Black Friday - Polarisierendes Rabattspektakel vor Weihnachten© APA/AFP/Samuel Corum
RETAIL Redaktion 23.11.2023

Black Friday - Polarisierendes Rabattspektakel vor Weihnachten

WIEN. Die Rabattschlacht rund um den Black Friday hat sich auch in Österreich durchgesetzt und dauert zunehmend länger. Aktionen sollen die Kauflust anstacheln, dabei sind die Preisnachlässe oft nicht so hoch wie gedacht. Konsumentenschützer warnen vor Fallen und Fake-Shops, NGOs kritisieren Textilmüll und schlechte Arbeitsbedingungen in vielen Produktionsstätten im Globalen Süden. Auf TikTok posten Jugendliche unterdessen ihren Schuldenstand.

Der Black Friday stammt aus den USA, es ist der Freitag nach Thanksgiving, das stets auf den vierten Donnerstag im November fällt. Heuer ist es der 24. November. Das Wochenende nach dem Erntedankfest gilt in den Vereinigten Staaten als Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Der Onlinehandel zieht mit dem Cyber Monday nach. Zunehmend schwappte die Rabattschlacht auch nach Europa und damit nach Österreich.

Der Nutzen von Sondereinkaufstagen gilt sowohl im Handel als auch für Konsumenten als umstritten. Unterschiedlichen Umfragen zufolge shoppen zwar immer mehr Menschen auch hierzulande am Black Friday, ob sie sich damit etwas sparen, ist jedoch fraglich. Die verlockenden Rabatte seien manchmal reiner Schwindel und Fake-Shops hätten ebenfalls Hochkonjunktur, warnen Konsumentenschützer.

"Ebenso sollten sich Konsumentinnen und Konsumenten nicht von Marketing-Tricks wie Countdowns oder 'streng limitierten' Kontingenten beeinflussen lassen", empfiehlt AK-Konsumentenschützerin Christina Gruber. Auch Zusatzkosten wie der Versand würden einen nicht zu unterschätzenden Anteil der Kosten ausmachen, wodurch das vermeintliche Schnäppchen am Ende deutlich teurer werde. "Den Black Friday nutzen auch Kriminelle, um mit betrügerischen Fake-Shop-Angeboten Geld und Daten von Konsument:innen zu stehlen", warnt die Arbeiterkammer (AK) Wien.

Auch wenn der Black Friday Kaufimpulse setzt, bleibt für den Handel ein Wermutstropfen. "Konsument:innen gewöhnen sich an Aktionspreise und nehmen dann mittel- und langfristig die Kurantpreise als zu hoch wahr. Denn Preisaktionen und Aktionstage sind wie Drogen, sie machen den Handel kurzfristig high, aber langfristig krank", sagte Christoph Teller, Vorstand des Instituts für Handel, Absatz und Marketing der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz. Auch Ernst Gittenberger von der JKU sieht den Nutzen für den Handel mit Skepsis. Die "Aktionitis" rund um Black Friday werde den ohnehin sinkenden Margen weiter zusetzen und das Ausgabenplus werde von der Teuerung aufgezehrt. "Ein reales Umsatzwachstum ist daher auch zu den Aktionstagen nicht zu erwarten - ein Gewinnwachstum sowieso nicht", sagte Gittenberger.

Der Handelsverband erwartet für die bevorstehenden Sondereinkaufstage Black Friday und Cyber Monday einen Umsatz von 450 Mio. Euro. Das sei zwar um 10 Mio. Euro mehr als im Vorjahr, inflationsbereinigt aber ein Minus von rund 7 Prozent, räumte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will ein.

Für Organisationen wie Fairtrade verkörpert der Black Friday "die Schnelllebigkeit des Konsums und den Hang zur Schnäppchenjagd". Die Kosten würden jene Menschen tragen, die die Kleidung und Textilien herstellen, die Auswirkungen seien in der Umwelt und beim Klima spürbar. "Arbeitslöhne werden gedrückt, Umweltstandards vernachlässigt oder unzureichend eingehalten. Und was noch nicht im Bewusstsein angekommen ist, die Fast-Fashion-Industrie erschöpft nicht nur Ressourcen, sondern verursacht auch beträchtliche CO2-Emissionen", so Fairtrade-Österreich-Geschäfsführer Hartwig Kirner. Bekleidung steht laut Umfragen ganz oben auf der Liste der Artikel, die am Black Friday gekauft werden.

Wohin Konsumwahn führen kann, zeigt ein Trend, der sich auf der Videoplattform TikTok abspielt. Dabei prahlen Jugendliche damit, dass sie beim Bezahldienst Klarna mit bis zu fünfstelligen Summen verschuldet sind. Unter dem Hashtag #klarnaschulden, der bereits über 70 Millionen Aufrufe hat, posten junge Menschen Videos, in denen sie erklären, wie viele Schulden sie schon angehäuft haben bzw. dass sie ihre bestellten Waren in Raten zahlen wollen.

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