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Bayer will auf den Thron © APA/dpa/Oliver Berg

Bayer-Vorstand Werner Baumann möchte Herr über den Agrarmarkt werden.

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Bayer-Vorstand Werner Baumann möchte Herr über den Agrarmarkt werden.

Nataša nikolić 27.05.2016

Bayer will auf den Thron

Sollte Bayer die Übernahme von Glyphosat-Hersteller Monsanto gelingen, droht ein weltweites Lebensmittelmonopol.

••• Von Nataša Nikolic

LEVERKUSEN/NEW YORK. 55 Mrd. € ist Pharmakonzern Bayer der Thron im Agrarchemiegeschäft (vorerst) wert. Es wäre die teuerste Übernahmen der deutschen Wirtschaftsgeschichte, würde Monsanto zustimmen, doch der Glyphosat-Hersteller bewertet das Offert als „finanziell unzureichend” und lehnt ab. Monsanto-CEO Hugh Grant lässt ausrichten, dass „das aktuelle Angebot eine beträchtliche Unterbewertung des Unternehmens darstellt”.

Das Management des US-Agrarkonzerns zeigt sich dennoch offen für weitere Gespräche und teilt mit, dass eine „integrierte Strategie” der beiden Konzerne „erhebliche ­Vorteile” sowie auch kartellrechtliche Probleme mit sich bringen könnte.

Bayer ist zuversichtlich

Sollte die Übernahme zustandekommen, würden Bayer und Monsanto einen weltweit führenden Anbieter für Saatgut und Pflanzenschutzmittel schaffen. „Wir freuen uns, dass der Verwaltungsrat von Monsanto unsere Überzeugung von den erheblichen Vorteilen einer integrierten Strategie für Landwirte und die Gesellschaft insgesamt teilt”, sagte Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. „Wir sind zuversichtlich, dass wir alle Fragen zur Finanzierung und zu regulatorischen Aspekten im Zusammenhang mit der Transaktion klären können.”

Auswirkungen einer Übernahme

Monsanto steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Es wird bereits seit Längerem über gesundheitsschädliche Auswirkungen des Wirkstoffs Glyphosat, den Monsanto in seinem weltweit verbreiteten Unkrautvernichter „Roundup” benutzt, diskutiert.

Der umstrittene Konzern führt seit Jahren die Sigwatch-Liste an – ein Ranking von Unternehmen, die alljährlich von NGOs in Kritik geraten – und sorgt weltweit für Proteste. Für Bayer würde eine Übernahme mit großer Sicherheit Imageprobleme nach sich ziehen: Bemerkbar machten diese sich bereits beim Bekanntwerden der Übernahmepläne und erneut bei Bekannt­gabe des Preises, indem der Kurs der Bayer-Aktien fiel. All das scheint ein tragbares Risiko für den Aspirin-Hersteller zu sein, wenn er dadurch die Kontrolle über die Landwirtschaft erlangt. 2003 kaufte Bayer die Pflanzenschutzsparte von Konkurrent Aventis und damit auch genmodifizierten Reis, der sich in Amerika von den Versuchsfeldern in konventionelle Anpflanzungen verirrte und dort viel Ärger anrichtete, erinnert die Zeit. Jetzt droht auch die Ratingagentur Fitch mit einer Herabstufung des Bayer-Konzerns, da der Erwerb von Monsanto die Schuldenlast und das betriebliche Risiko der neuen Gruppe erhöhen würde.

Lebensmittelmonopol?

Eine Fusionierung der beiden Konzerne würde zu einem weltweiten Lebensmittelmonopol führen, warnt EU-Abgeordneter der Grünen Michel Reimon. „Eine Marktmacht-Konzentration solchen Ausmaßes ist eine existenzielle Bedrohung der bereits eingeschränkten Wettbewerbsstrukturen im europäischen Agrarmarkt”, schreiben auch Martin Häusling und Sven Giegold in einem Brief an EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

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