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„Und Action!” für Werbe- und Wirtschaftsfilme © David Haslinger
© David Haslinger

Redaktion 31.10.2019

„Und Action!” für Werbe- und Wirtschaftsfilme

Das Film Forum Austria prämiert jährlich die besten (audio)visuellen Arbeiten – Gründer und Experte Claus Muhr im Gespräch.

••• Von Nadja Riahi

Als gewählter Branchensprecher der Film- und Musikwirtschaft Oberösterreich und Mitglied des bundesweiten Fachverbandausschusses der WKO setzt sich Claus Muhr für das heimische Gewerbe und kleinstrukturierte Produktionsfirmen ein. media­net sprach mit dem Gründer des heutigen Film Forum Aus­tria über die Anforderungen an die Filmindustrie, das Niveau in Österreich und die Rolle des Geldes bei der Produktion. „Ich engagiere mich noch zusätzlich für Werbe- und Wirtschaftsfilme. Da es für diese Produktionen nicht so gute Förderungen gibt, wie beispielsweise für Dokumentationen oder Fiktion, haben wir 2007 das Film Forum Linz gegründet. In fünf Kategorien – Imagefilm, Tourismusfilm, Technologie, Spot und der Nachwuchskategorie Future – haben wir alle zwei Jahre Preise vergeben”, erzählt Muhr. Heuer, zwölf Jahre nach der Gründung, heißt es Film Forum Austria, und die Preisverleihung findet jährlich statt.„Wir wollten einen österreichweiten Bezug darstellen und dem Hemmnis der Produzenten, einen ‚älteren' Film einzureichen, entgegenwirken. Da die Branche so schnell geworden ist, wollen wir die Möglichkeit jährlich schaffen”, so Muhr.

Werber findet Auftraggeber

Bei der achten Preisverleihung am 19. November wird es neben den fünf Kategorien auch Sonderpreise geben; am 5. November endet die Einreichfrist, danach berät sich die Jury, bevor die nächsten zwei Wochen für die Vorbereitung der Veranstaltung reserviert sind. „Das Film Forum-Fest soll die Film- und Musikbranche mit der Werbebranche und der Auftraggeberbranche zusammenbringen. Eine weitere Intention des Preises ist, dass die Arbeiten der Produzenten einem breiteren Publikum bekannt werden”, so Muhr. Das Film Forum Austria hat im Laufe seiner Einreichfristen im Schnitt 100 Anmeldungen. Die Arbeiten seien vielfältig und auch geografisch breiter gestreut. „Der Preis ist weder nur für Oberösterreich, noch ist er Wien-spezifisch. Mit unserem Standort in Oberösterreich bin ich jedoch sehr zufrieden, weil es das Industriebundesland Österreichs ist, in dem Wirtschaftsfilme sehr wichtig geworden sind”, meint Muhr.

Genau diese Industrieunternehmen, die oft die Hauptauftraggeber dieser Filme sind, sehen für ihre Produkte oft Erklärungsbedarf, welcher in Videos gut umzusetzen sei. „Dafür haben wir die Kategorien. Es gab immer wieder Filme, die komplexe Vorgänge beschrieben haben. Die Kategorie Technologiefilm ist zum Beispiel nicht der klassische Verkaufsfilm. In der Kategorie Tourismus wird teilweise auch mit mutigeren Umsetzungsformen gearbeitet”, erzählt Muhr.

Neue Voraussetzungen

In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an die Filmindustrie verändert. „Das Internet macht es erforderlich, dass heutzutage Geschichten in einer Minute erzählt werden müssen. Diesen Wandel bemerken wir schon lange. Filme, die vor zehn Jahren noch sechs Minuten lang waren, sind heute zwei oder drei Minuten lang. Die Kategorie Spot, die früher nur für Kino oder TV relevant war, schließt heute auch das Web mit ein. Gerade dort wird ein Film, der über 60 Sekunden lang ist, gar nicht erst geschaut”, sagt Muhr.

