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Neuestes KI-„Baby” ist die Gesichtserkennung © APA

Im Gespräch über KI mit APA-DeFacto-Geschäftsführer Klemens Ganner.

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Im Gespräch über KI mit APA-DeFacto-Geschäftsführer Klemens Ganner.

Redaktion 03.12.2021

Neuestes KI-„Baby” ist die Gesichtserkennung

Im Gespräch mit APA-DeFacto-Geschäftsführer Klemens Ganner und APA-PictureDesk-Leiterin Luzia Strohmayer-Nacif.

••• Von Dinko Fejzuli und Josie Wolfram

WIEN. Der PR-Dienstleister und Medienbeobachter APA-Comm bietet seinen Kunden ein umfangreiches Monitoring- und Analyse-Portfolio in Form von Pressespiegeln und Medienresonanz-Analysen. So wie in vielen anderen Bereichen nimmt auch bei dem APA-Tochterunternehmen das Thema Künstliche Intelligenz und wie man sie für die Optimierung der eigenen Produkte einsetzen kann immer mehr Raum ein.

Das neueste „Baby” in diesem Bereich ist die automatisierte Gesichtserkennung auf Bildern – beschränkt auf Personen des öffentlichen Lebens, so Geschäftsführer Klemens Ganner im Gespräch mit medianet.
An den Start geht das neue Service voraussichtlich im Frühjahr 2022, und bis dahin möchte man dieses für Portraits und Bilder von gut 500 Personen des öffentlichen Interesses – insbesondere aus dem Bereich Politik – auf www.picturedesk.com anbieten.

Training, Training, Training

Ein Teil der Herausforderungen bei KI sei, so Ganner, „dass das Training entscheidend ist für das, was das Tool kann, weil KI immer nur so gut sein kann, wie der Mensch, der sie trainiert”.

Gefragt nach dem Einsatzbereich, insbesondere für Journalisten, sieht Ganner hier eine breite Palette an Möglichkeiten: „Der Einsatzbereich der KI beginnt bei der Bildersuche selbst. Wir betreiben Österreichs größte Bildagentur mit APA-PictureDesk. Auf dem Bildportal werden täglich Tausende Bilder gesucht, und dort ist auch der Ort für den ersten Anwendungsbereich, bei dem die KI für unsere Kundinnen und Kunden erlebbar sein wird.”

Gesichtsfilter der anderen Art

Wie die Bildrecherche mit dem Einsatz einer medienspezifischen KI zukünftig funktionieren wird, erklärt APA-PictureDesk-Leiterin Luzia Strohmayer-Nacif: „Es wird einen Gesichtsfilter geben, den User zusätzlich zur herkömmlichen Stichwortsuche einstellen können”, denn eine übliche, Keyword-basierte Volltextsuche stoße bei dem umfangreichen Bildrepertoire hin und wieder an ihre Grenzen.

„Sucht man in Zukunft beispielsweise in der Datenbank nach Bildern bzw. Portraits von bestimmten Personen öffentlichen Interesses, werden Bilder mit Personen, die zwar im Bildtext vorkommen, aber im dazugehörigen Bild nicht zu sehen sind, automatisch aussortiert.”
Ein weiterer Vorteil: „Mithilfe der KI-Gesichtserkennung werden den Usern auch Ergebnisse angezeigt, bei denen die Personen auf dem Bild zu sehen sind, aber nicht in der Bildbeschreibung oder in den Metadaten erwähnt werden.” Mit dem Einsatz einer medienspezifischen KI in der Bildrecherche könne so den Usern zukünftig rascher eine viel genauere Trefferliste angezeigt werden.
„Die Entwicklung und Umsetzung des Personenfilters erfolgt gemeinsam mit einem interdisziplinären Team im Haus”, so Ganner. Man erarbeite derzeit eine Governance-Richtlinie zum Umgang mit KI-gestützter Bild­erkennung unter Berücksichtigung ethischer und juristischer Fragen. Das Pilotprojekt wird durch die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) im Rahmen des Förderungsprogramms „aws Digitalisierung für die Entwicklung einer vertrauenswürdigen Künstlichen Intelligenz (KI)” unterstützt.

Erweiterte Funktionen

Weitere Einsatzgebiete für Künstliche Intelligenz in der Bildrecherche sind bereits in Überlegung: „Jetzt konzentrieren wir uns darauf, Gesichter zu finden, aber KI wird natürlich auch in der Lage sein, Farben, die Anzahl der Personen auf einem Bild oder deren Emotion zu erkennen.” Derzeit sei die Anwendung „nur” für Fotos gedacht, aber eine Ausweitung auf Bewegtbild schließt Ganner nicht aus.

Potenzial sieht Ganner, in einer späteren Anwendung, auch in der Medienbeobachtung. Derzeit arbeite man mit dem Bildrepertoire von APA-PictureDesk; eine Ausweitung auf die Bereiche Print, Web oder Social Media wäre – auf Kundenwunsch – sicherlich möglich.
Insbesondere im Sponsoring-Bereich, Stichwort Logoerkennung, könne der Einsatz von KI die Monitoring-Arbeit beschleunigen; die End-Qualitätskontrolle erfolge weiterhin durch das Analyseteam von APA-Comm, so Ganner.
Apropos Endkontrolle: Überall dort, wo KI zum Einsatz kommt, kommt auch die Frage nach der Ethik auf. Laut Ganner sei es essenziell, dass man klar kennzeichne, dass diese Bilderkennung maschinell und nicht intellektuell, also von einer echten Person, durchgeführt worden sei.
Weiters erklärt Strohmayer-Nacif, „ist es Teil des Projekts, auch die Grenzen der KI-Erkennung zu definieren, um ungewollten Schaden zu vermeiden. Wichtig sind hier unter anderem die Qualität der Trainingsdaten, eine umfangreiche Testphase sowie ethische Richtlinien vertrauenswürdiger KI.”

Vertrauenswürdig

Und wie können die Kunden auf das neue Service zugreifen? Ganner dazu: „Das ist unterschiedlich. In der Bildersuche von APA-PictureDesk wird es zukünftig für alle Kunden gleich verfügbar sein. In der Medienbeobachtung bleibt der Einsatz visueller KI-Technologien für Logoerkennung auftragsspezifisch. Allerdings setzen wir in der Medienbeobachtung bereits jetzt schon weitere KI-Technologien – vor allem in der Textanalyse – ein, von denen alle Kunden profitieren.”

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