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Thinktank für eine bessere Welt © Giuseppe Chiantera
© Giuseppe Chiantera

Redaktion 02.07.2021

Thinktank für eine bessere Welt

Experten der europäischen Kreativbranche widmen sich beim Creative Incubator den großen Themen der Zeit.

••• Von Britta Biron

WIEN / BARCELONA. Vor knapp einer Woche startete der diesjährige Creative Incubator des Art Directors Club of Europe. Das Ziel der 20 Masterclasses und 40 Live-Sessions, die bis Anfang November 2021 teils in Präsenz, teils online stattfinden, ist ambitioniert: Man will kreative Methoden und Strategien für eine bessere Zukunft erarbeiten. medianet hat mit Jamshid Alamuti, Programmdirektor des ADCE Creative Incubator, und Patrik Partl, Vizepräsident des Creative Clubs Austria und Geschäftsführer von Brokkoli Advertising Network, der erstmals als Mentor dabei ist, gesprochen.

medianet: Das Motto der diesjährige Session lautet Collective Creative Culture. Was genau ist damit gemeint?
Jamshid Alamuti: Covid-19 hat die Aufmerksamkeit von anderen Themen stark abgezogen. Die Menschheit sieht sich auch abseits der Pandemie mit globalen Herausforderungen konfrontiert. Diesen müssen wir uns jetzt wieder mit voller Konzentration annehmen. Dazu braucht es ein kollektives Umdenken. Der Incubator legt durch richtig gestellte Fragen die Basis, um Antworten zu entwickeln. Die sollen eine Inspiration sein, aber gerne auch Provokation. Hauptsache, es kommt etwas in Gang und es werden neue Zugänge geöffnet.

medianet:
Wie werden die konkreten Themen erarbeitet?
Alamuti: Wir arbeiten in drei Phasen: Als erstes stellen wir alles infrage; ich nenne das Unpacking, De-Construct oder Breaking. Danach geht es um das Re-build. Dabei definieren wir alles neu und in eigenen Worten und integrieren die Inputs der Teilnehmer. Erst in der dritten Phase geht es um konkrete Anwendungen und Execution, wo wir uns fragen, was wir wirklich damit machen können.

medianet:
Apropos praktische Umsetzung. Wie sieht es da mit Ergebnissen aus früheren Creative Incubator-Workshops aus?
Alamuti: Wir hatten unterschiedliche und teilweise überraschende Ergebnisse, die wir nicht erwartet hatten. Nur ein Jahr nachdem das erste White Paper publiziert wurde, hatten wir bereits Anfragen von Investoren aus Asien. Die waren an potenziellen Firmen interessiert, um unsere Ideen umzusetzen, und waren bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Aus unseren Incubator-Programmen sind einige neue Firmen hervorgegangen. Teilnehmer haben sich durch die Veranstaltung kennengelernt und wurden gemeinsam zu Entrepreneuren. Ich selbst habe zwei neue Start-ups gegründet und ein Teilnehmer aus Wien eine eigene Agentur. Viele Absolventen haben ihren Job gewechselt, um die neu gewonnen Perspektiven in die Tat umzusetzen. Auch auf Kundenseite haben wir Transformationsprozesse ausgelöst. Wahrscheinlich ist noch viel mehr in Bewegung gekommen, als wir selbst wissen.

medianet:
Erfolgt zu den ADCE Creative Incubator-Programmen eine Evaluierung, z.B. indem Feedbacks der Teilnehmer gesammelt werden?
Alamuti: Ja, das machen wir regelmäßig, sogar während des Programms. Wir können das Programm im laufenden Betrieb optimieren und das Feedback sowie die Ergebnisse direkt in die Gestaltung einfließen lassen. Wir arbeiten quasi am lebenden Organismus. Nur durch starke Information können wir gemeinsam die Antworten auf die wirklich brennenden Fragen unserer Zeit gefunden werden.

medianet:
Der Event setzt auf Diversität. Wie wichtig ist die?
Alamuti: Wir beobachten, dass Menschen sich oft mit ihresgleichen beschäftigen. Wir wollen heterogenen Backgrounds und Kulturen zusammenbringen und sie dazu motivieren, gerade aufgrund ihrer Unterschiede ihre Energien zu bündeln, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.
Patrik Partl: Die Teilnehmer profitieren enorm von frischen Perspektiven aus der internationalen Kreativwelt und globalem Networking. Die heterogene Zusammensetzung ist ein Appell, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich auf Neues einzulassen. Es geht um den Kern der Kreativität und wie sie Menschen bewegen und auf ein gemeinsames Ziel einschwören kann.

medianet:
Welche Erwartungen haben Sie?
Alamuti: Wir wollen etwas wirklich Großes in Bewegung setzen. Die Teilnehmer plus die rund 30 Mentoren und zehn Coaches sind bereits ein kleines Kollektiv. Im besten Fall sind sie der Anfang einer großen Bewegung über alle Kontinente hinweg.

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