Hohes Niveau durch Qualität

Die Zeit werde immer knapper und die „Zapperei” werde ein zunehmend größeres Problem für die Filmproduktion. Jedoch haben Plattformen wie YouTube und Vimeo zu einer Art Renaissance des Bewegtbilds geführt. Eine Zunahme an Aufträgen und die Schnelllebigkeit der Branche dürfen jedoch nicht dazu führen, dass die Qualität leidet.

„Viele denken sich einfach, dass es eh reicht, wenn ein Video qualitativ nicht ganz so hochwertig produziert wird – immerhin wird ja auch schnell konsumiert. Es ist genau umgekehrt: je schneller konsumiert wird, desto besser müssen die Inhalte sein”, sagt Muhr. Das Niveau der Einreichungen beim Film Forum Austria sei in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Dadurch sei es für die Jurymitglieder schwieriger geworden, die finalen Sieger zu küren. „Natürlich muss man aber auch sagen, dass international der Zug schon woanders hingeht. Wir fahren aber in diese Richtung”, so Claus Muhr.
Bei der Frage, was denn die wichtigsten Aspekte eines gut gemachten kommerziellen Films seien, antwortet Muhr: „Am wichtigsten ist die Story, denn die unterscheidet ein Unternehmen von den anderen Marktteilnehmern. Alles, was dich nicht unterscheidet, ist auch nicht erzählenswert. Natürlich sollten auch die Bildästhetik und die Gestaltung gut sein, denn gerade das junge Publikum ist in dem Bereich schon eine gewisse Qualität gewohnt, der es zu folgen gilt. Oft werden der Sound und die Musik unterschätzt – meistens aus dem Grund, dass nicht genug Geld für eine Musikkomposition vorhanden ist, und Billiglibraries – von mir auch Kaufhausmusik genannt – hört man raus”, sagt Muhr.

In der Kürze liegt die Würze

Wenn das Budget knapp ist, soll die Musik zumindest passend zum Beitrag arrangiert oder raffiniert angeglichen werden. „Der vierte Punkt ist natürlich die Länge, und hier liegt in der Kürze die Würze. Die große Kunst ist es, die Geschichte zu erzählen, ohne dass etwas verloren geht”, sagt Muhr. Die Finanzierung spielt in der Filmbranche schon seit Jahrzehnten eine Rolle. „Geld ist bei der Produktion nicht alles, jedoch darf aufgrund eines niedrigen Budgets auch kein billiger Film entstehen. Ich bin gegen die prekären Verhältnisse, die in unserer Branche verbreitet sind. Sollte ein Kunde kein großes Budget haben, müssen die Filmproduzenten sagen ‚Ok und das kann ich Ihnen dafür anbieten'. Auch die kleinen detailreichen Filme sind ein Teil des Geschäfts”, sagt Muhr.

Aber wie kommen junge Leute heute zum Film? „Es gibt zwei Entwicklungen bei Fachhochschulen: Einerseits sind Mediendesign, Video und Musik Modeberufe geworden. Andererseits gibt es FHs, die die Namen ihrer Lehrgänge im Jahrestempo wechseln, während sich andere wirklich spezialisieren. Die herausragendste FH ist meiner Meinung die FH Salzburg mit ihrem Studiengang MultiMediaArt”, erzählt Muhr.
Der verbreiteten Meinung, dass das Filmgewerbe „hin ist”, stellt sich Muhr entgegen: „Es wird umfassender. Von einer Filmproduktion wird verlangt, dass sie wie eine Werbeagentur agiert. Sie muss die Geschichte haben und umsetzen. Medien und Kommunikation, alles verschmilzt miteinander. Für Kameraleute und Cutter ist nicht immer genug Arbeit vorhanden, also ist es klug, wenn man beides kann”, sagt er abschließend.

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