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ORF-Baustelle: Zeitlich und budgetär eine Punktlandung © ORF

ORF-Mediencampus

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Redaktion 20.07.2021

ORF-Baustelle: Zeitlich und budgetär eine Punktlandung

Der Generaldirektor präsentiert vor Journalisten u.a. den Zwischenstand beim Bau des neuen Newsrooms.

WIEN. Seit einiger Zeit baut der ORF neben der bestehenden ORF-Zentrale am Wiener Küniglberg nicht nur neue Studios für FM4, Ö1 und Ö3, sondern auch den neuen, multimedialen Newsroom, der dann, wie es das Wort schon sagt, ein multimediales, journalistisches Arbeiten ermöglichen soll.

Anfang der Woche gab es einen Rundgang mit heimischen Medienjournalisten, bei dem Generaldirektor Alexander Wrabetz, aber auch der oberste Bauaufseher Pius Strobl und der mit der Generalplanung beauftragte Architekt Paul Jung vom Büro Riepl, Kaufmann, Bammer den Stand der Dinge erklärten – und die wohl wichtigste Botschaft des Termins lautete: Der Bau befindet sich sowohl budgetär als auch zeitlich im Rahmen. Man werde nicht nur das angepeilte Budget nicht überschreiten, sondern es werde der Bau auch, wie geplant, mit Ende 2022 auf insgesamt 3.500 Quadratmetern Nettoraumfläche und rund 270 Wechselarbeitsplätzen für gut 400 Journalistinnen und Journalisten in Vollbetrieb gehen.

Online first & Co.
Vor allem der multimediale Newsroom (MMNR) erregt viel Aufsehen, denn mit ihm wird es auch neue Aufgabenverteilungen, eine neue Arbeitweise und auch Führungspositionen geben, die es nun in den nächsten Monaten zu besetzen gilt. Hier mahnte Wrabetz auch vom Gesetzgeber die notwendigen Änderungen im ORF-Gesetz ein, die etwa eine Online-first Strategie für ORF-Inhalte verlangt. Hier spreche man vor allem mit dem VÖZ, so Wrabetz, um einen Interessenausgleich zu finden.

Gerald Fleischmann, Kanzlerbeauftragter für Medien (ÖVP), erachtete diese zuletzt für Herbst 2022 realistisch. Wrabetz sieht das als zu spät an und forderte erneut, dass die Novelle "rasch geschaffen werden muss". "Es wird aber einen gewissen Vorlauf brauchen, um Einvernehmen über die Zukunft des Medienmarktes mit anderen Marktteilnehmern, insbesondere dem VÖZ, zu schaffen", glaubte der ORF-Chef.

Newsdesk als Herzstück
Im Erdgeschoß ist das Herzstück in Form des Newsdesks angesiedelt, der künftig für Monitoring, Verifikation, Kurznachrichten, aktuelle Online-Nachrichten, aber auch soziale Medien zuständig ist. In Blickweite befinden sich die Journalstudios sowie ein neues großes Newsstudio. Über eine Stiege gelangt man zu den multimedialen Ressorts, Sendungsteams und zu Ö3. In den Räumlichkeiten von Ö3 findet sich künftig auch ein Studio mit Aufnahmemöglichkeit in Bild und Ton für kleinere Bands. Im Obergeschoß ist zudem Platz für Ad-Hoc-Ressorts, wo etwa investigativ gearbeitet werden kann. "Am Newsdesk setzen wir auf maximale Multimedialität, bei den Sendungs- und Plattformteams zielen wir auf Diversität ab, um keinen Einheitsbrei zu erzeugen", erklärte Wrabetz.

Der multimediale Newsroom bietet den ORF-Mitarbeitenden künftig einen phänomenalen Blick über Wien. "Sicher einer der besten Büroblicke, die man haben kann", meinte Projektleiter Pius Strobl. Für zusätzliche Aufenthaltsqualität soll eine rund um den mit Glasfassaden ausgestatteten Newsroom angelegte Terrasse mit angrenzenden Grünflächen sorgen. An einer Begegnungszone vorbei gelangt man zu Ö1. Der Sender ist räumlich entkoppelt vom Hauptbau. "Die Besonderheit von Ö1 spiegelt sich in einem eigenen Gebäude wider, das aber dennoch in Nähe zum Newsroom ist", erklärte Wrabetz. Dort sind ausgewählte Studios zusätzlich mit der Möglichkeit der Bildproduktion ausgestattet.

