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Kein Nebenschauplatz © Arthur Michalek

Lukas Kircher, Xenia Daum, Marion Stelzer-Zöchbauer, Eva Maria Kubin, Nicola Dietrich und Pierre Greber (v.l.).

© Arthur Michalek

Lukas Kircher, Xenia Daum, Marion Stelzer-Zöchbauer, Eva Maria Kubin, Nicola Dietrich und Pierre Greber (v.l.).

Redaktion 03.12.2021

Kein Nebenschauplatz

"medianet" sprach mit Lukas Kircher, Cope Chief Creative Consultant, über die wachsende Bedeutung der Strategie im Content Marketing.

••• Von Dinko Fejzuli und Josephine Wolfram


WIEN. Die Cope Content Performance Group unter der Leitung der Geschäftsführerinnen Xenia Daum und Eva Maria Kubin ist seit einem Jahr als Fusion der Styria Content Creation und der styria digital one am Markt. Personell verstärkt hat sich die Agentur mit Lukas Kircher als Cope Chief Creative Consultant

medianet:
Herr Kircher, seit wann sind Sie mit dabei und wie kam es eigentlich zum Engagement als Cope Chief Creative Consultant?
Lukas Kircher: Ich habe einen lustigen Anruf bekommen von Xenia und Eva, die gesagt haben: ‚Wir haben gehört, du bist jetzt aus deiner Firma raus. Wir bauen gerade etwas Ähnliches – hast du nicht Lust, nach Österreich zu kommen?' Jetzt muss man wissen, die Styria war am Anfang meine berufliche Heimat, ich konnte also überhaupt nicht Nein sagen und dann war es natürlich auch ein super Projekt.

medianet:
Und wie würden Sie nun die Bedeutung Content Marketing im Marketingmix beschreiben?
Kircher: Content Marketing hat sich allgemein von einer Nischendisziplin zu einem zentralen Werkzeugkoffer im modernen Marketing etabliert. Man sieht kaum noch Unternehmen, die es nicht als zentrales Marketingstrategie einsetzen würden. Das hat viele Gründe: Es macht zum einen einfach Spaß, wenn man hin und wieder Marketing zusammenbringt, das von echten Menschen freiwillig rezipiert wird, und es freut natürlich jeden Marketer, wenn er oder sie es schafft, mit Content zu überzeugen. Es gibt also viele Faktoren, die mitspielen.

Gleichzeitig läuft das große Versprechen der ewigen effizienteren Kundengewinnung durch Digitalisierung etwas holprig, weil wir es inzwischen mit sehr starken Monopolen wie Google und Facebook zu tun haben, und gerade deshalb ist Content Marketing zunehmend interessant, wenn auch natürlich mit der Tendenz, Premium Content hinter Pay Walls zu geben, immer mehr wertvolle Umfelder verloren gehen, die mit klassischem Advertising dann nicht mehr direkt adressierbar sind. Es gibt viele technische und strategische Hintergründe, aber klar ist, dass es von einem belächelten Nebenschauplatz zur zentralen Achse beim Markenaufbau und bei der Vertriebsunterstützung geworden ist.


medianet:
Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Vorteile des Content Marketing im Vergleich zu anderen Aktivitäten, um Kunden zu generieren?
Kircher: Content Marketing hat einen Vorteil und einen Nachteil: Der Nachteil ist, dass es etwas länger dauert und eine gewisse Persistenz als Marketer braucht. Content Marketing kann man nicht von heute auf morgen in Bewegung bringen. Der große Vorteil ist, dass die gesamte Marketing-Kreativität darauf ausgerichtet werden kann, Contents zu erstellen, die nicht als belästigend empfunden werden, sondern als Hilfestellung und gutes Entertainment. Aus dieser Freiwilligkeit heraus entsteht dann ein anderes Kostengerüst für die Kosten pro Kontakt, weil Content Marketing mit der Zeit günstiger wird als klassisches Advertising.

medianet:
Und wie gehen Sie mit den gesetzlichen Regulierungen des Content Marketing um?
Kircher: Als Content Marketer sieht man das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein Beispiel: Eine oft unterschätzte Waffe des Marketing ist das E-Mail-Marketing, denn es ist eine Challenge, einen wirklich herausragenden B2B Fach-Newsletter zu einem Thema zu machen, der qualitativ so hochwertig ist, dass er in einer kleinen Zielgruppe mehr Probleme löst und Trends aufzeigt als ein klassischer Fachartikel. Der Newsletter generiert auch einen direkten Kundenkontakt, der komplett datenkonform ist – nämlich Menschen erreicht, die vorab gesagt haben, sie möchten etwas regelmäßig lesen, da es sie vor allem unternehmerisch weiterbringt und keine Belästigung darstellt. Wir sehen natürlich, dass der Aufbau von Daten immer schwieriger wird, aber wenn wir genauer hinsehen, müssen wir sagen, dass die Monopolisierung im Digital Advertising nicht dazu geführt hat, dass Google und Co. uns keine Daten geben. Im Gegenteil: Wir müssen uns unsere Kundenkontakte immer wieder neu erkaufen. Im Content Marketing haben wir durch solche und andere Strategien sogar die Chance, mehr eigene personenbezogene Daten aufzubauen, die auch im freiwilligen Kontakt bestehen.

 

medianet: Abschließende Frage: Für wen würden Sie generell Content Marketing empfehlen?
Kircher: Die größte Falle des Content Marketing ist es, zu viel auf einmal zu machen und dadurch den Fokus zu verlieren, mit hoher Qualität die Zielgruppe wirklich gut zu adressieren. Man kann es vielleicht auch noch andersrum sagen: Ich glaube, Content Marketing kann fast jedem Unternehmen helfen, Unternehmensziele zu erreichen, wenn man nicht ins Kanal-Wirrwarr absinkt und infolgedesen so viel macht, dass man mit der Grundqualität nicht mehr mithalten kann.

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