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Null Bock auf den digitalen Dauerstress © leisure/Roland Rudolph
© leisure/Roland Rudolph

britta biron 28.06.2019

Null Bock auf den digitalen Dauerstress

Jugend Trend Monitor von DocLX und Marketagent.com zeigt eine ziemlich vernünftige Generation.

••• Von Britta Biron

Handy-süchtig, anfällig für Fake News und nur am eigenen Aussehen interessiert – ganz von der Hand zu weisen sind diese Vorurteile über die heutige Jugend zwar nicht, allerdings attestiere die Studie, für die 2.263 Teens und Twens zu einer Reihe von Themen wie Digitalisierung, Mobilität, Körperkult oder Ernährung befragt wurden, der jungen Generation laut DocLX-Gründer Alexander Knechtsberger auch ein recht hohes Maß an Vernunft: .„Sie sind bereits mit der Digitalisierung aufgewachsen und haben eine gewisse Ambivalenz entwickelt.”

Trend zu Digital Detox

78,4% der Befragten sind der Meinung, dass ihre Freunde zu viel Zeit mit dem mobilen Device verbringen, und 72,2% geben zu, dass das auch auf sie selbst zutrifft. Entsprechend positiv (74,3%) stehen die Youngster dem Thema Digital Detox gegenüber.

„Eine Auszeit vom hyperdigitalen Dauerstress wird als immer erstrebenswerter angesehen”, kommentiert Marketagent.com-Geschäftsführer Thomas Schwabl.
Allerdings meist nur theoretisch. Denn persönliche Erfahrungen mit handy-freien Tagen hat bisher nur rund ein Fünftel der Teens und Twens gemacht. Immerhin knapp die Hälfte möchte sich aber demnächst einmal eine Auszeit vom Smartphone gönnen.
Deutlich leichter fiele den Jungen da schon der Verzicht auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen und das Privat-TV. Nur knapp 10 bzw. 15% halten diese Medien für essenziell. Allerdings nutzt rund ein Viertel der Befragten die TV-Nachrichten, um sich über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren. Die wichtigste News-Quellen sind aber – wenig überraschend – die Sozialen Netzwerke; deren Bedeutung nimmt mit zunehmendem Alter aber deutlich ab, worin sich auch eine Differenzierung in der Wahrnehmung der Informations- und Quellenqualität widerspiegelt.

Sinn für Umwelt …

Dass die Jungen mit einem eigenen Auto nichts am Hut haben, konnte die Umfrage nur bedingt bestätigen. Denn gut drei Viertel (76,4%) halten es nach wie vor für sehr wichtig bzw. eher wichtig. In den Bundesländern hat der eigene Pkw erwartungsgemäß einen höheren Stellenwert als in Wien (81,1% vs. 61,4%).

Dass sich 70,4% der Befragten Gratis-Öffis wünschen und ein Viertel für autofreie Innenstädte plädiert, kann als Indiz dafür gesehen werden, dass das Auto bei der jungen Generation doch an Bedeutung verliert. Fragt sich nur, ob dabei der Umweltgedanke oder eher finanzielle Überlegungen die Hauptrolle spielen.
Ein bewusster Umgang mit Ressourcen ist den Jungen aber auf jeden Fall wichtig: Starke 94% verstauen ihre Einkäufe zumeist in mitgebrachten Taschen oder Rucksäcken, fast ebenso viele sind für ein Verbot von Plastiksackerln und -verpackungen, und mehr als die Hälfte (51,7%) versucht, diese Umweltsünden nach Möglichkeit von vornherein zu vermeiden.
Der Anteil der Vegetarier und Veganer unter den Jugendlichen entspricht mit 6,5 bzw. 2,6% etwa jenem in der österreichischen Gesamtbevölkerung, weitere 12,2 bzw. 5% gaben an, dass vegetarische bzw. vegane Ernährung für sie prinzipiell infrage käme. Vegetarismus und Veganismus überzeugen vor allem in Sachen Umweltfreundlichkeit (79,5 und 67,8%). Vegetarische Kost wird auch als gesünder als traditionelle Ernährung erachtet (66,8%), vom Verzicht auf alle tierischen Produkte glauben das allerdings nur 24,8%.

… und wahre Werte

Gut auszusehen, ist den Jungen wichtig: 72,4% würden ihren Körper gern nach einem Idealbild formen, 64,2% wünschen sich, dass ihr Äußeres auf andere positiv wirkt und rund ein Fünftel war schon Zielscheibe von Body Shaming.

Optimierungsmaßnahmen, die über Fotoretuschen hinausgehen, sieht man aber trotzdem kritisch. Ein Drittel lehnt kosmetische Eingriffe gänzlich ab, eine Fettabsaugung wäre nur für 16,2% vorstellbar. Der Großteil scheint überzeugt zu sein, dass Schönheit nicht alles ist. Deutlich wichtiger als der perfekte Körper sind 83,8% der perfekte Job und neun von zehn der perfekte Partner – allerdings ist rund die Hälfte der Meinung, dass Idealmaße bei der Suche nach Traumfrau oder Traummann hilfreich sind.

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