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„Wir müssen bei ORF 1 die Kernzone absichern” © ORF / Roman Zach Kiesling
© ORF / Roman Zach Kiesling

Redaktion 18.03.2022

„Wir müssen bei ORF 1 die Kernzone absichern”

Neue Quizshows und auch Rückkehr der „ZiB 3”: Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz baut um.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN. Fast 100 Tage ist die neue ORF-Geschäftsführung im Amt. Aus diesem Anlass lud die zuständige Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz, die derzeit auch interimistisch als ORF 1-Channelmanagerin fungiert, heimische Medienjournalisten zum Mediengespräch.

In Bezug auf die aktuellen TV-Werte für den ORF sprach Groiss-Horowitz von einer Comeback-Story, die der ORF hier nachhaltig schreibe. Nicht nur, dass der Februar der beste seit 2009 gewesen sei; auch das Jahr 2021 war für den ORF das erfolgreichste seit 2012.
Dabei sei ORF 2 „die treibende Kraft”, und nun gehe man auch die Reform von ORF 1 an und das tue man aus der Position des Marktführers heraus „mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein und der entsprechenden Empathie den Zuseherinnen und Zusehern gegenüber”.
Dabei sei die Marschrichtung für „ORF 1 neu” sowohl für den Vorabend als auch für die Primetime klar: Es wird viel mehr österreichischen Content geben. Diese Zeitschiene werde durchgängig mit Eigenproduktionen bespielt.

Neuer Aufbau

Beginnend mit der „ZiB” um 17:35, einem neuen Quiz um 17:45, dem bereits bestehenden Quiz „Q1” um 18:40, der „ZiB 1” um 19:30, dem Sport um 19:55 und dem wieder eingeführten „ZiB Magazin” um 20:00. Die „ZiB” um 19:30 bleibt übrigens weiter durchgeschaltet. „So bauen wir eine durchgehende Eigenproduktionsstrecke, die wir ab Herbst 2022 sogar auf 17 Uhr erweitern werden”, so Groiss-Horowitz über ihre ­Pläne.

Und auch der Hauptabend von ORF 1 wird umgebaut. Mit „ORF 1 Special” wird es ein neues Magazin geben, welches anlassbezogen über aktuelle Themen berichten soll; die Themenpalette hier reicht von Verschwörungstheorien, über den Ukrainekrieg bis zu einem möglichen Blackout unserer Infrastruktur.
An dieser Stelle merkt Groiss-Horowitz an, dass es „lähmend” sei, dass derart hochwertiger Content den Zuseherinnen und Zuschauern aufgrund der gesetzlichen Regelung lediglich sieben Tage online abrufbar zur Verfügung stehe.
Und ein weiteres Problem ergäbe sich zusätzlich, so die Programmdirektorin: Zwar würden Online-Abrufe einer Sendung, so sie innerhalb von sieben Tagen nach linearer Ausstrahlung passieren würden, nachträglich in die Quoten-Zahlen einberechnet, wodurch sich sogar manchmal nachträglich die Marktanteile verschieben würden, doch diese Erfolge würden medial zu oft untergehen. Ihr Fazit zu dieser Problematik: „Die Beurteilung von Formaten können wir nicht mehr overnight machen.”

Thema Quoten-Darstellung

Die Quote mache eben mehr als nur die Zahl jener Zuseher aus, die während der linearen Ausstrahlung erreicht würden, so Groiss-Horowitz. Weder seien hier die Online-Abrufe noch jene der TVthek oder künftig auch nicht die Abrufzahlen aus dem Player einberechnet.

Der ORF habe bei etlichen Formate eine „extrem hohe Nachnutzung”, doch der Erfolg, der sich dadurch ergebe, bleibe oft unbeachtet.
Etwas Hoffnung setzt Groiss-Horowitz hier auf den Gesetzgeber, um die digitalen Fesseln für den ORF zu lockern. Sie geht davon aus, dass die Novelle zum ORF-Gesetz, an dem ja auch viele Dinge hängen, die derzeit in Vorbereitung seien, „über den Sommer” kommen werde. Und: Auch wenn das neue Gesetz noch nicht da sei, denke man Produktionen „in beiden Welten”, sprich, sowohl für die lineare Ausspielung als auch für die sich dann ergebenden neuen digitalen Möglichkeiten.
Groiss-Horowitz verkündete auch die Rückkehr von zwei News-Formaten. So soll, anlassbezogen, die „MiniZiB” ihr Comeback feiern – als eine Art Erklärformat und telemediales Lexikon, um Kindern komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären, als auch die „ZiB 3”, die eine „stimmige Verlängerung” und Abschluss von „ZiB”, „ZiB 1” und „ZiB 2” sein soll.
Groiss-Horowitz abschließend: „Wir haben noch viele Schrauben, an denen wir drehen können.”

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