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Verleger fordern faire Spielregeln © APA/AFP/Daniel Leal-Olivas
© APA/AFP/Daniel Leal-Olivas

Redaktion 19.01.2018

Verleger fordern faire Spielregeln

Facebook wird teurer, unberechenbarer, weniger wichtig für Publisher. Der VÖZ plädiert für „fairen Wettbewerb”.

WIEN. Facebook will also die Sichtbarkeit der Inhalte von „businesses, brands, and media” drastisch drosseln. Warum? „Facebook sieht Handlungsbedarf, weil keiner mehr auf Marken-Content in Facebook klickt”, berichtet die Plattform iBusiness.de in einer aktuellen Analyse: „So wie ein immer größer werdender Teil der Nutzer Display-Werbung via Adblocking ignoriert, so ignorieren Menschen Content-Marketing bei Facebook.”

Das Technikportal zitiert dazu Analysen der Datenplattform Parse.ly, wonach die Weiterleitungen von Facebook auf Publisher-Seiten – darunter sind Kaliber wie Time, Huffington Post oder Wall Street Journal – im Laufe des vergangenen Jahres und insbesondere im Dezember übelst eingebrochen seien. ­Parse.ly konstatiert einen Rückgang des Traffics, den Facebook für die Publisher-Seiten generierte, von 40% auf 26%.
Die Reaktion von Facebook-Chef Mark Zuckerberg sei somit eine Reaktion auf das veränderte Kundenverhalten, welchem man mit einer anderen Gewichtung entgegenkommen will.

BDZV reagiert entrüstet

Was bedeutet das alles für die Verlage? Zur Ankündigung der Facebook-Newsfeed-Reform erklärte der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) äußerst verschnupft: „Facebooks aktuelle Entscheidung, Verlagsangebote im Newsfeed deutlich weniger sichtbar zu machen, es sei denn, Medien zahlen dafür eine Premiumgebühr, zeigt deutlich, dass wir dringend angemessene Regelungen für Plattformen brauchen.”

Die Auffindbarkeit von Inhalten der Zeitungshäuser müsse „bei marktdominanten Anbietern durch Maßnahmen zur Sicherung der Plattform- und Suchmaschinenneutralität sichergestellt werden”. Zudem sei „ein effektiv durchsetzbares Verbot der Begünstigung eigener Angebote und der Benachteiligung von Drittangeboten durch marktbeherrschende Plattformen grundlegend für den Erhalt der Presse- und damit der Meinungsvielfalt”. Helfen soll also der Staat mittels Regulierung.

VÖZ fordert ‚level playing field'

Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ), stimmt den deutschen Kollegen großteils zu: Für einen fairen Wettbewerb in der digitalen Welt bedürfe es „gesetzlicher Rahmenbedingungen, die ein ‚level playing field' sicherstellen (s. Kommentar r.o.).

Wie sich der Zickzack-Kurs von Facebook letztlich auf die Nachrichtenlage im Netzwerk, das Business der Publisher und die Meinungsvielfalt auswirkt, wird sich im Laufe des Jahres weisen. (sb)

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