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TCF 2.0 setzt neue Standards © Panthermedia.net/Thodonal
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Redaktion 25.09.2020

TCF 2.0 setzt neue Standards

Seit dem 15. August 2020 ist das TCF 2.0 verfügbar. Noch wird das Framework jedoch nur zögerlich angenommen.

Gastkommentar ••• Von Elena Turtureanu

TRANSPARENT. Die seit mehr als zwei Jahren geltende ­DSGVO bildet die Grundlage für die rechtmäßige Verarbeitung personenbezogener Daten. Basis dafür ist die Einwilligung der Nutzer. Das aktualisierte Framework des IAB unterstützt Advertiser bei der korrekten Einholung dieser Einwilligung und setzt damit einen neuen Standard, der zu einem überfälligen Umdenken in Bezug auf die Datenhoheit führt.

Funktion

Noch immer ist die Verunsicherung groß, wie, wann, von wem und auf welche Art und Weise abgefragt werden muss, ob Daten verwendet werden dürfen. Die Zustimmung/Ablehnung wird in der Regel in sogenannten Consent Management-Plattformen (CMP) festgehalten. Um korrekt zu arbeiten, ist es aber entscheidend, dass diese CMPs die Sprache des Transparency and Consent Framework 2.0, kurz TCF 2.0, des IAB Tech Labs sprechen. TCF 2.0 arbeitet auf DSGVO-Grundlage und unterstützt werbetreibende Firmen unkompliziert bei der Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Es geht über die juristische Konformität hinaus, indem es die Grundsätze von Fairness und Transparenz beim Zustimmungsprozess wahrt. Das Framework bietet einen Mechanismus, der die notwendige rechtliche Grundlage für die Verarbeitung von User-Daten schafft. So erkennt man, wofür man ihre Zustimmung erteilt.

Vorteile

Das aktualisierte Framework ist in einem umfassenden, inklusiven Prozess entstanden, an dem unterschiedlichste Akteure des Adtech-Ökosystems und verschiedene Datenschutzaufsichtsbehörden der EU beteiligt waren. Es bildet die Interessen aller Teilnehmenden so gut es geht ab und sorgt für mehr Transparenz, Kontrolle und Flexibilität bei der Verarbeitung personenbezogener Daten. Das Framework ermöglicht es den CMPs technisch, das Einwilligungssignal und das Recht auf Einspruch gegen die Verarbeitung personenbezogener Daten zu sammeln, zu speichern und zu übermitteln. Für Publisher und Advertiser bedeutet dies neue und granularere Zweck­definitionen, die Offenlegung der rechtlichen Grundlagen und flexible und standardisierte Leitlinien zur Rechtsgrundlage. Die User sind wiederum besser in der Lage, auszuwählen, welche Technologie-Anbieter ihre Daten verarbeiten dürfen, wodurch sie die Kontrolle über ihre eigenen Daten zurückerlangen.

Aussicht

Trotz der nun wirklich einfachen Möglichkeit, Daten rechtssicher und userfreundlich erheben zu können, sind auf vielen Webseiten weiterhin Infokästen bzw. Layer, zu finden, in denen die Zwecke der Datenverarbeitung verschleiert werden oder User zu einer Zustimmung fast schon gezwungen werden. Sicher liegt der Grund hierfür auch in den teils widersprüchlichen Aussagen der letzten Jahre, an den vielen juristischen Prozessen und der nicht eindeutigen Rechtslage. Das verloren gegangene Vertrauen muss erst einmal wiederhergestellt werden. Dennoch tun alle, die Daten von ihren Usern erheben, gut daran, sich umfassend über die korrekte Einholung von Consent zu informieren und sich letztendlich auch für eine Nutzung des TCF 2.0 zu entscheiden. Denn es ist der beste Standard, den unsere Branche zurzeit hat. Es ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber der erste Schritt hin zu einer wirklichen Demokratisierung des digitalen Marketings.

Elena Turtureanu verantwortet als Senior Compliance Counsel bei Adform alle datenschutz­relevanten Themen. Die Juristin war zuvor unter anderem als Senior Legal Counsel bei SAP ­tätig und kann auf über zehn Jahre Erfahrung in der AdTech- Branche zurückgreifen.

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