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Prioritäten sind Definitionssache
sabine bretschneider 26.04.2019

Prioritäten sind Definitionssache

Baustelle Bildungswesen: Ein paar Prozent Rabatt bei der Eigenwerbung gegen 500 Studienplätze.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

NEBELGRANATEN. Im innenpolitischen Chaos gehen derzeit vital wichtige Themen unter. Der Standort Österreich rutscht in den wichtigsten internationalen Indices ab; daran ändern auch die ehrgeizigen regierungsseitigen Nulldefizit-Pläne nichts. Sie sind wahrscheinlich sogar schädlich. Es wäre, dazu braucht man nicht Keynes zu zitieren, in Zeiten sprudelnder ­Steuereinnahmen wichtig, dort zu investieren, wo an der Zukunft gebaut wird.

Bildung ist so ein Thema. Das betrifft die Lehrer, die nach wie vor schwere Defizite in Digital-Didaktik aufweisen. Das betrifft die Direktoren an Brennpunktschulen, die finanzielle Hilfe direkt in Chancen für Kinder überführen könnten. Das betrifft Institutionen wie die Universitäten, die längst in einen Wettbewerb der kreativsten Zugangsbeschränkungen eingetreten sind. Das betrifft die Fachhochschulen, die noch immer auf die Milliardenzusagen eines ehemaligen Wissenschaftsministers warten.
Im Herbst 2018 musste etwa die FH Technikum Wien, eine technische Fachhochschule, über 1.000 qualifizierte Bewerber wegen mangelnder öffentlich finanzierter Studienplätze abweisen, während Österreichs Industrie nach eigenem Bekunden 16.500 MINT-Fachkräfte sucht … Dazu ein kleines Rechenbeispiel: 45 Millionen Euro hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr für Inserate, PR und Co. ausgegegeben; ein Studienplatz an einer technischen FH kostet 8.850 Euro. Ergo hätte eine Reduktion des schwarz-blauen Werbebudgets um zumutbare zehn Prozent 500 Studienplätze finanziert. Man setzt eben Prioritäten. Die FH Technikum Wien will jetzt nicht länger warten und versucht ab Mai per spenden-basiertem Crowdfunding zusätzliche Studienplätze zu finanzieren.
In unser aller Sinne wäre es jedenfalls sehr erfreulich, wenn die Österreicher – statt braune Ausrutscher diskutieren zu müssen – darüber nachdenken dürften, wie wir dieses Land tatsächlich, und ohne Bullshit-Bingo zu spielen, „zukunftsfit” machen. Einfach wird es nämlich nicht.

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