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Der Automat als Teil des Kundenerlebnisses © café+co/Rainer Mirau
© café+co/Rainer Mirau

Redaktion 01.10.2021

Der Automat als Teil des Kundenerlebnisses

café+co-Geschäftsführer Fritz Kaltenegger über Kaffee als Konjunkturbarometer, Apps und Nachhaltigkeit.

••• Von Daniela Prugger

WIEN. Obwohl die ­Portionen Kaffee pro Jahr in Österreich von rund 500 Mio. auf 420 Mio. gesunken sind, nimmt Geschäftsführer Fritz Kaltenegger aus der Coronakrise auch Positives mit. Für café+co waren die vergangenen Monate auch eine Chance, um neue Trends zu identifizieren. Nach der Einführung der kontaktlosen Bezahlmöglichkeit wurde mit dem Launch der SmartPay-App vor Kurzem der nächste Schritt in Richtung Digitalisierung gesetzt.

medianet: Welche Spuren hat die Coronakrise bei café+co hinterlassen?
Fritz Kaltenegger: Grundsätzlich ist es so: Wenn die Wirtschaft anläuft und die Leute arbeiten, steigt der Kaffeekonsum und vice versa. Das heißt, unser Kaffee ist eine Art Konjunkturbarometer, das während der Lockdowns und dem fast vollständigen Erliegen des öffentlichen Lebens natürlich stark unter Druck geraten ist. Mit einer Verdoppelung des Investitionsbudgets ist café+co den Herausforderungen durch Corona jedoch bewusst aktiv begegnet. Wir haben von der Krise gelernt, neue Trends identifiziert und daraus die richtigen Investitionsschwerpunkte für uns abgeleitet.

medianet:
Bisher werden bei café+co mehrheitlich Heißgetränke verkauft. Wie hoch ist der Anteil der Geräte, die Kaltgetränke und Snacks ausgeben?
Kaltenegger: Von den international 60.000 café+co Automaten stehen 20.000 in Österreich. Dabei sind sieben von zehn Geräten Heißgetränkeautomaten, zwei Erfrischungsgetränke- und Snack-Automaten und ein Office-Gerät.

medianet:
Wird der Snack-Bereich weiter ausgebaut werden?
Kaltenegger: Wir folgen dem Credo: ‚Gutes kommt von nah'. Unser selbst gestellter Anspruch ist es deshalb, Snacks von höchster Qualität zur Verfügung zu stellen und dem Konsumenten an unseren Automaten auch ein Stückchen Heimat anzubieten. Dafür bauen wir aktuell unsere Partnerschaften mit regionalen Erzeugern sowie unsere eigenen Frischeproduktionen an den Standorten Linz und Graz weiter aus.

medianet:
Welche Trends in der Nachfrage vonseiten der Konsumenten beobachten Sie in Österreich?
Kaltenegger: Corona hat uns sehr klar gezeigt, wie schnell sich Dinge in der modernen Arbeitswelt ändern können – das haben wir mit aktuell 2.000 Mitarbeitern international und 600 in Österreich auch im Unternehmen selbst gespürt. Kleinere Teams vor Ort in den Büros und Werkstätten sowie der Trend zum Homeoffice wirken sich natürlich auf unser Geschäft aus. Die Leute wollen Barista-Qualität bei sich im Büro und zu Hause, ohne sich wirklich darum kümmern zu müssen. Mit den kompakten Geräten unserer ‚mocca manufaktur' bieten wir deshalb ein neues, modulares Mietsystem mit Wartungsservice, das perfekt auf diese Anforderungen zugeschnitten ist.

medianet:
Digitalisierung ist auch im Bereich von Kaffeeautomaten ein Thema. Wie sieht der ideale Kaffeeautomat aus?
Kaltenegger: Uns geht es um das ideale Kundenerlebnis. Der Automat ist heute lediglich ein Teil davon. Den Kunden interessiert letztlich das Produkt und dass er es einfach erhält. Deshalb bieten wir durch bargeldlose Bezahlfunktionen und unsere SmartPay App neue, zeitgemäße Möglichkeiten, den Weg zu einem Becher Kaffee oder einem frischen Sandwich noch komfortabler zu gestalten. Die App hilft zusätzlich dabei, den nächstgelegenen Automaten zu finden, das Lieblingsgetränk komfortabel bargeldlos zu bezahlen und sammelt sogar noch Bonuspunkte für Vergünstigungen bei Partnershops. Das sind die kleinen Erleichterungen im Arbeitsalltag, die für Entspannung und Wohlbefinden sorgen. Wobei – und auch das wissen wir von unseren Kunden – über allem steht immer noch der Geschmack.

