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„Wir sehen uns klar als Dienstleister der Branche” © APA

Clemens Pig

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Clemens Pig

Redaktion 22.06.2018

„Wir sehen uns klar als Dienstleister der Branche”

Die Austria Presse Agentur lieferte auch für 2017 stabile Zahlen; Clemens Pig, Vorsitzender der Geschäftsführung und geschäftsführender Vorstand, im Talk.

••• Von Dinko Fejzuli

Die Unternehmensgruppe rund um die österreichische Nachrichtenagentur APA erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 76,35 Mio. €, so das Unternehmen in einer Aussendung.

Das entspricht einem Wachstum von 0,5 Prozent zu Vorjahr. Das operative Ergebnis (EBIT) lag bei 1,90 Mio. € und damit – bereinigt um den Sondereffekt aus dem vorjährigen Verkauf von zehn Prozent der Anteile an der Schweizer Keystone AG – stabil auf dem Vorjahresniveau. Das Konzernergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug 1,65 Mio. €. Ende 2017 waren 576 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der APA-Gruppe vollbeschäftigt.

Führung verlängert

Nach einstimmigem Beschluss der Eigentümerversammlung wurden auch die Funktionsperioden von Clemens Pig, Vorsitzender der Geschäftsführung und geschäftsführender Vorstand, und Karin Thiller, Geschäftsführerin der APA, bis Mitte 2022 verlängert.

medianet nahm die Präsentation der Kennziffern zum Anlass und bat Clemens Pig zu einem Gespräch.
Gefragt danach, wo die zentrale Herausforderung für ein Unternehmen in der heutigen Zeit liege, meint Pig: „Es geht darum, eine gute Balance herzustellen zwischen einem stabilen Ergebnis und Wachstum auf der einen Seite und andererseits auch die Erfüllung des genossenschaftlichen Grundauftrags, laufend Innovationen an der Schnittstelle zwischen Inhalten und Technologie zu ermöglichen.”
Stabile Ergebnisse seien deshalb wichtig, so Pig, „weil unser Grundkonzept noch immer ‚redaktionelle Stärke durch wirtschaftliche Unabhängigkeit' lautet. Wir wollen uns aus eigener Kraft und eigenem Antrieb selbst finanzieren.”
Darüber hinaus interpretiere man, so Pig, den „Membervalue weit über das Bereitstellen des Basisdiensts hinaus. Das betrifft insbesondere neue Technologien und Smart Services, aber auch auf der finanziellen Seite etwa eine Dividende ausschütten zu können.”
Dies sei, so der APA-Geschäftsführer, nach 2016 auch in 2017 sehr zufriedenstellend gelungen.

Smart Services forcieren

Auf der Inhalteseite sei man sehr gut aufgestellt. Nun gehe es darum, Formate wie Blog oder Live-Video bzw. -Streaming zu antizipieren und insbesondere beim Thema Smart Services den Verlagen und Medien Tools zur Verfügung zu stellen, damit diese ihren Content bestmöglich „produzieren, ausliefern und kapitalisieren” können. Und zwar medienübergreifend für die gesamte Branche.

Genau hier sieht Pig ein Umdenken, wie auch bei der kürzlich stattgefundenen Medienenquete deutlich sichtbar geworden ist, dass angesichts internationaler bis globaler Entwicklungen wie die Präsenz neuer Plattformen, neuer Player und damit neuer Geschäftsmodelle die Notwendigkeit, Dinge gemeinsam zu tun, immer dringlicher werde. Ein Thema, wo man bei der APA als viertältester Nachrichtenagentur der Welt und damit wohl tatsächlich der ältesten noch bestehenden Medienallianz in Österreich sowohl für Mitglieder als auch Nicht-Mitglieder etliche Anknüpfungspunkte sieht.
Diesem Leitgedanken folgend, seien ja bereits Produkte wie der Austria-Kiosk oder auch die Austria-Videoplattform entstanden, und nun bereite man mit MediaKey gerade einen weiteren Service für die Branche vor, bei dem man das ebenfalls dringliche Thema „ein gemeinsames Login” für verschiedene Medienangebote angehe. User erhalten dabei mit nur einem Usernamen und einem Passwort Zugang zu den Inhalten aller an Austria Video MediaKey teilnehmenden Verlage.
Dabei kann man als User bereits bestehende Logins integrieren oder sich einmal neu bei MediaKey registrieren. Für die Verlage hat das Tool den Vorteil, dass man die eigenen, individuellen Pay-Modelle, wie diese auch immer gestaltet seien, in MediaKey integrieren könne; bis zum Herbst werde man das fertige Produkt in den Markt bringen, so Pig.
Der APA-Geschäftsführer kann sich dabei sogar vorstellen, in einer zweiten Stufe das Tool an sich auch für andere Zwecke dem Markt anzubieten, etwa beim Thema eCommerce. „Jetzt ist es aber wichtig, dass es mit der APA einen Anbieter gibt, der entlang der Anforderungen der Medien dementsprechende Tools zur Verfügung stellt und integriert. Wir verstehen uns hier klar als Dienstleister”, so Pig.

