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„Unsere Kunden ­machen uns besser” © Belle&Sass

Teamarbeit Anna ­Wessely, Angelika ­Hammer, Heimo Hammer, Jürgen Oberguggenberger, Almir Kazazic (im Korb).

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Teamarbeit Anna ­Wessely, Angelika ­Hammer, Heimo Hammer, Jürgen Oberguggenberger, Almir Kazazic (im Korb).

Dinko Fejzuli und Michael Graswald 25.05.2018

„Unsere Kunden ­machen uns besser”

Kunden sind Lehrmeister, und Wissen ist das neue ­Produkt, so kraftwerk-Geschäftsführer Heimo Hammer im Interview.

••• Von Dinko Fejzuli und Michael Graswald

Heimo Hammer, Geschäftsführer der Agentur kraftwerk, gilt als einer der absoluten Experten im Bereich Digitalvermarktung. Trotzdem sieht Hammer immer Möglichkeiten, Verbesserungen aufzuspüren, um als Agentur noch besser zu werden. Wie diese aussehen sollen, hat Hammer im medianet-Jahresgespräch erklärt.

Die kraftwerk-Agentur versteht sich nicht als bloße Kommunikationsagentur, für ihren Geschäftsführer Heimo Hammer ist sie vielmehr eine Kreativagentur mit digitalem Schwerpunkt. Dabei beschäftigt den Agenturgründer vor allem eines: die Zukunft – sowohl jene seines Unternehmens als auch jene der gesamten Branche. Deshalb wird seine Agentur in den nächsten drei Jahren, also bis 2020, „sich komplett neu erfinden”. Dadurch wird sich sowohl der Umsatz verdoppeln, als auch die Zahl der Fixangestellten (Performer und Balancer) auf 100 erhöhen. Doch damit nicht genug.

Pitchen, mal umgekehrt

Heimo Hammer hat sich ein spezielles Angebot für seine Kunden überlegt, um neue Impulse zu setzen, wobei er die klassische Pitchsituation umdreht und Kunden, die besonders frische Aufgabenstellungen (neue Geschäftsmodelle bis Innovationen) an seine Agentur herantragen, verspricht, die Idee für den Kunden auf eigene Kosten weiterzutreiben. Seinen guten Ruf als Vordenker für eine ganze Branche will er damit einmal mehr bestätigen. „Wir investieren in die Zukunft unserer Kunden!”, lautet sein Credo.

Was auffällt: Während des Gesprächs fällt immer wieder ein Wort, der Begriff „Zukunft”. Für Heimo Hammer ist es der entscheidende Punkt hinsichtlich des Erfolgs eines Unternehmens. „Denn nur wer jetzt schon an morgen denkt, der kann sich auf Neuerungen einstellen und wird nicht von ihnen überrascht. Der Markt wird immer größer – und digital getrieben”, sagt Hammer, „der Markt ist momentan noch ein ‚Blue Ocean', alles, was Kommunikation und digitale Geschäftsmodelle angeht, ist ein Wachstumsmarkt.”

„Wir sind alle Haifische”

Dem gegenüber steht der „Red Ocean”. Er spiegelt den klassischen Werbemarkt wider. „Wir sind alle wie Haifische, die sich gegenseitig auffressen, bis nichts mehr übrig bleibt”, erklärt Hammer.

Deshalb werde, so Hammer, nicht nur für kraftwerk der Bereich Consulting als weiteres Geschäftsfeld immer wichtiger. In seiner eigenen Agentur soll sich diese Denke ebenfalls bemerkbar machen. „Wir in der Firma machen momentan 20 Prozent mit ‚Brain' – also mit Beratung – und 80 Prozent mit ‚Hands', der Umsetzung.”
Dieses Kräfteverhältnis werde jedoch so nicht bestehen bleiben: Bis 2020 rechnet Hammer damit, dass sich die Ziffern bei zukünftigen, marktführenden Agenturen genau umgekehrt verhalten werden. Dann werde dem Honorarvolumen des „Brain” gut 60–80 Prozent zukommen, dem „Hands” hingegen nur mehr 20–40.
Für Hammer spielt dabei vor allem die Automatisierung eine ganz entscheidende Rolle: „Ob es jetzt eine Website oder eine Anzeige ist, das wird einfach und schnell gemacht werden. Das Thema der Umsetzung wird sich in der Agentur- und Kundenlandschaft automatisiert haben. Dahin geht (leider) eigentlich die Reise.” Die Automatisierung und Artificial Intelligente halten auch bei Agenturen Einzug. Neben CDs und ADs werden Data Scientists und Berater die Zukunft der Branche bestimmen: Creativity follows understanding Data.
Nichtsdestotrotz sei eine auf den Kunden abstimmte Idee immer noch das, womit eine gute Kommunikationagentur überzeugen müsse. Dafür benötigt es Wissen, wie mit einem der wichtigsten Güter unserer Zeit, den Daten, richtig umgegangen werden solle, wie diese gecheckt werden und wie man diese gewonnenen Erkenntnisse dann noch optimieren kann. „Es ist alles datengetrieben”, sagt auch Hammer. Genau an diesem Punkt ist es wieder so weit.