medianet:
Was muss der Kaffeeautomat der Zukunft können?
Kaltenegger: Unsere Investitionsschwerpunkte liegen in der Digitalisierung, der Modernisierung unseres Geräteparks sowie bei der verbesserten Interaktion mit unseren Kunden. Konkret haben wir im Geschäftsjahr 2020/2021 dafür 24 Mio. Euro bereitgestellt. Zwei davon fließen in bargeldlose Bezahlfunktionen und 200.000 Euro in unsere App. International haben wir heute bereits 22.000 Geräte mit SmartPay ausgestattet. Bis Ende des Jahres sollen es dann schon 26.000 sein.

medianet:
Die EU hat Einweg- und Plastikgeschirr den Kampf angesagt, viele Einwegplastikprodukte sind seit dem 3. Juli 2021 verboten. Ende 2022 werden auch bei café+co die Plastikbecher durch Pappbecher ersetzt. Warum hat dieser Schritt so lange auf sich warten lassen?
Kaltenegger: Die Becherthematik begleitet uns genauso wie viele andere Entwicklungsprojekte bereits seit längerer Zeit. Unser Ziel ist es, in den Bereichen Produktqualität, Nachhaltigkeit, Regionalität und Technik Schritt für Schritt zu optimieren. Nachdem wir unsere Produktpalette um fair gehandelte Sorten und regionale Erzeugnisse erweitern konnten und auch unsere Digitalisierungsstrategie in Umsetzung ist, wird nun der zügige Abtausch der Plastikbecher umgesetzt. Nachdem wir unsere Produktpalette um fair gehandelte Sorten und regionale Erzeugnisse erweitern konnten und auch unsere Digitalisierungsstrategie in Umsetzung ist, wird nun der zügige Abtausch der Plastikbecher umgesetzt.

medianet:
Welchen Stellenwert nehmen die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei café+co ein?
Kaltenegger: Wir nehmen unsere Verantwortung in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sehr ernst. In diesem Sinne haben wir unsere regionalen Lieferketten ausgebaut, um einerseits Wertschöpfung in der Region zu schaffen, aber auch Lieferwege und damit CO2 einzusparen. Gleichzeitig hilft uns unser regional verzweigtes Standortnetz dabei, Anfahrtswege zu Kunden und Automaten so kurz wie möglich zu halten. Weiters haben wir durch eine Kooperation mit Too Good To Go Food Waste den Kampf angesagt. Frische Lebensmittel, die am Ende eines Verkaufstags noch im Automaten sind, bieten wir dabei zu stark vergünstigten Preisen zur Abholung an.

medianet:
Im Jahr 2019 setzte das Unternehmen 250 Mio. Euro um, im Jahr 2020 waren es coronabedingt 203 Mio. Euro. Welche Erwartungen und Ziele haben Sie an 2021?
Kaltenegger: Nach dem corona-bedingten Rückgang der Umsätze im Jahr 2020 hat sich in der Branche eine Phase der sukzessiven Erholung eingestellt. Das Wiederanfahren der Wirtschaft in Kombination mit der Umsetzung mehrerer relevanter Zukunftsprojekte deutet ganz klar auf ein positives Ergebnis für die café+co Gruppe hin. Bei allem Optimismus ist in der aktuellen Lage aber immer noch Vorsicht geboten. Abzuwarten bleibt hier die tatsächliche Entwicklung der Corona-Situation im Herbst. Klar ist: Wird das gesellschaftliche Leben wieder eingeschränkt, nimmt auch die Frequenz an öffentlichen Plätzen rasant ab, was die Kaffeebranche deutlich zu spüren bekommen würde.

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