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„Schwierige Zeit für die Branche” © ViennaPress/Andreas Tischler
© ViennaPress/Andreas Tischler

Redaktion 16.10.2020

„Schwierige Zeit für die Branche”

Mice and Men-Geschäftsführer Tarek Sharif spricht über Herausforderungen im Veranstaltungsjahr 2020.

••• Von Sascha Harold

Eigentlich hätte heute die Game City im Wiener Rathaus beginnen sollen. Knapp 80.000 Spielebegeisterte nahmen im vergangenen Jahr daran teil, heuer wird daraus nichts. Die Coronakrise trifft die gesamte Veranstaltungsbranche im Land, nach wie vor stehen viele vor einer unsicheren Zukunft. Während sich einige Veranstalter in (teil-)virtuelle Events retteten, ist das an anderer Stelle kaum oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Auch für die Game City wurde ein virtuelles Veranstaltungskonzept diskutiert, aber rasch wieder verworfen. „Wir haben für die Game City ein alternatives Konzept entworfen, der Veranstalter hat sich dann aber dazu entschieden, dieses Jahr abzusagen”, führt Tarek Sharif, Geschäftsführer der Wiener Eventagentur Mice and Men, aus. Die Absage sei verständlich, denn der Grundgedanke der Messe, eine Plattform zum Austausch zu bieten, wäre bei einer virtuellen Veranstaltung wohl verloren gegangen. Der Community-Charakter, der Veranstaltungen wie die Game City ausmacht, lässt sich nicht vollständig ins Digitale verlagern. Auch die Einsatzmöglichen sogenannter hybrider Events, die als Kompromisslösung zwischen Online und Offline derzeit im Trend liegen, sind oft nur begrenzt. „Hybride Events sind sicher eine spannende Möglichkeit und in manchen Sektoren sehr gut umsetzbar – in anderen aber leider nicht”, fasst Sharif die Situation zusammen.

Zukunft virtuell?

Das Tagesgeschäft in der Agentur läuft derzeit dennoch großteils virtuell. „Wir planen im Moment bei fast jedem Event eine virtuelle bzw. hybride Variante ein und haben starke und erfahrene Partner, um virtuelle Events abzuhalten”, so Sharif. Auch digitale Agenden wie Social Media-Betreuung seien derzeit stärker im Fokus der Agentur. Für die Game City gibt es derzeit zumindest einen Termin im Oktober 2021. Schwierig ist vor allem die Unsicherheit, mit der viele Veranstalter konfrontiert sind. Teils sehr kurzfristig kommunizierte Maßnahmen und Beschränkungen machen die Lage nicht einfacher. Sharif spricht über das Problem der Planungssicherheit: „Events brauchen eine Vorlaufzeit, bei der Game City beträgt diese mehr als ein Jahr. Die Ungewissheit, die derzeit herrscht, macht das schwierig.” Auch bei Kunden merke man derzeit Zurückhaltung; Veranstaltungen, die nicht unbedingt sein müssen, werden eher verschoben oder abgesagt.

Dass die Veranstaltungsbranche wirtschaftlich ein bedeutender Zweig ist, ist kein Geheimnis. Die Plattform „Ohne Uns” will auf diesen Umstand aufmerksam machen und versucht, für die Interessen der Branche einzutreten. 8,9 Mrd. € Wertschöpfung und 140.000 Beschäftigte errechnete das Institut für Höhere Studien für das Jahr 2015 – die Zahl dürfte mittlerweile noch größer sein. Es müsse eine Lösung für die Herausforderungen der gesamten Branche her, Sharif: „Natürlich will niemand Events organisieren, bei denen sich Leute eventuell anstecken. Man muss hier verantwortungsvoll umgehen, mit professionellen Sicherheitskonzepten. Wenn zuverlässige Schnelltests ausreichend und kostengünstig zu haben sind, wäre dies bereits ein guter Schritt in die richtige Richtung für die Übergangsphase zur Normalität.”

Gaming als Trend

Wie es für die Branche weitergehen wird, hängt auch vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Testkapazitäten, die Entwicklung eines Impfstoffs, die weitere Strategie im Umgang mit der Pandemie und staatliche Hilfspakete sind Variablen, die dabei entscheidend sind. „Wenn Impfungen sowie ausreichend Schnelltests vorhanden sind, können wir hoffentlich langsam zur Normalität zurückkehren. Das Thema wird uns aber zumindest noch 2021 beschäftigen”, wagt Sharif einen Blick in die Zukunft. Bis dahin gilt es, kreativ zu sein und die sich bietenden Möglichkeiten – etwa im angesprochenen digitalen Raum – so gut es geht zu nutzen.

Bei Mice and Men hat man auch künftig den Wachstumsmarkt Gaming im Fokus. Schon der Blick auf die Besucherzahlen der Game City zeigt die Entwicklung: Von 25.000 Teilnehmern 2007 auf knapp 80.000 im vergangenen Jahr. Dieses hohe Interesse am Thema hat längst auch andere Unternehmen auf den Plan gerufen. Gamification ist ein Schlagwort, das in dem Zusammenhang immer wieder fällt. „Ich glaube, dass Spiele eine wunderbare Art sind, um Inhalte zu vermitteln, die sonst nur schwer vermittelbar wären”, führt Sharif aus.
Mice and Men hat neben wienXtra, dem Veranstalter der Game City, auch Sky und MediaMarktSaturn als Kunden. Für Sky betreut die Agentur unter anderem Premieren-Feiern, etwa von „Game of Thrones” im letzten Jahr. „Wir haben oft einen Gaming- oder Technik-Touch dabei”, erläutert Sharif. Trotz der aktuell herausfordernden Situation blickt er optimistisch in die Zukunft. Die Planungen für die nächste Game City 2021 laufen jedenfalls bereits – dann hoffentlich wieder mit Publikum.

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