Ärger im Panikraum
RETAIL Redaktion 20.11.2020

Ärger im Panikraum

Mit Corona steckt man sich im Privatbereich an, lautet die neue Version von: Wir sind nicht schuld!

Die Finstere Brille ••• Von Christian Novacek

KONTROLLVERLUST. Die Zahl der Infizierten war schon mal in der Gegend von 300, das Ende der Corona-Plage absehbar. Dann kam die sommerliche Reiselust, das Brummen der Tourismusmaschine, hernach die weise Erkenntnis, dass das Virus offenbar mit dem Auto wiedergekehrt sei. Potzblitz sozusagen. Und jetzt: Das Virus stammt aus dem Privatbereich! Wie? Kriecht es leicht unauffällig aus dem Fernseher?

Es ist extrem ärgerlich, wenn man zum eigenen und zum Schutz der anderen acht Monate vorsichtig war und nun mit der Explosion der Coronazahlen konfrontiert wird. Vor allem dann, wenn stets unvorsichtige, privat feiernde schwarze Schafe vorgeführt werden. Das wirkt wie eine fragwürdige Verantwortungsabschieberei. Weil, um mal aus dem privaten Nahbereich zu plaudern, das Problem sind nicht in erster Linie vermeintlich wilden Parties, sondern Öffis und andere Hotspots, die man schlicht nicht im Griff hat. Beispiel: Mein Nachbar fährt mit der Bahn von Gumpoldskirchen nach Wien. Dort ist jeder zweite Sitzplatz für den Virusabstand reserviert, passt also. Nur: Im Gang stehen sie dann dicht an dicht wie die Sardinen. Fein, weil dann kann man das Virus en passant mitnehmen, um ihm im Privaten einen kleinen Bonus-Expansionsschub zu ermöglichen.

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