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Kritik an WhatsApp © Pixabay/Thomas Ulrich

Einige User wechseln zu Mitbewerbern – genügend, um WhatsApp unter Druck zu setzen. Die neuen Nutzungsbedingungen werden verschoben.

© Pixabay/Thomas Ulrich

Einige User wechseln zu Mitbewerbern – genügend, um WhatsApp unter Druck zu setzen. Die neuen Nutzungsbedingungen werden verschoben.

Redaktion 22.01.2021

Kritik an WhatsApp

Wegen gravierender neuer Regeln probieren WhatsApp-User Alternativen. In Europa schützt die DSGVO ihre Daten.

WIEN / SANTA CLARA. Nach Kritik und Abwanderung zu alternativen Messengerdiensten verschiebt WhatsApp die Deadline für die Zustimmung zu den neuen Nutzungsbedingungen.

Bisher mussten Nutzer diese bis zum 8. Februar akzeptieren. Jetzt kann der Dienst doch noch bis 15. Mai genützt werden, bevor eine Entscheidung fällig ist – für oder gegen WhatsApp.
Denn in Ländern außerhalb von Europa stehen Nutzer vor einer Wahl: ob sie ihre WhatsApp-Daten für Werbezwecke und Produktverbesserungen an Facebook-Unternehmen weitergeben oder aufhören, den Messengerdienst zu nützen. Für User im europäischen Raum muss es aufgrund der DSGVO möglich sein, sich weiterhin gegen die Datenweitergabe zu entscheiden. Dennoch hat die aktuelle Situation auch in Europa für Aufregung gesorgt.
„Seit der Einführung der DSGVO sind die Leute einfach sensibilisiert worden, wenn es um den Datenschutz und ihre Privatsphäre geht. Wir haben in den Medien viel über Trump, Fake News oder Filterblasen gehört, und natürlich ist Facebook einer der großen Akteure”, sagt Alan Dahi vom Datenschutzverein noyb kürzlich im Gespräch mit der APA. Der Verein wurde vom österreichischen Datenschutzjuristen Max Schrems gegründet.

Transparenz und Alternativen

Seit 2014 gehört das WhatsApp-Unternehmen Facebook; seine Datenschutzerklärung ist für den Experten Dahi „nicht wirklich transparent”. Nicht nur Nutzer, sondern auch Datenschutzjuristen würden sich öfter fragen, was die pauschalen Formulierungen zu bedeuten haben.

Dabei erklärt Dahi auch: „WhatsApp hat – wie alle Unternehmen im Grunde – die aus der DSGVO resultierende Pflicht, eine Transparenz herzustellen, was mit unseren Daten passiert: Wohin gehen sie, wie lange werden sie gespeichert?”
Einige User wechseln im Zuge der Kritik zu anderen Dienstleistern. Gegenüber dem Technews-Portal TechCrunch erzählt Signal- Vorstandsvorsitzender und WhatsApp-Gründer Brian Acton, dass die Downloadzahlen des Messengerdienstes Signal in den letzten Wochen explodiert seien. Nach dem Verkauf an Facebook investierte Acton vor zwei Jahren 50 Mio. USD in die Non-Profit-Organisation Signal Foundation, die heute neben Telegram zu WhatsApps größten Konkurrenten zählt.
Dahis Beurteilung für WhatsApp oder Telegram fällt vergleichsweise schlechter aus als die für Signal oder den Schweizer Mitbewerber Threema. „Schaut man sich grundsätzlich die Philosophien der jeweiligen Unternehmen an, dann kann man sagen, dass WhatsApp durch den Kauf durch Facebook eher kommerziell ausgerichtet ist und daher Daten genutzt werden. Signal ist hingegen eine gemeinnützige Stiftung, Threema finanziert sich durch den App-Verkauf, und Telegram ist von einem Aktivisten und Regimekritiker, der Geld gemacht hat, gegründet worden.”

„Netzwerkeffekt”

Weltweit hat WhatsApp mehr als zwei Mrd. Nutzer und ist damit der erfolgreichste Messaging-Dienst am Markt. Eine Studie der österreichischen Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde zeigt, dass WhatsApp im dritten Quartal 2020 eine durchschnittliche monatliche Reichweite von 77% aller heimischen Internetnutzer hatte.

Dahi: „Die Messenger leben von dem Netzwerkeffekt.” Aktuell mache er die Erfahrung, dass zwar viele Leute auf neue Angebote zugreifen, „deshalb aber nicht ihr WhatsApp-Konto aufgeben. Vielleicht schauen sie einfach, was weiter passiert.” Mit einer Änderung der Nutzungsbedingungen rechnet er nicht.In einem Statement gegenüber der APA hielt WhatsApp fest, dass das Unternehmen keine Daten aus der europäischen Region mit Facebook teile. Bis zum 15. Mai wolle man aktiv gegen „Missinformation” ankämpfen. (APA/red)

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