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Biertrinken ist weiblich
christian novacek 08.03.2019

Biertrinken ist weiblich

Der fette Mittagsbierkrug ist out, aber dafür greifen Frauen abends öfters zum schlanken Bierchen.

Die Finstere Brille ••• Von Christian Novacek

SCHAUMGEBREMST. Wo sind sie hin, die Zeiten, als in der Mittagspause drei Bier als Speisebegleitung der schlichte Arbeitstagsstandard waren? So lange nicht, zehn Jahre würd ich tippen. Irgendwie hat sich im letzten Jahrzehnt ein brutal puritanischer Gedanke in den Alltag gedrängt. Bieriges Rülpsen würde heute junge Kolleginnen hochgradig konsternieren.

Für Bierbrauer ist das schlecht, da ist ein Markt eingebrochen. Das wollten die mit alkoholfreien Mittagsbieren kompensieren, hat aber nicht wirklich funktioniert. Vielleicht hat man übersehen, dass Bier nicht zuletzt ein Wirkungsgetränk ist. Mir jedenfalls erschienen meine nachmittäglich verfassten Artikel damals überaus flüssig geschrieben. Heute herrscht da eher die Nüchternheit in der Wortwahl vor.
Immerhin: Der Bierkonsum in Österreich ist trotz abhandengekommenen Mittagsräuschchens nicht weniger geworden: Junge, hippe Frauen helfen mit nonchalanter Neugier, die gefährdete Hektoliterbilanz auszugleichen. Dabei trinken sie ihr Bier lieber abends und in kleiner, unspektakulärer Dosis – anlässlich des Weltfrauentags finde ich das naturgemäß sehr cool.

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