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Peter Klimek ist Wissenschafter des Jahres 2021 © APA / Hans Punz

Peter Klimek.

© APA / Hans Punz

Peter Klimek.

Redaktion 10.01.2022

Peter Klimek ist Wissenschafter des Jahres 2021

Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen weist auf den Stellenwert professioneller Wissenschaftsvermittlung hin; Kampf gegen „Fake News“ durch gezielte Medienförderung.

WIEN. Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen zeichnet den Komplexitätsforscher Peter Klimek als Wissenschafter des Jahres 2021 aus.

Der Physiker Peter Klimek forscht an der Medizinischen Universität Wien und am Complexity Science Hub Vienna an neuen Methoden zur Analyse und Modellierung riesiger Datenmengen („Big Data“) in der Medizin – mit dem Ziel, die Gesundheit von Patientinnen und Patienten sowie die Effizienz und Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems zu verbessern. Die Forschungsergebnisse vermittelt er der Öffentlichkeit kompakt und verständlich. In der Covid-Pandemie wurde Klimek zu einem der wichtigsten heimischen Experten. Er scheut auch nicht davor zurück, bisweilen zweifelhafte politische Entscheidungen mit klaren Worten zu kommentieren.

Die Auszeichnung „Wissenschafterin bzw. Wissenschafter des Jahres“ verleiht der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen – dem Vereinszweck folgend – nicht nur für exzellente Forschung, sondern auch für das Bemühen von Forschenden, ihre Arbeit einer großen Öffentlichkeit verständlich zu machen. Wie in den Vorjahren hatten die Klubmitglieder auch heuer die Qual der Wahl – insbesondere in Zeiten der Pandemie gab es zahlreiche Persönlichkeiten, die sich um die Verbreitung von wissenschaftlich fundierten Fakten verdient gemacht haben.

Initiative für fundierten und ausgewogenen Wissenschaftsjournalismus
Der Klub nimmt die heuer bereits 28ste Ehrung zum Anlass, um auf den Stellenwert der Vermittlung wissenschaftlicher Fakten durch fundierten, ausgewogenen Bildungs- und Wissenschaftsjournalismus aufmerksam zu machen. Dieser ist wichtiger denn je, wie die aktuelle Situation zeigt. Zum einen ist das Thema Coronapandemie äußerst komplex und greift in einer Tiefe in den Alltag der Menschen ein, wie es andere Themen der Wissenschaftsberichterstattung bisher kaum getan haben. Zum anderen herrscht in Österreich ein überdurchschnittlich wissenschaftsfeindliches Klima: In der jüngsten "Eurobarometer"-Umfrage zum wahrgenommenen Stellenwert, Nutzen und Vertrauen in die Forschung liegt Österreich bei allen Fragen an letzter oder vorletzter Stelle.

Aus diesem Grund startet der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen eine Initiative, um den Stellenwert des Bildungs- und Wissenschaftsjournalismus auch im Rahmen der geplanten Neuordnung der Medienförderung zu heben. Ausgearbeitet wird ein Konzept, das als Grundlage für Round Table-Diskussionen mit dem Wissenschaftsministerium und weiteren Stakeholdern dienen soll. Der Klub setzt sich bereits seit Jahren für die Idee ein, eine ausgewiesene Wissenschaftsredaktion mit angestellten Journalistinnen und Journalisten zu einem der Kriterien für die Presseförderung zu machen.

Für eine „übergreifende, koordinierte und nachhaltige Strategie zur Wissenschaftskommunikation" plädiert auch die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny, stellvertretende Vorsitzende des Forschungsrats. Ein Vorbild sei Deutschland, wo Wissenschaftskommunikation explizit im Koalitionsvertrag erwähnt ist.

„Die Stärke von seriösem Wissenschaftsjournalismus ist es, Fakten von Meinung zu trennen und politische Strandpunkte zu hinterfragen. Dadurch ermöglicht dieser Bürgerinnen und Bürgern informierte Entscheidungen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen Fake News, sagt Eva Stanzl, Vorsitzende des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen und Redakteurin für Wissenschaft der Wiener Zeitung.

