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Mit Fakten dagegenhalten © APA / Hans Punz / APA-Pool
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Redaktion 25.03.2022

Mit Fakten dagegenhalten

FMP lud zum webTalk: Vertrauenskrise durch Corona – warum es jetzt umso mehr schlüssige Kommunikation, sanfte Zweifel und fundierte Fakten braucht.

WIEN. Der 1. webTalk des FMP Forum Media Planung 2022 widmete sich der Frage nach dem Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in Krisenzeiten. Am digitalen Podium zu Gast waren Ingrid Brodnig (Journalistin, Autorin), Magdalena Punz (Pro7Sat1 Puls 4), Peter Hajek (Peter Hajek Pub­lic Opinion Strategies GmbH) und Michael Kapfer (GGK MullenLowe). Die Moderation übernahm Jürgen Hofer (Horizont).

Zwei Jahre Pandemie voller Verschwörungstheorien, Unsicherheit und inkonsequenter Kommunikation haben Spuren hinterlassen. Es scheint, als wäre das Vertrauen in Politik, Medien und Unternehmen auf einen historischen Tiefstand gesunken. Dass es um die Demokratie in Österreich allerdings nicht so schlecht bestellt ist, zeigte Peter Hajek in seinem Eröffnungsvortrag anhand stichhaltiger Daten. Zwar gibt es aktuell einen Vertrauensverlust und große Unzufriedenheit mit der Regierung, allerdings ist das Demokratieverständnis im Land seit Jahren stabil – trotz zahlreicher Herausforderungen wie etwa der damaligen Wirtschaftskrise 2008 oder auch der aktuellen Pandemie.
Auch Ingrid Brodnig bestätigt in ihrem Kurzimpuls, dass der Anteil an Verschwörungstheoretikern und Verschwörungstheoretikerinnen in der Gesellschaft sehr klein ist. Allerdings steht diese Gruppe so oft im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit, dass auf die faktentreue Mehrheit teils vergessen wird und sogar der Eindruck entstehe, hier sei die eine Hälfte der Bevölkerung pro und die andere gegen die Impfung. Die Impfzahlen würden aber ein anderes Bild ergeben, nämlich, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung sehr wohl solidarisch sei und sich natürlich impfen lasse.

Schlechte Kommunikation

Zudem vermisst Brodnig seit Beginn der Pandemie die Stringenz in der politischen Kommunikation, die Unsicherheit und Zweifel verhindern hätte können. Dabei sind glaubwürdige Botschafter, das kontinuierliche Wiederholen der Wahrheit und eine klare Argumentationslinie gerade in Krisenzeiten ungeheuer wichtig.

Oft reiche die Frage „Warum glaubst du Wissenschaftern nicht, aber jemand auf YouTube?”, um ihnen ihr Denken vor Augen zu führen. Das sei oft viel sinnvoller, als auf Konfrontation etwa mit einem Coronaleugner zu gehen, so Brodnig.

Problem Vertrauenskrise

Nicht nur die Politik steht vor einer akuten Vertrauenskrise. Auch die Arbeit der Medien leidet darunter. So sieht sich Magdalena Punz bei der Berichterstattung rund um die Corona-Proteste immer wieder mit aggressiven Anschuldigungen, Vorwürfen und Einschüchterungsversuchen konfrontiert. Fachliche Diskussionen führt sie daher vor Ort keine mehr, das sei zu gefährlich und nicht zielführend. Allerdings betont sie ebenfalls, dass faktenbasierte Nachrichtenberichte wichtiger sind denn je.

Sensible Kommunikation

Und die Unternehmen? Gerade zu Beginn der Pandemie gab es laut Werber Michael Kapfer einige gute Kampagnenbeispiele. Allerdings fehlte auch hier die einheitliche Kommunikationslinie, da es keine Abstimmung zwischen den Auftraggebern gab. Dabei hätte es gerade im Bereich des Micro-Targetings großes Potenzial gegeben. Kapfer sieht es jedoch positiv: Egal ob Corona oder der Ukrainekrieg, die meisten Marken nehmen die Situation ernst, kommunizieren verantwortungsvoll und geben ihren Bezugsgruppen Sicherheit sowie Beständigkeit.

Dem von Brodnig angeführten Beispiel, dass Menschen bei der Frage, wem sie eher glauben, nicht danach gehen, wer Recht habe, sondern wem sie mehr vertrauen, fügt Kapfer das Beispiel der Impfkampagne als vertane Chance, hier etwas zu bewirken.
Kapfer dazu: „Daten zeigen, dass eine Coronakampagne mit Celebrities nicht funktioniert. Und wer waren die Testimonials? Celebrities.”
Für ihn ist das ein Beispiel mehr, wo die Politik bei ihren Handlungen nicht genug auf Experten gehört hätte – zum Schaden aller. (mab)

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