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Bloggen – so lang, bis einer heult
Redaktion 10.11.2015

Bloggen – so lang, bis einer heult

Selfies sind ein stummer Schrei nach Liebe.

Am Tellerrand
••• Von Daniela Prugger

ZIRKUS. Vor Kurzem wurde die neue Kollektion Balmain x H&M gelauncht, auch in Wien gab es einen exklusiven Pre-Shopping-Event. Jene, die auf der Liste standen, hatten die Möglichkeit, exklusiv und vor den Augen des Volks, welches sich an den Scheiben die Nasen plattdrückte, die begehrten Stücke schon einen Tag früher zu kaufen. Wie in einem sehr schlechten Film gaben sich die Gäste, vom Prosecco beflügelt, ihren Stereotypen hin und stürzten sich mit ihrem iPhone bewaffnet aufs Gewand. Bilder sagen mehr als tausend Worte und sind sie noch so gestellt. Die Rede ist von Bloggern. Schmollend, immer chic, mit Smoothie und Granola ausgestattet – die Facebookprofile und Instagram­-Accounts von Fashion- und Lifestylebloggern haben die Adjektive oberflächlich und sinnlos für mich neu definiert. Alles machen für ein Like, sogar die Flüchtlingshilfe nutzen gewisse Internetstars für sich. Ein bisschen was von einer Sekte hat das Ganze schon – blindlings jemandem folgen, der einem erklärt, wie man leben soll. Dabei sind die meisten Blogger auch nur Werber, schlagen aus dem, was sie machen, Profit und fördern im schlechtesten Fall Magerwahn und einen extremen Ernährungshype. „Ich suche Hilfe in einer Klinik“, schrieb die 21-jährige Celia Learmonth vor Kurzem, sie habe ein gestörtes Verhältnis zum Essen. Die 19-jährige Bloggerin Essena O‘Neill hat radikal mit den Sozialen Medien gebrochen: „Selbst mit all diesen Followern wusste ich nicht, was echt war und was nicht.“ Parties, Sport, Essen, Shoppen – über so ziemlich jeder Aktivität scheint mittlerweile ein riesiger Hashtag zu hängen. Aufmerksamkeit, Zustimmung und beliebt sein – wer will das nicht. Doch vom Bloggen loszukommen, scheint genauso schwierig zu sein wie von Heroin. Selfies sind ein stummer Schrei nach Liebe.

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