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Rezession läuft aus, Erholung setzt ein © APA/AFP/John Macdougall
© APA/AFP/John Macdougall

Redaktion 23.04.2021

Rezession läuft aus, Erholung setzt ein

Die Prognosen von IHS, Wifo und UniCredit Bank Austria skizzieren ein Szenario der konjunkturellen Erholung.

••• Von Sabine Bretschneider

WIEN. Im vergangenen Jahr startete mit dem ersten bundesweiten Lockdown am 16. März für die Wirtschaftsforscher eine Art neuer Zeitrechnung: Ab diesem Zeitpunkt verfielen alle Konjunkturprognosen; Monats- und Vorjahresvergleiche wurden Makulatur. In Österreich hat die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr wegen der damit verbundenen Maßnahmen den stärksten Einbruch der Weltwirtschaft seit den 1930er-Jahren verursacht. Das reale BIP ist 2020 um 6,6% abgestürzt. Seitdem regiert in den Prognosen der Ökonomen das Prinzip Hoffnung.

IHS/Wifo: Variable Prognosen

Ende März wagten sich das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) dennoch aus der Deckung und präsentierten ihre aktuellsten Einschätzungen zur weiteren Entwicklung der heimischen Wirtschaft. Freilich gehen diese Varianten von Voraussetzungen aus, die kurz drauf wieder von Der Realität überholt wurden. Der Oster-Lockdown floss nicht mehr in die Berechnung ein, genauso wenig wie die über Mitte April hinaus verlängerte Schließung von Gastronomie und Hotellerie. Auch setzte dieses Lockerungsszenario voraus, dass ab Anfang Mai wieder Veranstaltungen möglich sind und die Reisewarnungen zwischen Ende April und Ende Juni schrittweise aufgehoben werden. Unsicherheiten beherrschen also weiterhin die Berechnungen.

Kräftige Erholung in 2022

Das dennoch als haltbar einzustufende Fazit: Nach einem mäßigen Wachstum 2021 dürfte es 2022 eine kräftige Erholung geben. Die Prognose des IHS rechnet, ebenso wie die optimistischere Wifo-Variante („Öffnungsszenario”) damit, dass die Wirtschaft das Vorkrisenniveau Ende 2022 wieder erreicht haben könnte. Das „Lockdownszenario” unterstellte die erneute Schließung des Handels und der personennahen Dienstleister im April – und zwar für die Dauer von vier Wochen –, was auch Öffnungen in Gastronomie und Beherbergung sowie die Erholung insgesamt verzögern würde. Gemäß Öffnungsszenario kommt die Wirtschaft schon im Frühjahr wieder in Schwung, wenn die Einschränkungen im Laufe des Frühjahrs vollständig aufgehoben werden.

Im ersten Quartal 2021 dürfte die heimische Wirtschaft laut IHS um 1,1% gegenüber dem Vorquartal geschrumpft sein: „Damit bleibt Österreich noch in einer technischen Rezession.” Man geht allerdings davon aus, dass mit einer breiten Durchimpfung die Coronakrise ab Ende des Sommers überwunden werden kann. Folglich sei mit einem kräftigen Wachstum der heimischen Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2021 zu rechnen, so das IHS. Anhaltend hohe Infektionszahlen, etwa durch eine stockende Ausrollung der Impfungen oder ein Überhandnehmen infektiöserer Virusmutationen, könnten den Erholungsprozess verzögern, ebenso wie das hohe Niveau an „Zwangs- und Vorsichtssparen”, das die Konsumerholung abschwächen könnte.

