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Rüge für digitalen Wahlkampf © APA/Herbert Pfarrhofer

Kodex Die Schlammschlacht im Wahlkampf hat eine Rüge des PR-Ethik-Rats mit sich ­gebracht.

© APA/Herbert Pfarrhofer

Kodex Die Schlammschlacht im Wahlkampf hat eine Rüge des PR-Ethik-Rats mit sich ­gebracht.

Michael Fiala 10.11.2017

Rüge für digitalen Wahlkampf

Der österreichische PR-Ethik-Rat hat den Wahlkampf im Herbst umfassend auf Verstöße analysiert.

••• Von Michael Fiala

WIEN. Der österreichische PR-Ethik-Rat hat den Wahlkampf zur österreichischen Nationalratswahl 2017 auf Verstöße gegen den Kodex für Digitale Kommunikation analysiert. Das Resümee: mangelnde AbsenderTransparenz, Vernachlässigung der Verpflichtung zu fairer und respektvoller Kommunikation, mangelnde Einhaltung journalistischer Prinzipien sowie unzureichende Verantwortung bei Social Media-Auftritten, sowohl vonseiten der Arbeitgeber als auch teilweise bei der beteiligten Agentur bzw. den beteiligten Umsetzern.

Fehlende Transparenz

Wesentliche Fehltritte im Wahlkampf ortete der PR-Ethik-Rat in der fehlenden Absender-Transparenz. Etliche Parteien ließen die Bürger im Unklaren, wer hinter bestimmten Social Media-Auftritten steckt. Maßgebliche Verstöße verortete das Gremium vor allem bei bestimmten Facebook-Seiten, deren Ziel die Verunglimpfung des politischen Mitbewerbers war; nicht nur aufgrund des fehlenden Impressums war der Absender nicht erkennbar. Der Verstoß wiegt vor allem deshalb schwer, da laut Online-Kodex Absender-Transparenz auch für Einträge gilt, die im Auftrag Dritter durchgeführt werden.

Einen weiteren Verstoß sieht der PR-Ethik-Rat im verstärkten Auftauchen von Fake-Accounts auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Diese Accounts sind automatisiert angelegt, um den Anschein der Reichweite bzw. Relevanz auf Twitter für die jeweiligen Partei-Botschaften zu erzielen.

Entgleisungen

Ebenso vermisste der PR-Ethik-Rat einen respektvollen Umgang im Online-Wahlkampf. Diffamierungen und Diskriminierungen wurden nicht nur auf den offiziellen Kanälen verübt; ­zusätzlich leisteten sich Mitarbeiter und Funktionäre Entgleisungen auf den persönlichen öffentlichen Kanälen.

Eine entscheidende Rolle spielten hier auch Social Media-Kanäle, deren Absender nicht ersichtlich war. Weiters konstatiert der PR-Ethik-Rat einen relativ sorglosen Umgang mit der Kommunikationsverantwortung der eigenen Social Media-Plattformen. Bei einigen Partei-Auftritten fehlte eine verantwortungsvolle Moderation und Durchsetzung ihrer Kommunikationsleitlinien. Ebenso tragen die Parteien Mitverantwortung für die respektlose Kommunikation auf persönlichen öffentlichen Kanälen von vereinzelten Parteiangehörigen.

Gemeinsame Verantwortung

Laut Online-Kodex tragen Auftraggeber und Agentur gleichermaßen Verantwortung; der PR-Ethik-Rat sah hier erhebliche Verstöße und rügt vor allem die namentliche Nennung einzelner Mitarbeiter. Der PR-Ethik-Rat hält fest, dass es nicht zulässig ist, die Verantwortung für Täuschungsversuche in der Online-Kommunikation in Richtung der Auftragnehmer zu verschieben.

Auch redaktionell gestaltete Online-Inhalte auf eigenen Kommunikationskanälen unterliegen der Einhaltung journalistischer Prinzipien. Vor allem in den ­magazinartigen Online-Medien der Parteien mangelte es an gewissenhafter Recherche. Ebenso war es für die Rezipienten oft nicht erkennbar, ob die veröffentlichte Information ein Tatsachenbericht oder eine veröffentlichte Meinung widerspiegelt.

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