Einen Teil des neuen Mediencampus können die ORF-Mitarbeiter bereits demnächst aufsuchen. Ab 6. August soll der Probebetrieb der neuen Kantine starten, bevor sie Ende August ihren regulären Betrieb aufnimmt.

Platz für Neues
Prinzipiell solle der Newsroom nicht nur dazu dienen, die bestehende Produktpalette weiterzuentwickeln, sondern auch Raum und Kapazität durch Synergien für neue Produkte zu schaffen. Ein derartiges neues Produkt sei etwa die Präsenz des ORF auf TikTok. Damit werde man Anfang September starten, kündigte Wrabetz an. Zwei Präsentatoren - eine Frau und einen Mann - habe man bereits gefunden.

Auch ein Werbevideo für den geplanten ORF-Player, das Wrabetz ursprünglich im Zuge einer VÖZ-Veranstaltung präsentiert hatte, wurde am Montag gezeigt. Daraus gehen das Design, aber auch mehrere Kanäle des Players hervor. So bietet die Fläche "Newsroom" Livestreams aus aller Welt und rund um die Uhr. Bei "Sport" werde jedem Sport seine Bühne gegeben, womit Randsport gestern sei, wie es im Video heißt. "Sound" verspricht Audio neu gedacht und beinhaltet unter anderem Podcasts. Bei "Live" dürfte man die jeweiligen Programme verfolgen können, wobei auch Kommentar- und Teilen-Funktionen vorgesehen sind. "Okidoki" wird als "digitaler Abenteuerspielplatz für Drei- bis Neunjährige beschrieben, während "Space" ein Raum für Kunst, Kultur und Kreative sei. "U30" soll als Labor für die Zukunft des Fernsehens fungieren. Bei "Topos" ist schließlich die Wissenschaft und Bildung beheimatet.

Neue Führungsebene bis Ende 2021 bestimmt
Unabhängig von der Wahl des neuen ORF-Generaldirektors oder der neuen Generaldirektorin – bisher gibt es mit Alexander Wrabetz und Lisa Totzauer zwei Kandidaten – will Wrabetz im September das Führungspersonal für den MMNR ausschreiben, damit mit Ende des Q4/21 die Entscheidung, wer welchen Führungsposten bekleiden wird, fallen kann. Dies ist insofern interessant, als zwar viele davon ausgehen, dass Wrabetz auch diese Wahl gewinnen wird, doch falls nicht, wird er quasi wenige Wochen vor Antritt einer dann anderen ORF-Führung vorher wesentliche Personalentscheidungen, und damit auch wesentliche Weichen gestellt haben, die nach seinem möglichen Ausscheiden aus dem ORF nachwirken würden.

Wrabetz selbst verweist auf seinen bisherigen Trackrecord und geht – bei einer sachlichen Entscheidung, wie er sagt – von einer Wiederwahl seiner Person aus.

Zu der in der Vorwoche bekannt gewordenen Kandidatur von ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer äußerte sich Wrabetz nur knapp. Er wolle nicht jeden Bewerber einzeln kommentieren. Zumal kenne er noch nicht ihr Konzept. In der Vergangenheit betonte er, dass sich niemand vor einer Kandidatur - auch nicht aus dem eigenen Unternehmen - fürchten müsse.

Der Generaldirektor führte in einem Gespräch nach dem Rundgang aus, dass etwa mit 35.6% TV-Marktanteil der Wert einen Höchststand seit 2016 erreicht habe und auch der Radio-Marktanteil von 74% für die ORF-Sender ein Wert sei, der auf „sehr hohem Niveau stabil“ sei.

Und last but not least seien auch die Leistungswerte des ORF-Online-Networks nach einem bereits mehr als erfreulichen Plus in 2020 von +40% für den Zeitraum Jänner-Juni 2021 mit einem Plus von 11% ebenfalls sehr erfreulich. (red)

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