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Oscar-Einreichung „Joy“ aus dem Rennen: Österreichische Filmwirtschaft protestiert © FAMA
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Redaktion 13.11.2019

Oscar-Einreichung „Joy“ aus dem Rennen: Österreichische Filmwirtschaft protestiert

Der österreichische Kandidat für den Auslandsoscar wurde aus sprachlichen Gründen abgelehnt.

WIEN. Der österreichische Kandidat für die Nominierung zum Best Foreign Language Film bei den 92. Academy Awards am 9. Februar 2020 wurde abgelehnt. Der kolportierte Grund: Offenbar ist der Film "zu englischsprachig".
Nominiert wurde "Joy", ein Film von Sudabeh Mortezai (produziert von FreibeuterFilm), Anfang September von einer vom Fachverband der Film- und Musikindustrie (FAMA) einberufenen Jury.

Wir den Medienberichten zu entnehmen ist, habe die Academy den österreichischen Beitrag zum Auslandsoscar mit dem Argument abgelehnt, "dass der Film zu einem hohen Prozentsatz englischsprachig sei, was den Richtlinien widerspreche". Der Fachverband protestiert "nachdrücklich aus inhaltlichen und formalen Gründen gegen diese Entscheidung": Formal sei primär zu kritisieren, dass diese Entscheidung so spät getroffen wurde, "dass realistisch eine Berufung nicht mehr berücksichtigt oder über Alternativen verhandelt werden kann".

"Inhaltlich unverständlich"
Auch inhaltlich sei die Entscheidung unverständlich. Die österreichische Jury habe sich bewusst für „Joy“ entschieden, weil der Film "ein quasi-dokumentarisches Abbild der Lebensumstände nigerianischer Prostituierter in Wien" zeichne. In diesem Milieu werde ein Gemisch aus Deutsch, Bini und einer speziellen Form von Pidgin gesprochen, das in US-Kinos ohnehin untertitelt hätte werden müssen.

"Die Entscheidung der Academy ist aus Sicht des Fachverbands inhaltlich anfechtbar und wird der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft entsprechend protestieren", heißt es in der Aussendung des Fachverbandes. Entsprechend dem am Montagabend eingelangten Schreiben des International Feature Film Executive Comittees sei eine Berufungsmöglichkeit oder Nachnominierung allerdings "nicht vorgesehen".

Der Film
Sudabeh Mortezai hat sich in ihrem zweiten Spielfilm Joy mit der Situation nigerianischer Sexarbeiterinnen in Wien auseinandergesetzt, die sich auf dem schmalen Grat zwischen immenser Schuldenlast und prekärem Aufenthaltsstatus (meist vergeblich) bemühen, sich einen Weg in die Unabhängigkeit zu bahnen.

„A standout in this year’s Venice Days program“, schrieb das Filmmagazin "Variety" unmittelbar nach Weltpremiere von Joy in Venedig, wo der Film sowohl mit dem 2018 erstmals an eine herausragende Filmemacherin vergebenen Hearst Prize als auch mit dem Label Europa Cinemas ausgezeichnet wurde. Als Bestätigung folgten innerhalb weniger Monate die Hauptpreise bei den Festivals von London, Chicago und Marrakesch. (red)

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