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Die Immo-Preise in Singapur erodieren © Panthermedia.net/ Leung Cho Pan

In Singapur leiden Immobilienmakler aktuell besonders stark unter einer Marktflaute.

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In Singapur leiden Immobilienmakler aktuell besonders stark unter einer Marktflaute.

Redaktion 21.01.2016

Die Immo-Preise in Singapur erodieren

Zwar müssen sich Immobilienmakler auch in anderen Teilen der Welt in der zyklischen Branche mit Zweitjobs über Wasser halten, doch im Stadtstaat sieht die Lage besonders düster aus.

SINGAPUR. Als Billy Loh 2008 als Immobilienmakler begann, wurde sein Job als ein Weg zum Wohlstand angesehen. Heute sitzt er hinter seinem Lenkrad und fährt Gäste durch den Stadtstaat, um seine Rechnungen bezahlen zu können. Der 50-Jährige ist Fahrer für Uber Technologies Inc. in Singapur – dort haben Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilienmarkts die Preise für Häuser unter Druck gebracht und das Transaktionen-Volumen um bis zu zwei Drittel im Vergleich zu 2012 einbrechen lassen.
Nach einem halben Jahr ohne einen einzigen Geschäftsabschluss entschied sich Loh, sein Glück als Uber-Fahrer zu versuchen. Er verdient jetzt durchschnittlich 3.000 Singapur-Dollar (1.940 €) im Monat. Das ist nur ein Zehntel der Kommission, die er mit dem Verkauf einer Wohnimmobilie zu Spitzenzeiten des Marktes hätte verdienen können. „Wir haben keine andere Wahl. Wir müssen irgendwie Wege finden, um über die Runden zu kommen“, sagt Loh.

Minus 68% im Vergleich zu 2012
In Singapur sind die Preise für Wohnimmobilien in zwölf Monaten um 4,3% zurückgegangen – das ist ein größeres Minus als in Hongkong, China, Japan und Australien. Das geht aus dem Knight Frank Global House Price Index hervor, der 55 globale Wohnimmobilien-Märkte abbildet.
Im vergangenen Jahr ist es den Maklern in Singapur laut SLP International Property Consultants gerade einmal gelungen, rund 7.000 neue Wohnimmobilien zu verkaufen. Das entspricht in etwa demselben Niveau wie 2014, ist jedoch ein Rückgang um die Hälfte im Vergleich zu 2013 und ein Minus von rund 68% im Vergleich zu 2012.
Hinter dieser Entwicklung stehen sieben Jahre an staatlichen Markteingriffen mit dem Ziel, die Preise auf dem zweitteuersten Immobilienmarkt in Asien auszubremsen.

Besonders viel Konkurrenz
In Singapur gibt es zudem eine vergleichsweise hohe Anzahl an Immobilienmaklern, verglichen mit dem Volumen der Verkäufe. Insgesamt haben sich mehr als 30.000 Menschen in der Stadt für den Job registriert – bei lediglich rund 3.000 monatlichen Transaktionen, belegen Daten des Institute of Estate Agents.
Im australischen Bundesstaat New South Wales sind es hingegen laut CoreLogic Inc. nur 1.840 Makler, die sich um monatlich 8.160 Transaktionen in Sydney kümmern. Angesichts der Erwartung, dass der Immobilienmarkt in Singapur auch heuer schrumpft, bietet das Institute of Estate Agents den Maklern in der Stadt Kurse an, mit denen sie andere Jobs erlernen und so ihre Einkünfte aufbessern können.
Auch Makler Terence Tham, 35, hat in den neun Jahren, die er nun schon als Immobilienmakler arbeitet, noch nie ein so schlechtes Jahr wie 2015 erlebt. Im November entschied er sich, seinen Honda Civic als Fahrer für Uber zu nutzen – und so zugleich sein Netzwerk an potenziellen Kunden auszubauen. Immer dann, wenn Tham keine Apartments zeigt, fährt er Pendler durch den 718 km2 großen Stadtstaat. Jedem Gast drückt er eine Visitenkarte in die Hand, mit der er für seinen anderen Job wirbt. „Dies war eines der schlechtesten Jahre für mich auf dem Markt für Immobilienmakler“, fasst er seine Lage zusammen. (Bloomberg/red)

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