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Wie der SK Rapid Wien ­Covid-19 heil übersteht © SK Rapid Wien
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Redaktion 16.10.2020

Wie der SK Rapid Wien ­Covid-19 heil übersteht

Es ist „eine unglaublich herausfordernde Zeit” für den mit Abstand beliebtesten Fußballverein des Landes, sagt Geschäftsführer Christoph Peschek zu medianet.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Bei der aktuellen Trendmessung der Bundesliga hat mehr als jeder dritte fußballinteressierte Österreicher (39%) angegeben, den SK Rapid am liebsten zu mögen.

Damit konnten die Grün-Weißen ihre Werte sogar abermals steigern und sind somit so beliebt wie noch nie. ­medianet sprach mit Geschäftsführer Christoph Peschek über ­Covid-19, über Sponsoren und über den Transfer von Thomas Murg.


medianet:
Wie übersteht ein Profifußballverein die schwierigste Zeit seit dem 2. Weltkrieg?
Christoph Peschek: Als Verein, der den höchsten Zuschauerschnitt aufweist und als beliebtester Klub Österreichs die Massen begeistert, bedeuten behördliche Reduktionen einen erheblichen finanziellen Schaden – von Geisterspielen gar nicht zu sprechen. Der Spieltag ist und bleibt eine unserer Haupteinnahmequellen, anders als z.B. in Deutschland, wo die Bundesligisten mitunter mehr als die Hälfte ihrer Erlöse aus TV-Geldern erzielen. Dieses Segment macht bei uns nur rund zehn Prozent aus.

Natürlich steht die Gesundheit im Vordergrund, aber wir haben ein behördlich genehmigtes Präventionskonzept für Spiele mit 10.000 Zusehern und die erste Runde gegen Admira hat gezeigt, dass dieses alle Anforderungen erfüllt und unsere Fans sehr verantwortungsvoll agiert haben. Deshalb verstehe ich nicht, wieso diese Erkenntnisse nicht abgewartet und in weitere Planungen und Maßnahmen miteinbezogen wurden.
Generell halte ich auch nichts von Absolutzahlen, denn man kann die Infrastrukturen und Stadien nicht über einen Kamm scheren. Für zweckmäßig halte ich eine prozentuelle Orientierung an der jeweiligen Stadion­kapazität.


medianet:
Wie reagieren Ihre Sponsoren auf die Situation?
Peschek: Natürlich ist Covid-19 ein gesamtgesellschaftliches Problem und hat viele Unternehmen mit großer Wucht getroffen.

Das merken wir auch bei unseren Partnern, keine Frage. Dass es uns dennoch gelungen ist, mit Gösser und MVC Motors gleich zwei neue Premiumpartner zu gewinnen, erfüllt uns schon mit Stolz. Hinzu kamen auch Coca-Cola, Climatec Badisch und Stihl als Teampartner sowie druck.at als Druck- und Nachwuchspartner und schließlich auch Blitz Blank als offizieller Partner und Brustsponsor von Rapid II.
Ebenso sind wir dankbar, dass so viele Partner in dieser Ausnahmesituation dem SK Rapid die Treue halten. Die Attraktivität des SK Rapid ist ungebrochen groß, auch im Hinblick auf die jungen Talente, die nun in die zweite Liga aufgestiegen sind, und mit unseren Werbeleistun­gen wie auch mit den Netzwerkveranstaltungen bieten wir ­einen echten Mehrwert.


medianet: Wie wirkt sich ­Corona auf die Jahresbilanz aus?
Peschek: Was wir bereits sagen können, ist, dass wir unter normalen Rahmenbedingungen auch das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Gewinn abgeschlossen hätten.

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr vernünftig agiert, haben bisher noch nie einen Kredit für den Spielbetrieb oder für Transfers benötigt und unseren Überziehungsrahmen nie auch nur angetastet. Zudem sind wir über Plan bei der Rückzahlung unseres Stadionkredits und haben die letzten Jahre immer mit einem Gewinn abgeschlossen.
Als der Publikumsmagnet zählen wir leider zu den Hauptleidtragenden der Coronakrise.
Umso wichtiger war und ist der Zusammenhalt der Rapid-Gemeinschaft, und auch die Unterstützung der Politik mit dem Sportligenfonds ist sehr wertvoll. Mehr als die Hälfte unseres Budgets ist mit Spieltagen verbunden, die häufigen und erheblichen Zusehereinschränkungen nehmen uns jede Planungs­sicherheit. Wenn wir statt rund 20.000 Fans nur 3.000 begrüßen dürfen, kann der Schaden in der aktuellen Saison in den zweistelligen Millionenbereich gehen. Umso mehr hoffen wir, dass bald Medikamente im Kampf gegen das Virus existieren.


medianet:
Zum Abschluss ein Schwenk zum Sportlichen. Es sollte ausdrücklich keine ‚Notverkäufe' geben. Wurde Thomas Murg nicht zu billig verkauft?
Peschek: Der Spieler hat uns über sein sehr gutes Auslandsangebot informiert und einen ausdrück­lichen Wechselwunsch geäußert.

Auch wenn wir dies bedauern, so respektieren wir diese Entscheidung. Das hatte nichts mit einem Notverkauf zu tun, sondern mit Thomas Murgs Wunsch nach einer Veränderung.
Das Gesamtpaket hat letztlich für alle Beteiligten gepasst und wir wurden dann auch auf dem Transfermarkt aktiv und haben umgehend reagiert: Mit Marcel Ritzmaier ist eine universell einsetzbare Verstärkung dazugekommen.
Generell freuen wir uns auch darüber, dass wir wieder verstärkt Eigenbauspieler in die Kampfmannschaft des SK ­Rapid integrieren konnten. Die Nachwuchsarbeit ist von großer strategischer Bedeutung.

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