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Raus aus dem Windschatten © Andreas Jakwerth

TeamKonstantin Jakabb (GF), Dian Warsosumarto (Executive CD), Beate Prisching (GL, Client Relations), Michael Derkits (GL, Vice Media), Bernhard Schmidt (GF).

© Andreas Jakwerth

TeamKonstantin Jakabb (GF), Dian Warsosumarto (Executive CD), Beate Prisching (GL, Client Relations), Michael Derkits (GL, Vice Media), Bernhard Schmidt (GF).

Dinko Fejzuli und Sascha Harold 08.06.2018

Raus aus dem Windschatten

Virtue Austria wechselt auf die Überholspur und tritt aus der Dachmarke Vice hervor, um als Netzwerkagentur bei den Großen mitzuspielen.

••• Von Dinko Fejzuli und Sascha Harold

Bisher war Virtue weltweit quasi als Inhouse-Agentur von Vice organisiert, territorial waren die einzelnen Standorte voneinander getrennt. Mit einer kompletten Neupositionierung der Agentur, mit erweitertem Offering und neuem strategischen Fokus tritt man international  aus dem Windschatten des Medienhauses heraus, neue Marken und aufgestockte Führungscrew inklusive.

„Wir sind derzeit sicher die Agentur mit den meisten Flugmeilen in Österreich”, ist Konstantin Jakabb, gemeinsam mit Bernhard Schmidt Geschäftsführer von Vice und Virtue in Österreich, überzeugt. Man sei ständig unterwegs, um Arbeitsprozesse zu adaptieren und das eigene Wissen zu erweitern.
In Österreich ist die internationale Neuaufstellung weniger stark spürbar, weil die Agentur bereits seit Jahren unabhängig vom Medienhaus agiert. Während Virtue davor aber kleinteilig in den Niederlassungen organisiert war, ist man jetzt dabei, eine große internationale Agentur zu werden. Dabei ist die Herkunft nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal.

Kombi Medium & Agentur

„Grundsätzlich ist die Kombination von Medium und Werbeagentur eine sehr schlaue, weil wir aus der Vice-Audience, vorrangig Millennials, wahnsinnig viele Insights ziehen können”, erklärt Schmidt. Im Einklang damit steht auch der Gründungsmythos der Agentur in New York: „Kunden des Medienhauses sind gekommen und haben gebeten, noch eine Kampagne dazuzuliefern”, so Schmidt weiter.

Das sei mit der Zeit gewachsen und habe letztendlich die Emanzipation sinnvoll gemacht. Vice bleibe dabei wichtig und werde vonseiten der Agentur als Inspirationsquelle gesehen.
In der jetzigen Form gibt es Virtue Austria seit zweieinhalb Jahren, der Erfolg speist sich auch aus der starken Kundenorientierung. „Von uns hatte keiner Agentur-DNA, der Zugang war anders, und ich glaube das war ein wichtiger Grund für den Erfolg”, ist Jakabb überzeugt. Das Interesse für den Kunden und dessen Welt stehe im Zentrum.
Überhaupt zeichne sich Virtue Austria durch Kundenbeziehungen aus, die teilweise weit zurückreichen. Für ‚Drei' ist die Agentur seit über zehn Jahren in unterschiedlichem Umfang tätig. Das daraus resultierende Vertrauen zwischen Agentur und Kunden ist ein Eckpfeiler des Erfolgs, der auch durch schwierigere Zeiten geholfen hat. Die Marke Vice hilft dabei einerseits durch ihre Bekanntheit, die eigenständige Agenturmarke soll aber auch dazu genutzt werden, wenn nötig im Einzelfall eine Abgrenzung zum Medium zu ermöglichen.

Internationale Vernetzung

Der Standort in Wien wird künftig noch enger mit den anderen Virtue-Büros, vor allem in der D-A-CH-Region, aber auch darüber hinaus, zusammenarbeiten. „Es ist nicht jedes Office gleich, in Deutschland gibt es zum Beispiel eine deutlich größere TV-Produktion, bei uns liegt der Schwerpunkt in der Kreation und im digitalen Bereich”, erklärt Schmidt die internationale Organisation. Es gehe darum, so Schmidt weiter, die jeweilige Expertise vor Ort zu nutzen. Während das Wiener Büro in Deutschland bei einigen Kunden unterstützend tätig ist, übernimmt es in anderen Fällen die Führung und wird von Standorten aus der D-A-CH-Region dabei unterstützt.

