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170 Mio. Krügerl fehlen schmerzlich © Kurt Keinrath

Brauereiverbandsobmann Sigi Menz und Geschäfts­führerin Jutta Kaufmann-Kerschbaum: Das Bier-Geschäft 2020 hat sich stark in den LEH verlagert.

© Kurt Keinrath

Brauereiverbandsobmann Sigi Menz und Geschäfts­führerin Jutta Kaufmann-Kerschbaum: Das Bier-Geschäft 2020 hat sich stark in den LEH verlagert.

Redaktion 19.03.2021

170 Mio. Krügerl fehlen schmerzlich

Die Corona-Pandemie und die Gastro-Lockdowns haben Österreichs Brauwirtschaft im Jahr 2020 stark getroffen.

WIEN. Corona hat das Bier weggeschüttet: Auch in Österreich haben Brauereien Bier wegschütten müssen, der immer wiederkehrende und prolongierte Lockdown in der Gastronomie hat’s provoziert. Bevorzugt hätten hierzulande die Mitarbeiter das Bier abbekommen. „Wir wollen kein Bier wegschütten, aber wir wollen auch die bereits bezahlte Biersteuer zurück”, sagte dazu Brauereiverbandsobmann Siegfried Menz anlässlich der bierigen Jahresbilanz.

Die Brauereien haben die Krise dann auch anhand der geschlossenen Gastronomie und der Absagen von Konzerten und Großveranstaltungen zu spüren bekommen. Im Schnitt büßten die Brauer ein Fünftel ihres Umsatzes ein. Insgesamt konnten 2020 rund 840.000 hl Fass- und Tankbier weniger verkauft werden als im Jahr zuvor – das entspricht rund 170 Mio. Krügerl und bedeutet ein Minus von 46%. Bei den Bierpreisen in Österreichs Gasthäusern sind 170 Mio. weniger halbe Liter Bier ein Verlust von über einer halben Mrd. €.

Wirtesterben ante portas?

Eine Prognose, wie heftig das Wirtesterben nach der Pandemie ausfallen wird, wollte Menz nicht abgeben. „Wir hoffen, dass alle überleben, auch wenn das nicht ganz realistisch ist”, zumal es auch solche Gastronomen geben werde, die jetzt einfach die Lust verloren haben. Die Brauereien seien aber bereit, den Wirten auszuhelfen – entscheidend werde dabei sein, wie sich die Banken verhalten.

Auch der Pro-Kopf-Bierkonsum dürfte in der Pandemie gesunken sein, in Österreich allerdings weniger dramatisch als in Deutschland: Er dürfte bei uns bei rd. 100 l pro Person und Jahr liegen. „Das Geschäft hat sich stark auf den Lebensmittelhandel verlagert”, räumt Brauereiverbands-Geschäftsführerin Jutta Kaufmann-Kerschbaum ein und spricht von einer drastischen Verschiebung in Richtung LEH, wo 2020 etwa 80% des Bierabsatzes generiert wurden. Beliebt waren die Sorten Lager und Märzen mit einen Marktanteil von 68%.
Die über 300 Brauereien kamen 2020 zusammen auf einen Umsatz von rd. 1,4 Mrd. €. Der Gesamtausstoß (Inland und Export) sank um 4,2% auf rd. 9,6 hl Bier. (nov/APA)

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