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Nichts geplant, aber auch nichts zufällig © Katharina Schiffl

Fred Koblinger

© Katharina Schiffl

Fred Koblinger

Chris radda 05.04.2019

Nichts geplant, aber auch nichts zufällig

Fred Koblinger, Direct Marketing-Pionier und leidenschaftlicher Werber, erzählt anlässlich der Verleihung des medianet xcellence.award für sein Lebenswerk aus seiner über dreißigjährigen Karriere und warum er Werbung so liebt.

••• Von Chris Radda

Drei Jahrzehnte lang hat Fred Koblinger die Geschicke der österreichischen Werbeszene mitbestimmt, zuletzt als Geschäftsführer der BBDO-Gruppe. medianet sprach mit ihm über Erfolge und Erfahrungen.
medianet: Vielfach ausgezeichneter Agenturchef, Direct Marketing-Pionier, Gründer eines internationalen Networks, Qualitätsbefürworter und Krisenmanager … Fred Koblinger, lässt sich eine Karriere wie Ihre planen?
Fred Koblinger: Ich denke nicht. Aber in meinem Leben hat sich ohnehin alles eher zufällig gefügt. Aber retrospektiv wirkt es natürlich so, als hätte alles genau so passieren müssen.

medianet: Sie gelten als der Wegbereiter des Direct Marketing in Österreich. Wie kam es dazu?
Koblinger: Ich musste als Geschäftsführer eines internationalen Touristikkonzerns auf Direktvertrieb umstellen. Und weil ich das autodidaktisch – niemand kannte damals Direct Marketing – sehr erfolgreich geschafft habe, wurde man auf mich aufmerksam.

So wurde ich engagiert, Österreichs erste Direktmarketing-Agentur aufzubauen – Ogilvy & Mather Direct. Als dann Martin Sorrell Ogilvy gekauft und mir die versprochenen Anteile verweigert hat, war die Zeit reif für meine eigene Agentur.
Mit Max Palla habe ich 1992 Palla, Koblinger & Partner (PKP) gegründet und die Agentur mit Fokus auf Relationship Marketing im BTL-Bereich innerhalb von zwei Jahren zur Nummer eins in Österreich gemacht. Ziel war aber, die klassischen Agenturen in puncto Servicequalität zu überflügeln und den Bedarf zu antizipieren. So gründeten wir bereits 1996 eine der ersten Digitalagenturen.


medianet:
Wie haben die klassischen Agenturen auf die unerwartete Konkurrenz reagiert?
Koblinger: Die haben uns zuerst nicht ernst genommen, denn ‚below the line' galt damals nicht als richtige Werbung. Für uns war diese Trennung in above und below the line aber immer schon Humbug. Wir haben unser Geschäft Relationship Marketing genannt – Kunden finden und Kunden binden. Und dazu braucht man alle Kanäle. Irgendwann haben unsere Kunden gesagt: ‚Könnt ihr auch Anzeigen?' Und so sind wir dann langsam auch in das above the line-Geschäft hineingewachsen.

Nach knapp acht Jahren zählten wir dank Kunden wie Toyota und easybank schon 40 Leute. Das war zur Jahrtausendwende. In der überhitzten Dot.com-Zeit kam der erste Rückschlag.


medianet:
Dafür hat sich eine andere Chance geboten …
Koblinger: Richtig. Die BBDO hat uns gefragt, ob wir nicht Teil einer internationalen Agentur sein wollen. Nach anfänglichem Zögern haben wir uns dann entschlossen, 25 Prozent zu verkaufen. Wir waren dann aber so erfolgreich, dass der Buy-out für die Amerikaner sehr teuer war.

Wir haben damals acht von zehn Pitches gewonnen. Darum wollte die BBDO dann noch mehr. Und zwar eine Agentur neuen Stils. So, wie PKP, aber global. Das klang sehr spannend, weil ich ja immer schon über die Grenzen hinaus wollte …

medianet: … was zur Gründung eines internationalen Agentur-Netzwerks geführt hat.
Koblinger: Ja. Mit vier Agenturen – aus Deutschland, Frankreich, England und Spanien – haben wir in Wien Proximity gegründet und weiterentwickelt. Gemeinsam hatten wir damals mehr Preise gewonnen als alle anderen BTL Networks rund um den Globus zusammen. Heute sind weltweit 60 Agenturen im Proximity Network.

medianet:
Dann kam die Wirtschaftskrise 2008, die auch die Werbeagenturen getroffen hat.
Koblinger: Beim zweiten Rückschlag unserer Geschichte habe ich wirklich schlecht geschlafen, weil ich nicht wusste, wie ich alle Mitarbeiter halten soll. Aber dann, im zweiten Halbjahr, ist das Geschäft richtig explodiert und es ging immer nur aufwärts – eigentlich bis heute.

medianet:
Anderen ging es weniger gut. Etwa der DDB Wien, die wie die BBDO zum Omnicom-Netzwerk gehört.
Koblinger: Die war schwer unter Wasser. Der globale CEO hat mich angerufen ‚Fred, fix it?'. Mit enormer Energie und tollen Mitarbeitern ist es mir gelungen, die Agentur wieder nachhaltig auf Erfolgskurs zu bringen.

medianet:
… was auch zahlreiche Auszeichnungen belegen. Wie viele Awards haben Sie im Lauf ihrer Karriere eingesammelt?
Koblinger: Geschätzte drei- bis vierhundert. Neben zahlreichen Effies auch vier Cannes Löwen – die haben auch nicht alle im Büro herumstehen.

medianet: Und jetzt der excellence.award für ihr Lebenswerk. Zwei Begriffe fallen in ihrer Vita auf: Qualität und Respekt.
Koblinger: Oberste Maxime war immer Kundenzufriedenheit – basierend auf guter strategischer Beratung und qualitativ relevanter Kreation. Die Menschen dahinter verdienen ein Umfeld, das von Wertschätzung und Respekt geprägt ist – für mich die Grundlage für unseren Erfolg.

medianet: Und jetzt, Anfang des Jahres, haben Sie sich aus dem operativen Geschäft der BBDO zurückgezogen. Eine Frage zum Schluss: Würden Sie heute wieder in die Werbung gehen?
Koblinger: Definitiv. Die Werbebranche ist immer noch der beste Platz, um kreativ und strategisch zu gestalten. Nichts ist emotional befriedigender, als in einem großartigen Team einen erfolgreichen Job zu machen.

Wenn diese Arbeit dann noch vom Kunden wertgeschätzt wird, fühlt sich das ziemlich gut an. Auch nach 30 Jahren.

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