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Liebe Tschuschinnen und Tschuschen
Redaktion 24.04.2020

Liebe Tschuschinnen und Tschuschen

Oder warum sich Sebastian Kurz nur bei den „lieben Österreicherinnen und Österreichern” bedankt.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

AUSBLENDUNG. Die Heinz Fischer-Parodie von Christoph Grissemann in der ORF Sendung „Willkommen Österreich”, wo er sich als vermeintlicher Bundespräsident abmüht, politisch korrekt zu sein und deshalb bei der Ansprache von Ausländern etwas patschert versucht zu gendern und dann von den „lieben Tschuschinnen und Tschuschen” spricht, ist legendär.

Völlig in die andere Richtung geht derzeit unser Bundeskanzler Sebastian Kurz, wenn er sich in seinen Reden, Facebook-Postings und Tweets ausschließlich an die „lieben Österreicherinnen und Österreicher” wendet und sich auch ausschließlich bei diesen bedankt, dass sie so geduldig die Restriktionen ertragen und das Land weiter am Laufen halten.

Boshaftes Negieren von 1,5 Mio. Menschen

Für diese konsequente Nichtbeachtung werden sich vor allem jene 1,5 Millionen Nicht-Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, viele davon in sogenannten systemrelevanten Sparten wie Gesundheit oder Tourismus – also meist im Niedriglohnsektor tätig, bedanken.

Ein Zahl dazu: In Wien gibt es etwas über 13.000 Ärztinnen und Ärzte; gut 2.500 haben einen Migrationshintergrund. Wohlgemerkt: Ärztinnen und Ärzte – beim gerade derzeit so wichtigen Pflegepersonal ist dieser Wert noch höher.
Diesen kürzt man aber zunächst lieber neidig das Kindergeld, um sie nun aus Bulgarien und Rumänien einzufliegen, damit sie hier „unseren” Alten den Hintern auswischen, da es die „lieben Österreicherinnen und Österreicher” unter den angebotenen Konditionen zu Recht nicht mehr machen wollen (Aber das ist ein anders Thema).
Regierungspressekonferenzen sind keine Wahlkamfabschlussveranstaltungen, wo man sich bei seinen Wählerinnen und Wählern (da tatsächlich nur Staatsbürger) bedankt, und man sollte diese auch deshalb für parteipolitische Botschaften nicht missbrauchen, sondern sich einfach mal bei allen Menschen, die derzeit ihr Möglichstes tun, bedanken!
Es tut auch nicht weh, ich verspreche es!

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