Bank Austria: Rezessionsende

„Rezession läuft aus, Erholung setzt ein”, betiteln die Ökonomen der Bank Austria die durchaus Optimismus versprühenden Ergebnisse ihrer jüngsten Analyse von Mitte April: Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im März auf 1,5 Punkte. Angeführt von der anhaltenden Erholung in der Industrie, wurde die Aufwärtsentwicklung diesmal von allen Wirtschaftssektoren getragen. „Erstmals seit einem Jahr liegt der Indikator wieder im positiven Bereich und signalisiert damit ein Auslaufen der Rezession, die mit der zweiten Infektionswelle im Spätherbst 2020 eingesetzt hat”, wird UniCredit Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer zitiert.

Die Verbesserung der Konjunkturstimmung im März fiel „überraschend kräftig” aus. Dies sei stark auf den Rückenwind für die heimische Industrie durch die globale Erholung zurückzuführen. Angetrieben vom Aufschwung im asiatischen Raum und der Erholung in den USA, hat sich die mit den österreichischen Handelsanteilen gewichtete internationale Industriestimmung auf den höchsten Wert seit drei Jahren verbessert. Mit dem günstigeren Wetterbedingungen hat sich bei solider Auftragslage auch der Optimismus am Bau gesteigert.

Wachstum beginnt jetzt

Auch die Stimmung im Dienstleistungssektor habe sich „überraschend stark” gebessert und entscheidend zum kräftigen Anstieg des Konjunkturindikators beigetragen.

„Die zwischenzeitlichen Lockerungen im Handel und bei persönlichen Dienstleistungen haben in Kombination mit den Impffortschritten auch das Konsumentenvertrauen positiv beeinflusst”, so Bruckbauer – ebenso wie die langsame Verbesserung der Arbeitsmarktlage.
Trotz der Verlängerung des Lockdowns in den östlichen Bundesländern sei für das zweite Quartal 2021 keine Fortsetzung der Rezession der österreichischen Wirtschaft mehr zu erwarten. Bruckbauer: „Im zweiten Quartal 2021 wird die österreichische Wirtschaft auf einen Wachstumspfad einschwenken, gestützt auf den Konsum, der von Nachholeffekten in den besonders stark beeinträchtigten Branchen wie dem Tourismus und dem Handel profitieren wird.”
Unter der Annahme, dass bei höherem Impftempo kaum neuerliche einschneidende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie notwendig werden, werde „das zweite Quartal 2021 damit am Beginn einer dauerhaften Erholung der heimischen Wirtschaft stehen, die sich im zweiten Halbjahr kräftig beschleunigen sollte”.

Erholungsjahr 2022

Bruckbauer: „Für 2022 erwarten wir einen deutlichen Anstieg des BIP um fast sechs Prozent und damit das stärkste Wirtschaftswachstum seit rund 50 Jahren. Das Jahr 2022 wird damit das Jahr der Erholung aus der Coronakrise sein.” Die Erholung in Österreich werde auch 2022 „viel Rückenwind durch den globalen Wirtschaftsaufschwung erhalten”, mit positiven Impulsen für die exportorientierte Industrie.

Neben der Exportwirtschaft soll 2022 voraussichtlich vor allem die Inlandsnachfrage die treibende Kraft der Erholung sein, gestützt auf jene Dienstleistungsbereiche, die von der Krise besonders stark betroffen waren, wie Tourismus, Gastgewerbe und Handel. Allerdings werden, so die Einschätzung, auch in diesen Bereichen anfangs noch einige Herausforderungen bestehen: Während die gesamte Wirtschaftsleistung in Österreich im Verlauf des Jahres 2022 über das Vorkrisenniveau ansteigen werde, dürfte diese Marke in Dienstleistungsbranchen wie etwa dem Tourismus Ende 2022 noch nicht erreicht werden.

In dieser Ausgabe

Auf den folgenden 148 Seiten lesen Sie eine Bilanz des Ausnahmejahrs 2020 in der heimischen Wirtschaft. Außerdem in dieser Sonderausgabe ranking week 2021: die Sieger des medianet xpert-Ratings und des Focus-Rankings und damit die wichtigsten Leistungsdaten der österreichischen Kommunikationsszene.

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