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Regionale Ausrichtung als echter USP © OÖ Nachrichten/Volker Weihbold

Führungstrio Generationswechsel im Medienhaus Wimmer: Die Brüder Paolo, Gino und Lorenz Cuturi führen gemeinsam das Familienunternehmen.

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Führungstrio Generationswechsel im Medienhaus Wimmer: Die Brüder Paolo, Gino und Lorenz Cuturi führen gemeinsam das Familienunternehmen.

Redaktion 04.10.2019

Regionale Ausrichtung als echter USP

Gino Cuturi im Interview: Anfang Jänner strukturierte das familiengeführte Medienhaus Wimmer die Geschäftsführung neu.

••• Von Sascha Harold

LINZ. Umstrukturierungen sind nicht immer einfach. Betrifft die Neuorganisation Familienunternehmen, können zusätzliche Schwierigkeiten auftreten. Dass bei der Übergabe der Geschäftsführung des Medienhaus Wimmer vom Vater an die drei Söhne bisher alles gut funktioniert, ist auch der langen Vorbereitungszeit geschuldet. „Wir haben zwei Jahre an dem Prozess gearbeitet, damit alles glatt über die Bühne geht. Dafür war eine intensive Vorbereitung im Hintergrund notwendig”, so beschreibt Gino Cuturi die vergangene Zeit. Das Medienhaus Wimmer ist mit den Oberösterreichischen Nachrichten, den Tips, TV1 Oberösterreich und weiteren Marken aktiv.

Gino Cuturi ist Sprecher der Geschäftsführung und verantwortet die Bereiche Lesermarkt sowie Druck und Vertrieb. „Ich bin im Printbereich aufgewachsen, habe dort überall gearbeitet, daher war das Aufgabengebiet logisch”, so Cuturi. Seine Brüder Lorenz und Paolo verantworten die Bereiche Werbung und Elektronische Medien bzw. das Immobiliengeschäft der Familiengruppe.

Regionaler Fokus

Ihren USP sieht das Medienhaus vor allem in seiner regionalen Ausrichtung. Die Oberösterreichischen Nachrichten sind erfolgreich und haben zuletzt in Oberösterreich sogar die Kronen Zeitung in puncto Reichweite überholt. Eine Stütze ist dabei das Abo-Geschäft. „Wir haben einen sehr breiten Abonnentenstamm, das Modell funktioniert sehr gut und wird auch international forciert. Die wiederkehrenden Einnahmen bringen eine sehr gute Berechenbarkeit”, führt Cuturi aus.

Einen noch stärker regionalen Fokus als die Tageszeitung bieten die wöchentlich erscheinenden Tips, die in Oberösterreich in 16 unterschiedlichen Ausgaben und in Niederösterreich in sieben Ausgaben erscheinen. Der Fokus auf Regionalität ist gewollt: „In Summe ist das eine der erfolgversprechendsten Strategien. Der Fokus auf Regionalität war goldrichtig”, fasst Cuturi zusammen.
Neben Print ist das Medienhaus Wimmer mit einem eigenen Fernsehsender aktiv und hält Beteiligungen an einem Radio. Die Pluralität an Kanälen kann auch im Werbemarkt effektiv eingesetzt werden. „Ich glaube, dass es sinnvoll ist, die Gattungen dort einzusetzen, wo sie funktionieren”, erläutert Cuturi und ergänzt mit Blick auf das Online-Geschäft: „Online ist in Wahrheit ja ohnehin eine Mischung verschiedenster Gattungen. Die Kombination macht's aus, da wollen wir die Kompetenzen des gesamten Medienhauses nutzen und Synergien erzielen.”

Schluss mit Gratis-Content

Mit Online-Inhalten Geld zu machen, ist derzeit eine der zentralen publizistischen Herausforderungen. Immer mehr Medienhäuser experimentieren dabei mit Paywalls und verschiedenen Abo-Modellen. Auch die Oberösterreichischen Nachrichten haben sich vor Kurzem für den punktuellen Einsatz einer Paywall entschieden. „Wir haben gerade mit Paid-Content begonnen. Das ist ein Projekt, das einige Zeit gedauert hat bei uns im Haus. Es läuft momentan recht gut, die User gewöhnen sich langsam daran, dass die Erstellung von Inhalten Geld kostet”, erläutert Cuturi. Infrage kämen vor allem jene Inhalte mit stark regionalem Fokus, die von anderen Anbietern nicht so einfach bereitgestellt werden können.

Print lebt!

Auch wenn das Medienhaus Wimmer in unterschiedliche Geschäftsfelder investiert, bleibt der Kern des Geschäfts die Redaktion. „Wir setzen nicht alles auf eine Karte und halten die Augen immer offen nach neuen Geschäftsmöglichkeiten; die Strategie des Medienhauses ist aber nach wie vor die Regionalität und der Kern unserer Produkte die Redaktion”, so Cuturi, der nichts von Kassandrarufen hält: „Der Tod der Tageszeitung ist oft publiziert worden. Ich glaube aber, das Bewusstsein, dass gut recherchierte Information etwas wert ist, kommt wieder. Das kann sogar zu einer Renaissance klassischer Medien führen.”

Das Medienhaus wird auch künftig auf sanftes Wachstum setzen und moderate Gewinne anstreben, die Eigentümerschaft soll dabei auch langfristig in der Familie bleiben. „Wir wollen in allen Bereichen wachsen, übertreiben dabei nichts, scheuen uns aber auch nicht vor Neuem. Unsere Strategie ist nachhaltiges Wachstum”, fasst Cuturi die Philosophie des Familienunternehmens zusammen.

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