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„The Spirit of Alpbach“ Execupery

Prof. Günter Koch, Execupery

Execupery

Prof. Günter Koch, Execupery

Günter Koch 31.08.2016

„The Spirit of Alpbach“

Was macht ein Gebirgsdorf, dessen Unterkunftsangebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht eben leicht zu erreichen sind, während drei Wochen im Spätsommer so attraktiv, dass Tausende von „Ideensuchern“ dorthin pilgern und für Tage dort bleiben?

Ein Gastbeitrag von Günter Koch

ALPBACH. Alpbach in Tirol wurde schon als eine Art Mini-Davos, also als eine kleine Kopie der weltberühmten Konferenzen des 'World Economic Forum' in den Schweizer Alpen, charakterisiert. Dem widersprechen der Hauptverantwortliche Ex-EU-Kommissar Franz Fischler als Präsident des Forums Alpbach, wie aber auch der Autor, der dieses Jahr zum 16. Mal teilnahm, heftig. Es ist zwar so, dass man im 2.500-Seelen-Dorf Alpbach tatsächlich viel politische Prominenz, so dieses Jahr Kommissionspräsident Jen-Claude Juncker, die Mehrzahl unserer Minister und nicht wenige Nobelpreisträger hautnah und persönlich treffen kann, aber Stil und Inhalt sind, im Unterschied zu Davos, eher darauf ausgerichtet, auf Augenhöhe Ideen auszutauschen und gemeinsam Zukunftsoptionen zu erkunden, anstatt sich vom Rednerpult aus 'belehren' zu lassen.
Das gilt für 'Hardcore-Wissenschaftler' ebenso wie für Spitzenvertreter der Industrie, die dieses Jahr die Initiative 'Silikon (Valley) Austria' nicht nur ausgerufen haben, sondern wofür Minister Jörg Leichtfried gleich 80 Mio. Euro reserviert hat in der Erwartung, dass mittels Matching Funds ein Budget von letztlich 180 Mio. Euro zusammengebracht werden kann.

Hierarchiefreier Austausch auf Augenhöhe
Natürlich ist nicht jeder Teilnehmer der Alpbacher Gespräche disponiert, Ideen zu generieren, zu vermitteln oder zu verwerten. Kritische Stimmen meinen, dass die Gespräche zu sehr von Funktionären bestimmt und getragen werden. Um es unhöflich auszudrücken: Nicht wenige 'Hofschranzen' im Gefolge ihrer Chefs bestimmen das Geschehen, die die Möglichkeiten des unkonventionellen persönlichen Kontakts nutzen, um einmal ihrem Minister oder Generaldirektor nah zu sein. Gottlob trägt hier die Community der dort versammelten Wissenschaftler eine andere Stilistik hinein: Hierarchiefreier Austausch auf Augenhöhe, tiefes Bohren in offen gebliebenen Themen und ungelöste Fragestellungen, die in der folgenden Zeit gemeinsam weiterzuverfolgen sind.

Wenn Ideen zu konkreten Projekten werden
Aus Erfahrung des Autors muss Alpbach als ein, wenn nicht der, Humus betrachtet werden, auf dem nicht nur Ideen geboren und ausgetauscht werden. Viele zunächst ungefähr gebliebene Gedanken werden in der Folge in konkrete Projekte überführt, sei es im Wissenschaftstransfer, seien es studentische Projekte, die zu länderübergreifenden Kooperationen führen, seien es politische Projekte, die hier ihren Ausgang finden, oder konkrete Wirtschaftsbeziehungen.
Im eigenen Aktionsbereich entstanden so z.B. die Gründung einer Kunstgalerie, die Initiierung eines Projekts zur praktischen Anwendung der Quantenverschlüsselung zur hochsicheren Datenübertragung oder die Gründung einer neuen Form von 'Un-Konferenzen' – wobei diese Beispiele bestenfalls 0,1 Prozent aller innovativen Projekte reflektieren, die einmal ihren Ursprung in Alpbach hatten.
Langer Rede kurzer Sinn: Nach dem Schumpeterschen Gebot, dem verwirkten Alten etwas Neues folgen zu lassen, bietet Alpbach für zukunftsoffene Unternehmen das beste Pflaster, um unserem Land entgegen aller pessimistischer Prognosen doch noch revolutionäre Ideen zu vermitteln, wie wir im Innovationswettbewerb mithalten können.

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