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Wenn man an der Wunderlampe reibt
Redaktion 27.11.2020

Wenn man an der Wunderlampe reibt

Eine Ode an die Mathematik – und ein Antrag für weitere Wünsche in Sachen Regierungs-PR.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

SCHACHMATT. Kennen Sie die Weizenkornlegende, die Geschichte vom Erfinder des Schachspiels in Indien? Er ließ sich als Dank dafür eine interessante Prämie einfallen. Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er vom damals regierenden Tyrannen ein Korn, auf das zweite Feld das Doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier … Der Chef der Kornkammer meldete nach einigen langwierigen Berechnungen, dass etwa 18 Trillionen Körner anfallen würden. Das sei im ganzen Reich nicht aufzutreiben. Dies nur als Epilog für die Kritik an der Kritik an Massentests in Südtirol und anderswo. 0,9 Prozent der Ergebnisse in Südtirol fielen positiv aus, 3.000 Fälle. Viel Lärm um nichts? Bei einer Reproduktionsrate von 1,5 und einem Intervall von vier Tagen wäre das eine Verdopplung binnen 5,3 Tagen. Rechnen Sie gern weiter. Natürlich fließen weitere Faktoren in die Berechnung viraler Ausbreitung ein. Aber ist simple Mathematik nicht beeindruckend?

Zauberwort „Presseförderung”

Vor zwei Wochen hatte ich an dieser Stelle die Frage gestellt, warum die Bundesregierung ihr Kommunikationswirrwarr nicht von einschlägigen Experten sortieren lässt. Jetzt wurde mein Wunsch erfüllt. Die Regierung sucht für ein Vier-Jahres-Budget von 30 Mio. Euro eine Agentur für eine, wie es heißt, „stringente gemeinsame Kommunikation aller Ministerien”. In einer ebenfalls laufenden Ausschreibung wird eine Schaltagentur gesucht, die Aufträge im Wert von bis zu 180 Mio. Euro (exkl. USt.) abwickeln soll. Bis 2024 wären das jährlich 45 Mio. Euro. Nun, nicht, dass das – wie schon argumentiert – nicht grundsätzlich notwendig wäre. Agenturen und Medien können die Unterstützung wohl auch gut brauchen. Aber würde jetzt bitte noch ein Weisenrat dafür sorgen, dass jene zum Zug kommen, die tatsächlich nach allen Regeln der journalistischen Sorgfalt informieren und nicht die üblichen Verdächtigen? „Presseförderung” – eine, die anhand von Qualitätsmerkmalen vergeben wird – ist eine andere Bezeichnung dafür. Lesen Sie dazu den Bericht ab Seite 10.

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