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„Wir sind nicht nur ein rein linearer Broadcaster” © ORF/Thomas Jantzen

AppellEBU-Präsident Noel Curran und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz fordern im Zuge einer EU-Medienkonferenz in Wien mehr Freiheit für öffentlich-rechtliche Sender im digitalen Sektor und eine angemessene Finanzierung für notwendige Investitionen.

© ORF/Thomas Jantzen

AppellEBU-Präsident Noel Curran und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz fordern im Zuge einer EU-Medienkonferenz in Wien mehr Freiheit für öffentlich-rechtliche Sender im digitalen Sektor und eine angemessene Finanzierung für notwendige Investitionen.

Dinko Fejzuli 12.10.2018

„Wir sind nicht nur ein rein linearer Broadcaster”

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und EBU-Präsident Noel Curran ­fordern einmal mehr zusätzliche digitale Möglichkeiten für öffentlich-rechtliche Sender.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN. Bei einem gemeinsamen Pressetermin von EBU-Präsident Noel Curran und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonten die beiden die mittlerweile drängende Notwendigkeit auf der einen Seite, in Bezug auf die globalen Content-Plattformen gewissen Regularien einzuführen; auf der anderen Seite fordern Wrabetz und Curran eine regelrechte regulatorische „Entfesselung” für die öffentlich-rechtlichen Sender in Europa, damit diese den neuen Konkurrenten auf echter Augenhöhe begegnen können.

Als Beispiel nannte Wrabetz zum einen diverse Genehmigungsverfahren im digitalen Bereich, die bis zu zwei, drei Jahren dauern würden und an deren Ende die Entwicklung selbst schon längst weitergegangen sei, und zum anderen jene Tools, um deren Genehmigung es ursprünglich ging, die aber ob der langen Verfahrensdauer schon längst wieder veraltet und überholt seien.

„Wir verändern uns auch”

Selbst, so Wrabetz, müsste man sich natürlich auch verändern, und zwar „von einem traditionellen Broadcaster hin zu einem Plattformunternehmen”. Dafür aber, so Wrabetz, benötige es andere Rahmenbedingungen etwa beim Thema Streaming, Cloud, IP oder der Anwendung von BlockChain-Technologien.

„Das alles müssen wir nutzen dürfen. Wir sind nicht nur ein lineares Unternehmen, sondern wir müssen in der nonlinearen Welt unseren Content auch vor und nach einer linearen Nutzung oder davon ganz unabhängig und nur im Netz nutzen dürfen”, so Wrabetz weiter.

Sichtbarkeit sicherstellen

Wrabetz und Curran forderten beim gemeinsamen Pressegespräch zudem bei der Regulierung der Plattform-Giganten, dass auf jeden Fall sichergestellt sei, dass die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit des europäischen Contents gewährleistet sein müsse. Der Fehler, bei Regulierungen auf die Globalen zu zielen, aber am Ende nur die europäischen Unternehmen zu treffen, wie etwa bei der Neuregelung der DSGVO, dürfe sich hier nicht wiederholen.

Auf die Kritik vor allem der Privatsender, die Öffentlich- rechtlichen würden zu viel Budget in Unterhaltung stecken, antwortete Curran mit aktuellen Zahlen: „Derzeit gehen 88% unserer Investition in europäischen Content, davon 84% in Originalcontent, 27% in News, 20% in Fiction, 17% in Kunst und Kultur und nur 7% in Entertainment”, so der EBU-Präsident.

Frage der Finanzierung

Für all das brauche es eine angemessene Finanzierung und entsprechende Rahmenbedingungen. „Wir müssen in Infrastruktur rund Digitalisierung investieren können”, so Curran.

Man sei aber auch, so Curran weiter, für Kooperationen wie etwa jene von BBC & Amazon oder die von ARD & Sky, die vor einigen Jahren noch unerhört gewesen seien, offen.

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