„Wollen zu den 51% gehören”

Der Agenturgründer denkt an die Zukunft: „Da überlegen wir uns gerade, wie eine Agentur künftig organisiert sein muss, um den Kunden ein guter Berater zu sein”, erklärt er. Streng nach dem Zitat von Warren Buffet, „Ein guter Berater liegt in 51 Prozent der Fälle richtig und in 49 Prozent falsch”, soll seine Agentur künftig zu jenen Beratern gehören, die eben um diese zwei Entscheidungen besser sind als die Konkurrenz.

Um den Sprung auf die „51-Prozentseite”, wie Hammer es nennt, zu schaffen, bedarf es mehr als bloß des Wissens darüber, wie man eine Anzeige schaltet. „Man muss wissen, in ­welcher Kaufsituation mein Kunde ist und welche Daten ich von ihm habe. Das ist, leider ­Gottes, nicht nur reine Gestaltung und Erfahrung, sondern Daten in Kombination mit Krea­tivität.”

Lehrmeister, nicht Kunden

Denn für den kraftwerk-Geschäftsführer ist nach wie vor der Kunde der alles entscheidende Punkt in einer gelungenen Kampagne. „Ich bin nur das Produkt meiner Kundenauf­träge”, sagt Hammer demütig, um dann lachend anzufügen: „Jeder hat die Kunden, die er verdient.”

Auch deshalb bezeichnet er seine Auftraggeber als „Lehrmeister”. Nur durch ihr Vertrauen und ihre Offenheit (auch der Daten) sei es möglich, zu erfahren, wo am Markt vorbeigeworben wurde oder wo die Kampagne in Schönheit gestorben sei.
Um die „Lehren” noch besser zu verstehen, hat man innerhalb der Agentur zwölf Leute auf strategisch wichtige Themen angesetzt. Und wieder – „diese Leute sind die Zukunft von kraftwerk”, sagt Hammer. Bei den besetzten Themen handelt es sich um Consulting, Kreation/Ideengebung, Performance bis hin zu Content abarbeiten, wobei der Dreiklang Consulting, Communication und Technology für die drei Geschäftsfelder und Wachstumsbereiche stehen. Ebenfalls entscheidend für, na klar, die Zukunft ist das Konzept „#HelloTomorrow”.

1.000 kraftwerk-Stunden

Das Konzept richtet sich, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht den Eindruck erweckt, nicht nur an Start-ups, sondern viel mehr an Bestandskunden. Dabei präsentiert der Kunde eigenständig Konzepte. Wenn diese bei kraftwerk auf Zustimmung stoßen, bekommt der Kunde bis zu 1.000 kraftwerk-Stunden kostenlos. Das gilt für bis zu sechs Konzepte im Jahr. „Wir investieren quasi in den Kunden”, sagt Hammer. „Wenn von den sechs Projekten im Jahr nur eines oder ein bis zwei ein Riesenerfolg wird, haben wir in drei Jahren sechs Kunden massiv unterstützt, neue Wege zu gehen.”

Bei den 6.000 Stunden ginge es nicht um die Summe, sondern darum, den kraftwerk-Mitarbeitern eine Aufgabe zu stellen, die wir sonst nicht bekommen hätten. Wir wollen die Zukunft machen und das geht nur, wenn wir es jetzt machen”, erklärt Hammer die Idee hinter seinem Konzept.
Solche Ideen sind es, die Hammer seinen Ruf als Innovator in der Branche eingebracht haben. „Wir Österreicher haben einen Minderwertigkeitskomplex”, sagt er, als er auf den österreichischen Markt angesprochen wird. Natürlich sei es logisch, dass sich der heimische Markt mit seinen acht bis neun Millionen Teilnehmern nicht mit dem US-Markt vergleichen kann, doch Komplexe müsse deshalb auch niemand haben. „Was Innovation und Kreativität angeht, sind wir sicher vorn dabei”, so Hammer. Das Problem am österreichischen Markt ist demnach nicht die Qualität, sondern dass vieles einfach bei der Größe des Marktes nicht profitabel ist.

Mehr Wissen verkaufen

Für die Agentur kraftwerk scheint das alles kein Problem darzustellen: Auch 2017 konnte das Unternehmen wieder wachsen – obwohl das gar nicht in diesem Ausmaß geplant war. Und dann kommt er wieder, sein Blick in die Zukunft: „Ich möchte künftig immer mehr Wissen und dafür weniger Umsetzung verkaufen”, erklärt er, „dafür braucht es Mitarbeiter, die den Markt lesen können.” Der Markt wird sich, laut Hammer, in den nächsten drei bis fünf Jahren enorm verändern und weiterentwickeln. „Du musst jetzt die Themen kapieren”, gibt er die Marschrichtung vor. Und er will es, gemeinsam mit seiner Agentur schaffen, diese Themen umzusetzen: „Da gibt es genug zu tun.”

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