Alles, was mit Data und Digitalthemen zu tun hat, wird in Österreich derzeit verstärkt auf- und ausgebaut. Dadurch ergeben sich andere Herausforderungen und Möglichkeiten, die weltweite Erreichbarkeit schafft dabei gänzlich andere Rahmenbedingungen, die die Agentur nutzen will. Von Content-Produktion bis zum TV-Werbespot sollen möglichst alle Kundenwünsche abgedeckt werden.
Das digitale Geschäft verändert aber nicht nur Produkte und Kundenbeziehungen, sondern auch die Arbeitswelt, was sich im Recruitingprozess bemerkbar macht. „Beim Recruiting verändern sich die Anforderungen. Man braucht Menschen, die zusätzliche Expertise einbringen, und muss sich strategischer einstellen und auf Veränderungen schnell reagieren”, ist Jakabb überzeugt.
Auch beim Einstellungsprozess sei die internationale Perspektive wichtig. „Wir versuchen, ein guter Arbeitgeber zu sein und so durch die Sogwirkung gute Leute anzuziehen. Talente suchen wir mittlerweile international”, ergänzt Schmidt.
Die Arbeitsweise der Agentur orientiert sich an der agilen Projektentwicklung und ist teamorientiert. Auch neue Beschäftigungsverhältnisse spielen eine immer größere Rolle, auf die man auch von der Arbeitgeberseite her eingehen muss. Investiert werde, so Jakabb, viel im Bereich Fortbildung.
Den Begriff Work-Life-Balance sieht er kritisch: „Das würde heißen, dass das Leben erst nach der Arbeit anfängt, das ist nicht unser Ansatz. Es geht um eine Life-Balance.”
Mit dieser mitarbeiter- und kundenzentrierten Arbeitsweise will Virtue seinen Erfolg festigen und auf Wachstumskurs bleiben. Mit dem kundenzentrierten Ansatz sind die Personalkosten höher als bei anderen Agenturen, was allerdings nicht als Problem gesehen wird. „Wir machen derzeit 14 Millionen Umsatz bei 140 Mitarbeitern; natürlich gibt es da andere, die da besser liegen, für uns reicht es aber allemal und wir kommen dadurch gut vorwärts und haben ein starkes Wachstum.”

Wohin geht die Reise?

„Virtue versteht sich als Business Partner, der Kunden rundum versorgt und Verantwortung übernimmt – unter anderem mit best-in-class Kreation”, so Jakabb. Ein starker Fokus wird künftig auf dem Datenbereich liegen. Die Größe der Agentur und ihre internationale Vernetzung ist dabei kein Selbstzweck, sondern soll aktiv eingesetzt werden. „Wir decken im Konzern die gesamte Wertschöpfungskette der Kommunikation auf höchstem Niveau ab”, so Schmidt. Dadurch werde die Größe der Agentur auch für den Kunden zu einem wertvollen Angebot.

„Uns interessiert der Prozess”

Die nächsten Schritte sollen Virtue noch bekannter machen, um so auch bei den großen Ausschreibungen mehr Präsenz zu zeigen. Jakabb versucht, die Firmenphilosophie auf den Punkt zu bringen: „Uns interessiert nicht nur die Kampagne, sondern der Prozess, der dazu führt, dass jemand beispielsweise eine Almdudler-Flasche aus dem Regal nimmt. Wir schauen uns die gesamte Wertschöpfungskette an.” Im nächsten Jahr sollen die Strukturen weiter modernisiert werden – das Zusammenarbeiten innerhalb der Agentur, aber auch die Arbeitsweisen insgesamt. Dabei stellen die beiden Geschäftsführer das Wohl der Agentur in den Vordergrund: „Es geht nicht um uns, wir wollen nur unseren Teil dazu beitragen, dass es so positiv weitergeht wie bisher”, gibt Jakabb Einblick in die Zukunft von Virtue. „Wir wollen weltweit ein wichtiger Player werden und die Industrie vorantreiben.”

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