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Der Erfolgsfaktor Incentivierung © Mario Pernkopf

Ralf Mittermacher (CEO Saubermacher), Herbert Bauer (GM Coca-Cola HBC Österreich) und Christoph Scharff (Vorstand ARA) im Sommer beim Auftakt des Modellversuchs in Gnas.

© Mario Pernkopf

Ralf Mittermacher (CEO Saubermacher), Herbert Bauer (GM Coca-Cola HBC Österreich) und Christoph Scharff (Vorstand ARA) im Sommer beim Auftakt des Modellversuchs in Gnas.

Redaktion 12.11.2021

Der Erfolgsfaktor Incentivierung

Die EU-Recyclingziele stellen eine Herausforderung dar. Digitale Anreizsysteme könnten beim Erreichen helfen.

WIEN / GNAS. Sowohl die EU-Recyclingziele für Kunststoffverpackungen – mit einer Verdoppelung auf 50% bis 2025 – als auch das Sammelziel von 90% für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff im Jahr 2029 (aktuell ca. 70%) erfordern eine massive Steigerung der Sammelmenge. Mit der im Rahmen des neuen Abfallwirtschaftsgesetzes beschlossenen Einführung des Einwegpfands 2025 ist ein wichtiger Schritt zur Steigerung der Sammelquote getan. Nicht zuletzt, um in der Zwischenzeit für Bewusstseinsbildung zu sorgen und um langfristig die vor allem im urbanen Raum schwach ausgeprägte Sammelmotivation anzukurbeln, sind zusätzliche, kreative Lösungen gefragt.

Eine solche testeten im Sommer Altstoff Recycling Austria (ARA) und das Grazer Abfallentsorgungsunternehmen Saubermacher mit „digi-Cycle”, einem digitalen Anreizsystem. Die multimodale Lösung nutzt die bestehende Sammelinfrastruktur von Gelber Tonne und Gelbem Sack mit zwei Mio. Sammelpunkten in ganz Österreich, kann mit der Rücknahme im Lebensmittelhandel – mit oder ohne Automaten – kombiniert werden und erfüllt alle Anforderungen von Herstellern und Handel an ein zukunftsfähiges Einwegpfand.

Pilotversuch in Gnas

Das Handy-App-basierte System kann als Incentive gestartet und zu einem vollwertigen Einwegpfandsystem freigeschaltet werden. Die kosteneffiziente Rücknahme über die Sammellogistik der Abfallwirtschaft ermöglicht es, das System freiwillig beispielsweise auf Getränkeverbundkartons sowie Food- und Non-Food-Verpackungen auszuweiten, um die für die Recyclingquoten erforderlichen Sammelmengensteigerungen zu erzielen. Dies kann durch Community Building und Gamification via App weiter unterstützt werden.

Der im steirischen Gnas gestartete Modellversuch wurde von führenden Getränkeherstellern wie der Brau Union Österreich, Vöslauer, Coca-Cola Österreich und Red Bull unterstützt und Ende September abgeschlossen. Zu Beginn wurden PET-Flaschen und Getränkedosen ausgegeben, an denen digitale Codes angebracht waren; zusätzlich wurden die Gelben Tonnen und Gelben Säcke bzw. Blauen Tonnen mit QR-Codes versehen.
Die interessierten Teilnehmer scannten nach dem Konsum via App den Code auf der Flasche oder Getränkedose sowie am Sammelbehälter und erhielten nach einer richtigen Entsorgung Punkte gutgeschrieben, die sie in weiterer Folge gegen Prämien bei lokalen Partnern eintauschen konnten. (red)

Positives Feedback

Eine mögliche Zielgruppe für die Anwendung könnten auch kleine Händler und Kaufleute darstellen, für die ein Rücknahmesystem mangels Platz oder Personal nicht möglich ist.

Der Pilotversuch kann jedenfalls als gelungen betrachtet werden: Im Rahmen einer Schlussbefragung gaben 85% an, mehr Kunststoffverpackungen mit Gelber Tonne oder Gelbem Sack beim Haus zu sammeln; demgegenüber meinten nur neun Prozent, dass sie die Rücknahme über den Handel mit einem Einwegpfand zu mehr Sammlung veranlassen würde. (red)

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