Unterstützung durch namhafte Forscherinnen und Forscher
Den Stellenwert eines verlässlichen Wissenschaftsjournalismus bekräftigt auch der diesjährige Preisträger, Peter Klimek: “Wir müssen mit Evidenz ein Gegengewicht zu alternativen Fakten und bloßem Hörensagen schaffen. Hinter der Wissenschaft steckt ein Prozess mit Stärken und Schwächen, der allerdings der beste Prozess ist, den wir haben, und der uns als Menschheit extrem viel gebracht hat. Wenn man es kommuniziert, kann man Wissen auf verschiedenen Ebenen zugänglich machen, und dazu trägt Wissenschaftsjournalismus bei.“

Das bekräftigen auch Wissenschafter und Wissenschafterinnen der vergangenen Jahre: „Viele Medien behandeln Wissenschaft immer noch als Nischenthema und übersehen dabei, dass dieses Wissen längst zentral für die Gesellschaft geworden ist. Im Grunde ist alles Leben heute eine Frage (auch) für das Wissenschaftsressort.“ – Umwelthistorikerin Verena Winiwarter, Preisträgerin 2013

„Die Rolle des Wissenschaftsjournalismus schätze ich demokratiepolitisch sehr hoch ein, insbesondere in einer eher wissenschaftsskeptischen Gesellschaft wie unserer österreichischen. Wissenschaftliche Bildung ist für eine moderne Gesellschaft, die sich als Wissensgesellschaft versteht, unerlässlich.“ – Theologe Ulrich Körtner, Preisträger 2001

„In Zeiten wie diesen sind Wissenschaft und Wissenschaftsjournalismus wichtiger denn je. Genauso wichtig ist es aber, Vertrauen der Gesellschaft auf Wissenschaft und Wissenschaftsjournalismus zu erreichen und zu pflegen.“ – Prionen-Forscher Herbert Budka, Preisträger 1998

„In Zeiten, in denen manchmal scheinbar widersprechende Studien in nie dagewesenem Tempo und Umfang veröffentlicht werden und zugänglich sind, obliegt es dem Wissenschaftsjournalismus, aber auch der Politik, die Gesellschaft mit faktenbasierten und kontextualisierten Einordnungen zu versorgen und dadurch Unsicherheiten zu nehmen.“ – Chemiker Nuno Maulide, Preisträger 2018

„Ziel der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist, die Spreu vom Weizen zu sondern, und zwar auf der Basis der Meriten der jeweiligen Ideen, Hypothesen und Theorien. Wissenschaftsjournalismus muss diese Rolle der Wissenschaft als Suchende, nicht Wissende, verstehen und sich bemühen, die wissenschaftliche Diskussion für eine breite Öffentlichkeit verständlich zu übersetzen.“ – Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, Preisträgerin 2005

"Es kommt nicht auf Fakten an, sondern auf Versuche, Aspekte der Welt zu verstehen und aus diesen Versuchen Nützliches – wie immer dies zu verstehen sei – zu gewinnen. Skepsis will gelernt sein! Eben deshalb ist die in Österreich grassierende Wissenschaftsablehnung so schädlich." – Mathematiker Rudolf Taschner, Preisträger 2004

"Zweifellos waren die Wissenschaft und ein Wissenschaftsjournalismus, der nach den Best-Practice- Modellen seiner Zunft operiert, noch nie so wichtig wie heute. Gerade zu Zeiten der Pandemie wird deutlich, wie stark wissenschaftliche Erkenntnisse Gesellschaft und Politik prägen. Wir sehen heute einen teils starken Kontrast zwischen jenen 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung, die der Wissenschaft und dem Qualitätsjournalismus vertrauen, und dem äußerst wissenschaftsskeptischen Rest der Bevölkerung.“ – Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal, Preisträger 2010. (red)

Der Vorstand des Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen
Eva Stanzl (Vorsitzende)

Martin Kugler, Veronika Schmidt (Stellvertretende),

Verena Ahne, Oliver Lehmann, Peter Illetschko, Alice Senarclens de Grancy, Tanja Traxler

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