. Wirklich verboten sind aus seiner Sicht lediglich zwei Dinge: Alles, was das Strafrecht betrifft, und "langweilig zu sein".

Für ORF-1-Channelmanagerin Lisa Totzauer ist politische Satire jedenfalls eine Kernaufgabe des öffentlich-rechtlichen Senders. "Sie ist unglaublich wichtig, unglaublich relevant. Satire ist Wahrheit mit Witz. Und wie uns die aktuelle politische Situation zeigt, haben wir sehr viel Futter." Der ORF könne mit solchen Formaten nicht nur "Zielgruppen ansprechen, die vielleicht nicht so informationsaffin sind", sondern auch "unsere Unabhängigkeit zeigen und unsere Glaubwürdigkeit stärken". Nachsatz: "Wir werden uns auch selbst aufs Korn nehmen. Dadurch, dass alle drankommen, wird sich auch niemand aufregen können."

Die Erwartungen sind also nicht gering an "Gute Nacht Österreich", das immer am Tag vor der Ausstrahlung in Wien St. Marx aufgezeichnet wird. Auch für Klien selbst. "Es ist natürlich ein Unterschied, ob man im Studio sitzt und die Welt erklärt, oder draußen Politikern hinterherrennt", betonte er. Trotzdem wolle er weiterhin "der Robin Hood der Gebührenzahler" sein. "Und im wunderschönen Studio zu stehen und schimpfen zu dürfen, ist auch erfrischend." (APA/red)

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