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Immer diese Wahlunbeteiligten
Dinko Fejzuli 11.11.2016

Immer diese Wahlunbeteiligten

Donald Trumps Wahlsieg ist einmal mehr ­Beweis dafür, das Protest-Wahlabstinenz nicht funktioniert.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

QUALGANG. Die USA haben gut 325 Mio. Einwohner. Davon sind ca. 175 Mio. wahlberechtigt und wiederum 60 Mio. von diesen haben vergangenen Dienstag republikanisch und damit ­Donald Trump gewählt – übrigens fast gleich so viele, wie schon vor vier Jahren ebenfalls ihr Kreuzerl bei den Konservativen machten. Von einem „Aufschwung” für die Republikaner also keine Spur.

Nur: Während gut 72 Mio. US-Amerikaner in 2012 noch Barack Obama ihre Stimmen gaben, sackte der Wert für Hillary Clinton auf 59 Mio. Stimmen ab. Es haben also gut 12 Mio. Menschen weniger Clinton gewählt als Obama. Und da liegt auch schon das Problem. In Wahrheit hat Trump die Wahl nicht gewonnen, sondern die Demokraten mit einer fast genau so unbeliebten Kandidatin, wie es Trump selbst ist, haben die Wahlen verloren. Die Niederlage der demokratisch gesinnten Wähler ist also selbstverschuldet.
Hat ja prächtig funktioniert, das mit dem aus Protest nicht wählen.
Einen weiteren Verlierer dieser so folgenreichen Entscheidung jenseits des großen Teichs, die aber für uns alle spürbar sein wird, haben manche auch schon ausgemacht.
Es sind die sogenannten Mainstream-Medien. Jene, die Trump-Wähler vermutlich gar nicht lesen. Aber jene, die sie lesen, und die Trump nicht wählen, haben sich dank der Berichterstattung in diesen bis kurz vor Schluss in Sicherheit wiegen können, dass Clinton der Sieg nicht in Wahrheit zu nehmen ist. Wurde über Trump berichtet, wurde er im besten Fall nicht ernst genommen; im schlimmsten Fall wurden er und mit ihm gleich seine Wähler verächtlich bis lächerlich gemacht.
Kaum jemand hat sich die Mühe gemacht, genauer hinzuschauen. Es war viel lustiger, sich journalistisch darüber zu wundern, warum vermeintliche Wohlstandverlierer meinten, Milliardär Trump würde sich für deren Belange einsetzen.
Und da ist es wieder: Das Problem, dass Trump das Glück hatte, dass seine Gegnerin ebenso unbeliebt war wie er. Und somit gingen die Wähler bei der Frage Pest oder Cholera auch in den USA lieber zum Schmid und nicht zum Schmiedl.

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