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Amazon im Gegenwind © APA/AFP/Spencer Platt

Negativimage?Trotz der Aussicht von 50.000 neuen Jobs in New York gab es Widerstand gegen Jeff Bezos’ Onlineriesen in Long Island – Amazon zog die Pläne zurück.

© APA/AFP/Spencer Platt

Negativimage?Trotz der Aussicht von 50.000 neuen Jobs in New York gab es Widerstand gegen Jeff Bezos’ Onlineriesen in Long Island – Amazon zog die Pläne zurück.

Redaktion 22.02.2019

Amazon im Gegenwind

Der Onlineriese wollte mit seinem Hauptquartier nach New York, scheiterte aber am Widerstand auf Gemeindeebene.

SEATTLE. Die Widerstände gegen den Onlineriesen Amazon werden vielfältiger: Hierzulande bildet der Handelsverband eine piksige Speerspitze gegen den Onlinehändler. Zuletzt wurde ebenso die Bundeswettbewerbsbehörde initiativ. Aber auch in den USA ist der Händler umstrittener, als man gemeinhin annehmen möchte. Trotz der Verlockung mit Tausenden Jobs ist Amazon mit seinem Ansinnen, in New York ein weiteres Headquarter zu errichten, de facto gescheitert.

In Long Island City am Fuße des East River wollte Amazon ebenso wie in Arlington nahe der Hauptstadt Washington ein neues Hauptquartier errichten. Insgesamt sollten an beiden Standorten 50.000 neue Jobs entstehen. Nach heftigen Protesten von Lokalpolitikern und Anwohnern strich der Onlinehändler nun allerdings „enttäuscht” seine Pläne für New York. An Arlington will der Konzern jedoch festhalten.

Unerwarteter Widerstand

Dabei waren die Amazon-Pläne vom New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio und vom Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, durchaus unterstützt worden. Das Problem lag in der Ablehnung eine Ebene darunter. Der Widerstand der Gemeindeaktivisten gedieh heftig – entsprechend sind nun die Reaktionen: „Ich hatte befürchtet, dass eine Menge Leute hierherkommen und es hier wird wie in Manhattan”, sagt etwa die Anwohnerin Danielle Quagliata. Nun sei sie erleichtert.

Andere befürchteten vor allem eine Mietpreisexplosion – und hielten gleichzeitig das Job-Versprechen für ambivalent: „Ich denke nicht, dass es die Jobs gewesen wären, die die Menschen hier brauchen”, kommentierte eine Anwohnerin. Neben der Rationalität spielt der emotionale Faktor seine Rolle. Etwa bei Carlos Dall'Orso, der im Viertel einen Fahrradladen betreibt. Er hätte sogar von den vielen neuen Amazon-Mitarbeitern in Long Island City profitieren können. Aber er verzichtet lieber: „Als jemand, der im Einzelhandel arbeitet, kann ich nicht viel Nettes über Amazon sagen”, sagt er. „Amazon bringt den Einzelhandel um. Wenn der erstmal weg ist, werden sie den Preis kontrollieren und dann werden sie nicht mehr günstig sein.”
Selbst von der Idee, dass die Amazon-Mitarbeiter seinem Fahrradladen einen Umsatz-Schub hätten geben können, hält er nicht viel. „Das verlängert nur den Tod”, sagt er und zieht den Vergleich: „Mache ich eine Chemo oder schieße ich mir direkt eine Kugel in den Kopf?”
Außerhalb der Detailansicht sah es indes nicht mal schlecht aus für Amazons Siedlungspläne: Einer Umfrage zufolge waren zuletzt 56% der New Yorker für das Amazon-Projekt in der Metropole und 36% dagegen.

Bezos privat in der Auslage

Neben der neuen Zentralperspektive weg von New York stand Amazon-Mastermind Jeff Bezos zuletzt mit seinem Privatleben im Schaufenster. Seine Nacktfotos gingen an das Boulevardblatt National Enquirer. Bezos warf deren Chef (einem Freund von US-Präsident Donald Trump) im Kontext übelste Erpressung vor. (APA/red)

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