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„Politico” will die EU-Berichterstattung aufmischen
23.04.2015

„Politico” will die EU-Berichterstattung aufmischen

Online-Auftritt John Harris will mit europäischem Ableger von „Politico” trotz ernster Themen für Begeisterung und Spaß bei Lesern sorgen

Brüssel. Der europäische Ableger von „Politico” ging auf Englisch am Dienstag online. Gleichwertiger Partner der amerikanischen Medienseite ist der deutsche Axel Springer Verlag.

John Harris, der Chefredakteur des US-Nachrichtenmagazins „Politico”, und sein Team wollen die Europa-Berichterstattung aufmischen. Um das zu erreichen, setze man auf einen hohen Personaleinsatz und einen originellen Journalismus, so in einer Aussendung„Das Thema ist ernsthaft, aber deshalb muss die Berichterstattung nicht langweilig sein”, sagt Harris. Seine Journalisten würden für das Drama der Politik brennen. „Wir versuchen, etwas von dieser Begeisterung, etwas von dieser unterhaltsamen Dimension des politischen Lebens in unserer Berichterstattung zu vermitteln. Es soll Spaß machen, ‚Politico' zu lesen.” Schwerpunkte sind vorerst die Bereiche Energie, Technologie und Gesundheit.Stemmen sollen dies zunächst knapp 40 Journalisten, nicht nur in Brüssel, auch in London, Paris und Berlin. Möglichst bald soll auch das für Finanzthemen wichtige Frankfurt/Main hinzukommen. Bis Jahresende sollen ungefähr 120 Mitarbeiter beschäftigt sein. Auf die Dauer sind laut Harris auch Ausgaben in anderen Sprachen angedacht.

Liefern, was bisher fehlte

Damit will Politico etwas liefern, was Harris zufolge in der bisherigen Berichterstattung manchmal fehlte – er beschreibt sie als teils „abgehoben, abstrakt, eher auf den Prozess und den institutionellen Apparat konzentriert als auf die Substanz”. Er sei nicht als Medienkritiker gekommen, erklärt er, es gehe ihm vielmehr um die Ambitionen von Politico. Eine Ausgangsbasis hat sich das Magazin mit dem Kauf des Brüsseler Fachblatts European Voice geschaffen. Mit „einigen Dutzend Geschichten” will die neue Online-Ausgabe unter der Adresse Politico.eu starten, so Harris. Sechs Spitzenartikel soll es jeden Tag geben, rund um Personalien. „Wer ist obenauf? Wer liegt am Boden? Wer bekommt diese Stelle?”, konkrete Gesetzesvorhaben oder andere politische Entscheidungen, aber auch die große Europapolitik. „Ich hoffe, dass Leser von ‚Politico' süchtig nach uns werden, weil sie spüren, dass wir sie schlauer machen”, so der Chefredakteur.Finanzieren soll sich das Projekt durch Werbung und Abonnenten des kostenpflichtigen Diensts „Politico Pro”. Neben der frei zugänglichen Online-Ausgabe sind Informationen per E-Mail geplant sowie eine kostenlose wöchentliche Druckausgabe. Auch Diskussionsveranstaltungen will Politico regelmäßig organisieren. Vorbild soll das Preismodell der US-Ausgabe sein, mit Jahresabos von einigen Tausend bis zu mehreren Hunderttausend Dollar pro Jahr für große Abonnenten.Ralph Büchi als Präsident von Axel Springer International sieht Politico auch als Blaupause für Journalismus jenseits der gedruckten Zeitung – ein Geschäftsbereich, auf den auch Springer setzt.„Sie haben es geschafft, als digitales Medium innerhalb weniger Jahre zum Leitmedium des politischen Journalismus zu werden – gegen sehr starke eingesessene Konkurrenten, gegen die Washington Post, gegen die New York Times, gegen das Wall Street Journal, sagt Büchi.Am morgigen Donnerstag soll die erste gedruckte Politico-Ausgabe mit fast 30.000 Exemplaren erscheinen. Zur Auftaktveranstaltung in Brüssel sind unter anderem EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und EU-Ratspräsident Donald Tusk angekündigt.Die Veranstaltung wird auch von Google unterstützt und das, obwohl die EU-Kommission dem Unternehmen wegen mutmaßlicher Behinderung der Konkurrenz mit einer Milliardenstrafe droht. (red)

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