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Public Affairs in Zeiten der Coronakrise

Peter Köppl, Public Affairs Consulting.

Peter Köppl, Public Affairs Consulting.

Redaktion 25.03.2020

Public Affairs in Zeiten der Coronakrise

Gastkommentar: Vollbremsung. Oder gibt es ein anderes Wort dafür, was das Coronavirus aktuell in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik auslöst? Die Folgen sind nicht absehbar.

WIEN. Dauer: ungewiss. Welche Rolle nimmt Public Affairs dabei jetzt ein? Braucht es uns überhaupt noch? Sieben Anregungen für Profis, Entscheidungsträger und Public Affairs-Newcomer in Unternehmen, Verbänden, Agenturen und NGOs.

(1) Es braucht uns mehr, als vielleicht je zuvor: Public Affairs ist Political Risk Management. Entdecken, Analysieren und Bewerten von Risiken für ein Unternehmen aus seinem Umfeld ist nun mal das Selbstverständnis der Public Affairs. Aktuell sind überall Risiken, die sich in teils irrationalem Tempo steigern, verbreiten, intensivieren. Damit gäbe es schon mal genug zu tun. Auch der politische Fakten-Check für den CEO ist wichtig.

(2) Internal Counceling: Risiko-Bewertung samt Strategie- und Taktik-Vorschlägen für das Management und operative Einheiten braucht es jetzt täglich, vermutlich sogar mehrmals täglich. Bedrohungen und Chancen gehören präzise aufgezeigt und als Entscheidungsgrundlage aufbereitet. Was steckt in den Not-Gesetzen, den Sonder-Budgets, den Hilfs-Fonds?

(3) Public Affairs ist Leadership: klare Botschaften, rasch kommuniziert, an interne und externe Stakeholder mit Nachdruck und Standfestigkeit vorgebracht, nichts macht Public Affairs stärker als thought leadership. Was ist machbar, was nicht? Wo ist push angebracht?

(4) Politische Stakeholder sind nicht verschwunden: Viele mögen aktuell andere Prioritäten haben und zeitlich äußerst eingeschränkt zur Verfügung stehen, aber dennoch gilt es im fachlichen Kontakt und sachlichem Austausch zu bleiben. Manche arbeiten auch einfach an ihrer Agenda weiter. Daher: protect your interests at all time!

(5) Agenda-Setting für Nach-Corona: wenn die Krise abflacht und Prioritäten wieder vielfältiger werden, welche politischen Anliegen des Unternehmens werden dann wem wie vorgebracht? Was ist dem Unternehmen dann wichtig, und: ist noch wichtig, was vor der Krise wichtig war? Wer beim Planen versagt plant bekanntlich sein Versagen.

(6) Change leben: die Krise wird unweigerlich Veränderung in Politik und Verwaltung nach sich ziehen. Wenn die Not digitales Arbeiten zur Pflicht erhob, wird sie danach zur Kür werden. Sind wir fit dafür? Die Relevanz der Stakeholder wird durcheinander gewürfelt. Ist unser Mapping up to date? Dass die Politik auch Tempo kann, wissen wir jetzt. Wir auch?

(7) Corporate Citizenship: Reputation ist bekanntlich ein immaterieller Vermögenswert, sie gilt es daher unter allen Umständen zu schützen. Das Verhalten in der Krise kann das Bild bei Stakeholder in weit stärkerem Ausmaß prägen, als das in gewöhnlichen Zeiten möglich ist. Es bietet sich ein Zeitfenster, in dem es zwar schwer sein kann Aufmerksamkeit zu bekommen, aber die Chancen für langfristige Verbesserung der Reputation größer sind als sonst. Shape your future. Now.

Schreiben Sie mir, was Sie jetzt zu Public Affairs bewegt. Ich freue mich auf Kommentare, Nachrichten und wenn Sie den Beitrag teilen.

Peter Köppl, Managing Director, Mastermind Public Affairs Consulting, Wien.

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