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Wer zahlt, der schafft auch an © ORF/Thomas Jantzen

Es diskutierten Peter Kropsch, Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur, Nadja Hahn, Redakteurin, ORF Radioinformation, Moderator Klaus Unterberger (ORF Public- Value), Julia Rehkopf, Reporterin, YKollektiv (ARD/ZDF-Netzwerk „funk”), Florian Scheuba, Kabarettist, und Christian Fuchs, Professor für digitale und soziale Medien an der Westminster University London.

© ORF/Thomas Jantzen

Es diskutierten Peter Kropsch, Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur, Nadja Hahn, Redakteurin, ORF Radioinformation, Moderator Klaus Unterberger (ORF Public- Value), Julia Rehkopf, Reporterin, YKollektiv (ARD/ZDF-Netzwerk „funk”), Florian Scheuba, Kabarettist, und Christian Fuchs, Professor für digitale und soziale Medien an der Westminster University London.

Judith Welzl 18.01.2019

Wer zahlt, der schafft auch an

Die alte Weisheit gilt nicht mehr. Die Big Five des Internets verändern die Medienlandschaft – zum Besseren?

••• Von Judith Welzl

WIEN. Anlässlich der Vorstellung des Public Value-Reports lud der ORF gemeinsam mit dem Europäischen Forum Alp­bach zur Podiumsdiskussion „Das Netz in unsere Hand!” ins RadioKulturhaus.

Moderator Klaus Unterberger warf die Frage auf, welche Rolle klassischer Journalismus angesichts der Übermacht der Internetkonzerne und der „wegbröselnden” Finanzierung durch Werbeeinnahmen noch spielen könne.
Christian Fuchs befürchtet die Entwicklung von digitalen Monopolen mittels Boulevard-Plattformen, die nur oberflächliche Informationen liefern; umso wichtiger ist der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag.
Peter Kropsch möchte den Konzernen zugutehalten, dass sie aus wirtschaftlichen Interessen gegründet wurden und keine ethischen Ansprüche verfolgen.„Medien sollten weiterhin die Leuchttürme des Vertrauens sein. Dafür benötigen wir aber ein faires Modell des Leistungsentgelts”, war sein Fazit.

Digitale Monopole

Große Chancen sieht vor allem Julia Rehkopf. Der Medienkonsum der Unter-30-Jährigen verändert sich stark. Wenn man seine Inhalte verbreiten möchte, müssen die neuen Plattformen bespielt werden. Allerdings gelten andere Regeln als im Fernsehen. Auf YouTube entscheidet die erste Minute über Interesse oder Wegklicken.

Schweren Herzens müsse man dann meist das Ergebnis des Beitrags in diese „golden minute” vorziehen.
Auch Nadja Hahn bemerkt, dass der Kampf um die Aufmerksamkeit härter wird: „Sind wir relevant? Bieten wir unserem Publikum das Richtige an und vor allem: Sind wir zu finden?”
Den Journalisten wird dadurch immer mehr Können auf allen Kanälen bei gleichzeitiger Verkleinerung der Redaktionen und somit weniger Zeit abverlangt.

Immunisierte Lügen

Florian Scheuba bekrittelt, dass die Sozialen Medien einen völlig neuen Zugang zum Thema Wahrheit bewirkt haben – es ist nicht mehr peinlich, beim Lügen erwischt zu werden. „Lügen ­werden immunisiert, indem sie als Meinung präsentiert werden.”

Medienkompetenz und Schrott

Ein öffentlich-rechtliches Internet sowie eine adäquate Besteuerung der Umsätze der Internet­riesen sind für Christian Fuchs die Zukunftsaufgaben.

Auf breite Akzeptanz stieß der Vorschlag Florian Scheubas, Medienkompetenz als verpflichtendes Schulfach in den Lehrplan aufzunehmen.
Nadja Hahn möchte für den ORF den Ausbau der Möglichkeiten im Internet, sodass aufwendig recherchierte Inhalte nicht nach sieben Tagen wieder vom Netz müssen, „aber jeder Schrott für immer stehen bleiben kann”. „Der Informationsauftrag der Öffentlich-rechtlichen sollte sich auf den neuen Plattformen abspielen und dafür benötigt es auch politischen Willen und geeignete Maßnahmen – gerade in Zeiten von Wahlen”, schloss Julia Rehkopf die Diskussion.

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