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Neues Rekordniveau bei ausländischen Direktinvestitionen Ernst_and_Young_Andi_Bruckner

Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich.

Ernst_and_Young_Andi_Bruckner

Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich.

Redaktion 08.06.2016

Neues Rekordniveau bei ausländischen Direktinvestitionen

EY European Attractiveness Survey: Zahl der Investitionsprojekte in Europa auf Rekordniveau – leichte Zuwächse bei Projekten in Österreich.

WIEN. Ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) in Europa stiegen 2015 auf ein neues Allzeithoch: Die Anzahl der Investitionsprojekte kletterte im Vergleich zur im Vorjahr aufgestellten Rekordmarke um 14% auf 5.083. Die dadurch geschaffenen Arbeitsplätze stiegen um 17% auf knapp 217.666. Damit liegt diese Zahl erstmals wieder über dem Top-Wert aus dem Jahr 2006: Damals hatten ausländische Investoren gut 215.000 Arbeitsplätze in Europa geschaffen.  Das sind die Ergebnisse des 14. „European Attractiveness Survey“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Dafür wurden einerseits weltweit 1.469 Investoren zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa befragt, andererseits tatsächliche Investitionsprojekte ausländischer Unternehmen in Europa ausgewertet.

"Hohe politische, soziale und rechtliche Stabilität"
Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich: „Die Rekordbilanz bei Investitionsprojekten ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie hoch Europa momentan in der Gunst der Investoren steht. Dieser Aufschwung liegt vor allem daran, dass Investoren in Europa im Vergleich zu den Schwellenländern immer noch auf eine hohe politische, soziale und rechtliche Stabilität vertrauen können, was gerade in politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten ein entscheidendes Kriterium ist. Zusätzlich machen die niedrigen Energiepreise und der schwache Euro Europa aktuell zu einem so attraktiven Investitionsziel.“

Österreich: leichte Zuwächse bei Projekten, aber Rückgang bei Jobs
Zumindest bei der Anzahl an Investitionsprojekten kann Österreich eine positive Bilanz ziehen: 2015 stieg die Anzahl der hierzulande von ausländischen Investoren umgesetzten Projekte leicht von 39 auf 41. Damit liegt Österreich im gesamteuropäischen Länderranking auf Platz 24 von 47 untersuchten Ländern (inklusive Russland und Türkei). Der größte Anteil der Projekte in Österreich entfällt mit Abstand auf Investoren aus Deutschland (49%), gefolgt von den USA (10%) und Japan (7%). Bei den durch diese Projekte geschaffenen Jobs gab es hingegen im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um rund 7,1% auf 1.357.

Maukner: „Zwar haben ausländische Investoren 2015 etwas mehr Projekte in Österreich umgesetzt, allerdings ist die Zahl der dadurch geschaffenen Arbeitsplätze zurückgegangen. Das ist ein klares Indiz dafür, dass die Größenordnung der Investitionsprojekte schrumpft und Österreichs Unternehmen weniger von der allgemein hohen Investitionsbereitschaft profitieren als Betriebe aus anderen europäischen Ländern. Aktuell zieht Österreich daher deutlich weniger Investitionsprojekte an als heimische Unternehmen selbst im europäischen Ausland umsetzen.“

Die Anzahl der von österreichischen Unternehmen im europäischen Ausland umgesetzten Projekte stieg im Vergleich zu 2014 um rund acht Prozent auf 91 – das sind so viele wie zuletzt 2007. Mit Abstand die meisten dieser Projekte setzten heimische Unternehmen in Deutschland (35%) um, dahinter folgen mit großem Abstand Großbritannien (8%) und Russland (7%). Insgesamt schufen österreichische Unternehmen 2015 durch Investitionsprojekte 5.058 Jobs im europäischen Ausland – mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor (2.230) und so viele wie zuletzt 2008.

Top-Standorte Europas: Großbritannien, Deutschland und Frankreich
Bei der Anzahl der Investitionsprojekte liegen die europäischen Top-Standorte Großbritannien (1.065), Deutschland (946) und Frankreich (598) weiterhin unangefochten an der Spitze. Gemeinsam ziehen diese drei Länder knapp mehr als die Hälfte (51%) aller Investitionsprojekte in Europa an. Während Großbritannien und Deutschland jeweils kräftige Zuwächse verbuchen konnten – um 20 bzw. 9 Prozent –, verzeichnete Frankreich als drittwichtigster Investitionsstandort Europas einen leichten Rückgang um zwei Prozent.

Großbritannien konnte im vergangenen Jahr seine Position als führender Dienstleistungs- und Finanzstandort ausbauen, während Deutschland unangefochten die Nummer Eins bei Industrieprojekten ist: So verzeichnete Großbritannien 469 Investitionsprojekte im Bereich Finanzen und Unternehmensdienstleistungen – vor Deutschland, wo 322 derartige Investitionen gezählt wurden. Bei Industrieinvestitionen liegt hingegen Deutschland mit 459 Projekten in Führung, Großbritannien belegt mit 355 Projekten den zweiten Platz.
Aus Sicht der Investoren ist Deutschland die Top-Adresse in Europa: In der weltweiten Befragung nannten 69 Prozent Deutschland als einen von drei Top-Investitionsstandorten in Europa. Großbritannien (43%) und Frankreich (36%) folgen mit deutlichem Abstand.

London bleibt Europas attraktivste Stadt für Investoren
Die innereuropäische Dominanz von Großbritannien, Frankreich und Deutschland spiegelt sich auf im Städteranking wider: London verzeichnet mit Abstand die meisten Investitionsprojekte in Europa (406), gefolgt von Paris (159) und Düsseldorf (127). Aufsteiger des Jahres ist München mit einem Zuwachs von 134 Prozent auf 117 Investitionsprojekte. Auch im Investoren-Ranking der attraktivsten Städte Europas hat London (57%) eindeutig die Nase vorne. Dahinter folgen Paris (43%) und Berlin (29%). Die meisten Vertreter unter den beliebtesten Städten für Investoren verzeichnet Deutschland: Neben der Bundeshauptstadt Berlin schafften es auch München (Platz 6) und Frankfurt (Platz 7) unter die Top-10.

USA bleiben größter Investor
Investitionen innerhalb Europas machen immer noch den Großteil (54%) aller umgesetzten Projekte aus. Durch 2.751 innereuropäische Investitionsprojekte wurden 2015 insgesamt 108.543 Jobs geschaffen. Mit 1.193 Projekten – das entspricht rund einem Viertel (23,4%) aller umgesetzten Projekte in Europa – und 58,437 geschaffenen Arbeitsplätzen bleiben die USA auf Länderebene aber größter Investor in Europa.
Asiatische Investoren haben ihre Aktivitäten in Europa ebenfalls deutlich verstärkt und 2015 735 Projekte – 13 Prozent mehr als im Vorjahr – umgesetzt und damit 37.215 Jobs geschaffen. Größter asiatischer Investor in Europa ist China mit 238 Projekten (+2%). Stark zugenommen haben vor allem Projekte indischer Investoren, die um 37% auf 126 gestiegen sind. (red)

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