Raum für Themen geben

Abseits dieser Aktivitäten hat die APA bereits in 2017 ein weiteres Bedürfnis der Branche erkannt und mit dem APA-Pressezentrum, welches alle modernen Anforderungen einer Location für Presseevents erfüllt– inklusive sämtlicher APA-Leistungen wie Verbreitung Text, Bild- oder Videoproduktion, Medienbeobachtung –, buchstäblich einen Raum für Themen geschaffen.

„In einer zunehmend digitalisierten Welt sind wir fest davon überzeugt, dass es auch physische Räume für den Dialog benötigt”, so Pig über einen wesentlichen Vorteil des APA-Pressezentrums zur virtuellen Welt.
Hier brauche sich der Kunde nur auf die von ihm zu kommunizierende Botschaft konzentrieren, die Dienstleistung rundherum übernehme man bei den APA-Tochtergesellschaften APA-OTS und APA-DeFacto. „Die letzten vergangenen sechs Monate waren ein schöner Beweis dafür, dass das Konzept aufgeht – sowohl, was die Buchungslage angeht, als auch die Möglichkeit, etwas über Bedürfnisse der eigenen Kunden zu lernen.”
Und als quasi Dienstleistung on top gäbe es zusätzlich auch die Tools des eigenen APA-medialab – ein Raum und ein Verfahren, wo binnen kürzester Zeit digitale Prototypen für diverse Anforderungen entstehen – zu nutzen.

APA-medialab

Die APA selbst entwickelt über das medialab in sogenannten Sprints innerhalb nur einer Woche klickbare Prototypen von Anwendungen, die entlang definierter Innovationsfelder und Zukunftstrends im Vorfeld ermittelt werden; Kunden können dieses Verfahren und das Know-how auch für eigene Themen nutzen.

Das Prozedere selbst beschreibt Pig als „eine Art kleine Schöpfungsgeschichte, wo wir den Prototypen innerhalb von fünf Tagen designen, und man am Ende zwar einen Dummy hat, jedoch im Look & Feel des Produkts, welches man in einem gewissen Rahmen sogar ausprobieren kann”.
Ein wichtiges Learning aus diesem Verfahren war, dass man – und diese Erkenntnis sei mindestens genauso wichtig wie andere – binnen einer Woche wisse, ob man einen Prototypen hat, den man weiterentwickelt, oder aber, ob etwas auch nicht funktioniert. Dadurch erspare man sich lange, teure Entwicklungszeit, es habe aber durchaus eine Zeit lang gebraucht, die für so eine Herangehensweise notwendige Fehlerkultur auch als etwas Positives zu sehen und in die Unternehmenskultur zu integrieren.
So seien zwar andere Branchen an sich nicht das Geschäft der APA, aber Unternehmen, die das APA-medialab buchen, am Ende auch eine interessante Erlösquelle, so Pig.

Eine News-Tech-Agentur

Die APA stehe inmitten eines Transformationsprozesses von der integrierten Nachrichtenagentur zur News-Tech-Agentur. Ziel ist es, der Medien- und Kommunikationsbranche im digitalen Wandel innovative Technologie-Lösungen und Smart-Services zur Verfügung zu stellen. „Die Verbindung von Content mit Technologie ist das zentrale Geschäfts- und Wachstumsmodell der APA-Gruppe.” Konkret sind damit Artificial Intelligence, Mobile Publishing/Zeitungs-Apps, Mediendatenbanken, Redaktionssysteme, Multimedia- und Videoservices, Distributions- und Media Intelligence-Lösungen gemeint.

„Über technologiefokussierte Leistungen werden schließlich neue Wachstumsfelder über Österreichs Grenzen hinaus im deutschsprachigen Medien- und Kommunikationsmarkt erschlossen – die jüngste Beteiligung der APA an der Schweizer Nachrichtenagentur-Gruppe Keystone-SDA ist eine dieser Ausprägungen”, so Pig abschließend.

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