PRIMENEWS
Ein G’spür für das ­goldene Wiener Herz
Redaktion 08.10.2015

Ein G’spür für das ­goldene Wiener Herz

Der Wahlkampf geht ins Finale, besser: in die lähmenden letzten Stunden vor einer Hochrechnung, die dem Mars als Reisedestination guttun könnte

Leitartikel
••• Von Sabine Bretschneider

OANS, ZWOA, g’suffa! Während sich ganz Wien über die Wiesn schiebt, volkstümlicher Tracht und blauweißer Gemütlichkeit frönt, geht der Wahlkampf in der Bundeshauptstadt ins Finale.
Teils mit prickelnder Vorfreude, teils mit leisem Grauen lauscht man dem Ticktacken der Sekunden in den letzten Stunden vor der ersten Infografik. Es ist spannend diesmal. Für alle Beteiligten. Und unfair. War es schon einmal dermaßen schwierig, die eigene Stimme tatsächlich dort zu deponieren, wo sie im Endeffekt die gewünschte Reaktion auslöst? Ja? Dann gehören Sie zu jenen, die den ewigen Herausforderer favorisieren. Die anderen wackeln – so hört man – in der eigenen Entscheidungsfindung quer durch das gesamte politische Spektrum und retour. Andererseits: Wiegt die eigene Stimme, die einzelne, überhaupt so schwer? Nun, ja, der kumulative Aspekt macht’s aus. Toi, toi, toi!

Ein Quantensprung

Bleiben wir beim subjektiv wahrgenommenen Gewicht. Da ist ja eben der berühmte „Quantensprung“ (ein „Januswort“, weil hier der winzigstmögliche Hüpf ja immer mit dem riesigen verwechselt wird) gelungen: Der Physiknobelpreis 2015 geht an zwei Physiker, die belegten, dass Neutrinos, elektronische neutrale Winzlinge, nicht nur ihre „Identitäten“ wechseln – das tangiert die Nicht-Physiker eh nicht so –, sondern dass sie Masse haben. Das kippt das Standardmodell der Teilchen doch etwas in die Schräglage. Und, auch das kann man nachlesen: Die Masse aller Neutrinos im Universum zusammen entspricht in etwa jener der sichtbaren Sterne im Kosmos. Klingt beengend, oder?

Plus: Der vermutete Wasserfund auf dem Mars könnte, sagt der vatikanische Chefastronom Guy Consolmagno, „unser Gottesbild ändern“. Denn: „Wenn Gott ein Universum schafft, in dem das Leben überall ist, gibt uns das ein anderes Bild von Gott, und wir erfahren auch mehr darüber, was ‚Schöpfer’ und ‚Schöpfung’ bedeuten.“
Das ist jetzt sehr viel Input in einem verschachtelten Satz, hm? Ein Stück zurück zum „geänderten Gottesbild“: Welcher Gott? Welches Bild? Darf man das, ein Bild? Und: Wessen Gottesbild? Das jener, die den Übergang von „wüst und leer“ bis zu den „Tieren des Feldes und allen Vögeln des Himmels“ vor ein paar Tausend Jahren mit fanatischer Sicherheit vermuten? Oder doch die Vorstellung derer, die, durchaus liberaler Gesinnung, sogar Galileos Rehabilitation bereits verwunden haben. Oder das Gottesbild jener, die mit „Bild“ von vornherein ein definitives Grundsatzproblem haben?

Ein Garderobenproblem

Egal. Wasser auf dem Mars klingt jedenfalls verlockend. Falls die Wiener Welt am Sonntag irgendwie vollkommen aus den Fugen gerät, lässt es sich zumindest darüber nachdenken, dass es sehr wohl einen entspannend apolitischen Ort gäbe. Minus 55 Grad Celsius Durchschnittstemperatur ist nicht ideal, aber, wie heißt es nicht so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung. Sonntag, gegen 18:00 – erste Hochrechnungen. Mehr darüber dann gern nächste Woche …

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