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„Soldatner und ­Soldatnerinnen”
sabine bretschneider 01.06.2018

„Soldatner und ­Soldatnerinnen”

Die bewaffnete Streitmacht der Republik und ihre obersten Organe lassen aufhorchen.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

STEHT BEQUEM. Österreichs Landesverteidigung macht von sich reden: Erst der neue Generalsekretär im Verteidigungsministerium, der verfügt, dass sein Bild künftig in allen Kasernen neben jenen von Oberbefehlshaber Van der Bellen und Verteidigungsminister Kunasek zu hängen hat. Im O-Ton, weil es so nett ist: „(…) sämtliche derzeit in Kanzleien, Lehrsälen, auf Tafeln bei den Wachen und Diensten vom Tag etc. hängenden Bilder mit Vorgesetzten um das Foto des HGS (in der Reihenfolge HBP, HBM, HGS, ….) ehest möglich zu ergänzen”. Dann waren es die äußerst unschönen Szenen bei einem Einsatz österreichischer UN-Soldaten am Golan – und jetzt lässt der Minister damit aufhorchen, dass er das ohnehin nie verbindlich gewordene Binnen-I abschafft. Hier ebenfalls im O-Ton, weil man es sich auf der Zunge zergehen lassen sollte: „Feministische Sprachvorgaben zerstören die gewachsene Struktur unserer Muttersprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit”, betonte Kunasek, dessen Vorvorgänger mit der Bezeichnung „Soldatner” jeweils elegant die Kurve gekratzt hatte.

Man kann also an sich nur froh sein, dass wir in recht friedlichen und gesitteten Zeiten leben. Und man sollte dankbar sein, dass Österreich sich im Gegensatz zu vielen anderen Staaten seine Streitkräfte nicht für Grenzschutz, Landesverteidigung und Kriegsfall leistet, sondern vorrangig dafür, dass die heimischen Skipisten auch bei internationalen Großveranstaltungen immer super beinand sind. „Ob Hochwasserhilfe, Löschflüge bei Waldbränden, großflächige Schneeräumungen, Suche nach Lawinenopfern oder Waldarbeiten nach Sturmschäden – zu jeder Jahreszeit gibt es für die Einsatzkräfte viel zu tun”, heißt es auf bundesheer.at.
Ein weiteres Argument für unsere Bundesheerler ist deren Funktion als Pendant zum Zilvildienst. Wenn wir irgendwann damit anfangen müssten, die Leistungen der Zivis in Rettungswesen und Altenbereuung tatsächlich zu bezahlen, dann fiele der türkis-blau erschütterte Sozialstaat wohl in sich zusammen.

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